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20 Jahre danach: Krieg(e) in Jugoslawien

Erstellt am 21.09.2011 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 9402 mal gelesen und am 21.09.2011 zuletzt geändert.

Herausforderungen für eine „Europäische Friedenskultur“ behandelt eine Internationale Tagung an der Alpen-Adria-

Der österreichische Schriftsteller,
Pazifist und Friedensnobelpreisträger 1911,
Alfred H. Fried 1918:
»Was wird heute nicht alles als Pazifismus bezeichnet«

„[Er hat], um an die Macht zu kommen und zu bleiben,
den Pazifismus der Grünen verraten.“

Oskar Lafontaine über Joschka Fischer, Stern 4/2006

 

Universität Klagenfurt
vom 29. November 2011 – 1. Dezember 2011

Stiftungssaal der Alpen-AdriaUniversität Klagenfurt (im Servicegebäude am Universitätsgelände)

Als Jugoslawienkriege (oft auch „Balkankonflikt“ genannt) wird eine Serie von Kriegen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien gegen Ende des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Aber auch Friedensnobelpreisträger Alfred H. Fried setze sich mit den Balkankriegen vor 1914 intensiv auseinander. Deutsche und Österreichische Militärs uns Außenpolitiker spielten rund um den Balkan selten eine pazifistische Rolle. Nach 1991 ist aber Jugoslawien blutig zerfallen waren. Im Einzelnen handelte es sich um

  • den 10 -Tage Krieg in Slowenien (1991),
  • den Kroatienkrieg (1991–1995),
  • den Bosnienkrieg (1992–1995) und den
  • Kosovokrieg (1999).

Die Kriege in Jugoslawien

Sie hatten als Ergebnis eine für viele nach 1945 unvorstellbare Anzahl an

  • Toten, Verletzten und
  • Vertriebenen

in Europa zur Folge.

Aus ihnen resultierten

  • verheerende Folgen auf ökonomischer Ebene und
  • im Umweltbereich.

Vor allem aber kann bis heute in einigen Nachfolgestaaten von einem friedlichen Zusammenleben der Menschen nicht gesprochen werden. Auswirkungen der kriegerischen Auseinandersetzungen hatten über die betroffene Region hinaus auch weitreichende Bedeutung für Europa und seine Mitgliedsstaaten. Sie zerstörten alle Illusionen von einem Europa, das den Krieg bereits historisch überwunden hätte.

„Diese Kriege geben Europa vielleicht einen Anstoß, aus diesen Erfahrungen Lehren zu ziehen, was zu tun ist, um tatsächlich ein friedlicheres Europa aufzubauen“?

Die Konferenz in Klagenfurt

Sie analysiert

  • die Kriege
  • ihre Auswirkungen und
  • zieht eine kleine Bilanz möglicher Lehren und zukünftiger Friedensperspektiven, sowohl auf einzelstaatlicher und auf europäischer Ebene wie auch auf der Ebene der Zivilgesellschaft.

„Selten wurde ein Konflikt so stark kulturalisiert wie der Jugoslawienkonflikt.“ Er wurde gedeutet als

  • als ethnischer Krieg,
  • als religiöser Konflikt,
  • als historische Feindschaft und
  • nach dem Schema von Huntingtons „Kampf der Kulturen“ interpretiert.

Gerade weil diese Sichtweisen so problematisch sind, müsse es darum gehen, „die vielfältigen Gründe und Ursachen aus heutiger Sicht gemeinsam mit WissenschafterInnen, NGO-VertreterInnen und PolitikerInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien wie ExpertInnen außerhalb des ehemaligen Jugoslawien zu reflektieren.“

Die VeranstalterInnen

  • Das Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
  • in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Klagenfurt,
  • mit Mitgliedern des neu gegründeten Friedensclusters (Institut für Konfliktforschung Wien, IKF,
  • Österreichisches Studienzentrum für Friedens- und Konfliktforschung Schlaining, ÖSFK,
  • Demokratiezentrum Wien,
  • mit dem Institute for Integrative Conflict Transformation and Peacebuilding, IICP in Wien, mit dem
  • Universitäts.club Wissenschaftsverein Kärnten und
  • dem Bündnis für Eine Welt Kärnten.

Folgende Vortragende haben zugesagt

Jan Bancroft is a member of TransConflict. TransConflict was established in response to the challenges facing intra- and inter-ethnic relations in the Western Balkans. It is TransConflict’s assertion that the successful transformation of conflict requires a multi-dimensional approach that engages with and aims at transforming the very interests, relationships, discourses and structures that underpin and fuel outbreaks of low- and high-intensity violence. At present, TransConflict operates in Serbia, including Kosovo under UN Security Council Resolution 1244.
Florian Bieber (Uni.-Prof., Universität Graz, Kompetenzzentrum Südosteuropa)
Schwerpunkte: interethnische Beziehungen, Minderheiten, Nationalismus und politische Systeme in Südosteuropa. Thema für die Konferenz: die Rolle der EU
Slavenka Drakulić (Kroatien), eine der bekanntesten Schriftstellerinnen ihres Landes; ihre Romane und Sachbücher wurden in viele Sprachen übersetzt, acht davon bisher ins Deutsche. 2005 wurde sie für ihr Buch „Keiner war dabei – Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht“ 2005 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.
Vedran Džihić (Bosnien-Herzegowina/Österreich), Senior Fellow at the Center for Transatlantic Relations, School of Advanced International Studies, John Hopkins University Washington D.C.
Wilfried Graf (Österreich), Institute for Integrative Conflict Transformation and Peacebuilding (IICP), Wien, Research Fellow am Institut für Friedensforschung und Friedenspädagogik der Universität Klagenfurt
Marijana Grandits (Österreich), Institute for Integrative Conflict Transformation and Peacebuilding, Wien, ehemals Abgeordnete der Grünen Partei Österreichs und dort für Außenpolitik zuständig
Kurt Gritsch, Zeithistoriker Meran/Innsbuck, Forschungsfeld: Kriege in Jugoslawien, Schwerpunkt „Kosovo und Friedensperspektiven“
Bettina Gruber, Zeithistorikerin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Friedensforschung und Friedendpädagogik
Axel Jaenicke, Politikwissenschafter (Deutschland) 1998-2011 Senior official in OSCE missions in Croatia, Serbia and in Montenegro, OSZE Leiter eines Feldbüros und später der Abteilung Flüchtlingsrückkehr und Reintegration in Kroatien. Von Ende 2005 bis Anfang 2011 war er Leiter von OSZE Projekten zur Stärkung der Parlamente Serbiens und Montenegros
Dževad Karahasan (Bosnien-Herzegowina/Österreich), Schriftsteller, geboren im heutigen Bosnien-Herzegowina. Er studierte Literatur- und Theaterwissenschaft in Sarajevo, die Promotion erfolgte an der Universität Zagreb; 1993 floh Karahasan aus der umkämpften Stadt Sarajevo, die in Teilen seines Werkes eine zentrale Rolle spielt; seit 1993 ist er Gastdozent an verschiedenen europäischen Universitäten, darunter Salzburg, Berlin und Göttingen. Karahasan lebt und arbeitet in Graz und Sarajevo.
Ekkehart Krippendorff (Deutschland), Politikwissenschafter, em. Professor der Freien Universität Berlin, einer der Pioniere der Friedensforschung, u.a. publizierte er „Die Kultur des Politischen. Wege aus den Diskursen der Macht, Berlin 2009“
Katharina Kruhonja (Kroatien), Nuklearmedizinerin, Alternative Nobelpreisträgerin, Friedensaktivistin. Sie ist die Direktorin des „Centre for Peace, Non-violence and Human Rights” in Osijek
Wolfgang Petritsch (Österreich), Leiter der ständigen Vertretung bei der OECD in Paris; Politikwissenschafter und Jurist, während seiner Zeit als österreichischer Botschafter in Belgrad (1997 bis 1999) wurde er zum EU-Sonderbeauftragten für den Kosovo ernannt und von 1999 bis 2002 war er Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina.
Bert Preiss (Österreich), Österreichisches Studienzentrum für Friedens- und Konfliktforschung Schlaining (ÖSFK)
Žarko Puhovski (Kroatien), Philosoph, Prof. für Politische Philosophie, Universität Zagreb, 2007-2009 war er Präsident des Kroatischen Helsinki Komitees für Menschenrechte
Daniela Rippitsch (Österreich), Mitarbeiterin des Zentrums für Friedensforschung und Friedenspädagogik an der Alpen-Adria-Universität
Holm Sundhaussen (Prof. emeritiert, Freie Universität Berlin), Professor für Südosteuropäische Geschichte; Schwerpunkt: Geschichte Südosteuropas, 19./20. Jahrhundert, insbesondere Nationsbildung und Nationalismus, ethnische Konflikte
Christophe Solioz he is Secretary-General of the Centre for European Integration Strategies (CEIS) in Geneva. He is the co-director with Wolfgang Petritsch of the series Southeast European Integration Perspectives at the Nomos publishing house. He recently published Retour aux Balkans. Essais d’engagement 1992-2010 (Paris: L’Harmattan, 2010).
Goran Svilanovic (Kosovo/Wien) OSZE Wien; seit 2008 ist er bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Wien als Koordinator für Wirtschaft und Umwelt tätig. Er war serbischer Politiker, zwischen 2004 und 2008 war er Außenminister der Republik Jugoslawien, zudem war Vorsitzender des „Working Table I of the Stability Pact for South Eastern Europe”. Seit 1989 engagierte er sich in Friedens- und Menschenrechtsorganisationen
Nenad Vukosavljevic ist Friedensaktivist in Belgrad und ein Vertreter der NGO CNA (Centre for Nonviolent Action, Sarajevo-Belgrade.
CNA ist eine regionenübergreifende Friedensinitiative, die sich mit Frieden und Gewalttfreiheit befasst; die Hauptfelder der Arbeit sind die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit Peace building und Versöhnung im ehemaligen Jugoslawien
Werner Wintersteiner (Österreich), Leiter des Zentrums für Friedensforschung und Friedenspädagogik der Alpen-Adria-Universität.

Vorläufiges Programm

Dienstag, 29.11. 2011, 19.00

Lebensgeschichten – politisches Engagement – Engagement für den Frieden
Ausgehend von der persönlichen Situation werden an diesem Abend drei Personen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven ihre persönlichen Zugänge schildern, Vergangenheit und Gegenwart auf politisch-literarisch-philosophischer Ebene bewerten und gemeinsam über Friedensperspektiven reflektieren.
Podiumsgespräch, Diskussion, Lesung (deutsch)

Dževad Karahasan, Wolfgang Petritsch, Žarko Puhovsi

Mittwoch, 30.11. 2011
9.00-9.30 Einleitung
9.30-10.30 Die Kriege in Jugoslawien in den 1990-iger Jahren – Analyse aus heutiger Sicht

Vortrag und Diskussion (deutsch)

Holm Sundhaussen:

„Erscheinungsformen und Hintergründe der postjugoslawischen Kriege und der Massengewalt in den 90er Jahren.
Eine Problemskizze“

Im Vortrag wird es darum gehen, die Kriege im ehemaligen Jugoslawien, ihre wesentlichen Ursachen einzuschätzen, Einblicke in die heutige Situation und in die großen Konfliktfelder zu geben.

Folgende Fragen werden relevant sein:

  • Wer wollte den Krieg?
  • Hätten sich die jugoslawischen Teilstaaten auch auf friedliche Weise trennen können?
  • Was waren die ökonomischen und politischen Faktoren?

10.30-10.45 Pause
10.45-13.00
Ausgewählte Aspekte einzelner Länder und Regionen des ehemaligen Jugoslawiens
Panel I (deutsch)
Über eine Analyse der spezifischen Situationen in den verschiedenen Regionen des ehemaligen Jugoslawien hinaus wird es im Panel um Fragen des Ethnonationalismus, des ethnischen Verständnisses von Staatlichkeit, von Staatsgrenzen und deren zukünftige Entwicklungen gehen
Vedran Džihić, Kurt Gritsch, Bert Preis, Žarko Puhovski

14.00 – 17.00
Friedensmöglichkeiten einst, heute und morgen
Panel II (englisch)
Im Kontext möglicher Friedensperspektiven in der Vergangenheit und heute stellen sich hier vor allem folgende Fragen: Wie hat sich die Situation im ehemaligen Jugoslawien in den einzelnen Regionen entwickelt; wie unterscheidet sich die Situation zu 1991? Welche Möglichkeiten für eine Verhinderung des Kriegsausbruchs hätte es möglicherweise gegeben? Was war und ist hier die Rolle der Friedensinitiativen vor Ort? Welche Friedensperspektiven bestehen heute für den Raum?
Jan Bancroft, Slavenka Drakulić, Marijana Grandits, Katharina Kruhonja, Nenad Vukosavljevic

Mittwoch, 30.11. 2011, 19.00

Auf dem Weg zu einer „Europäischen Friedenskultur“, Wissenschaft, Literatur und (Widerstand gegen den) Krieg

Vortrag von Ekkehard Krippendorff und gemeinsames Gespräch mit Werner Wintersteiner (deutsch)

Slavenka Drakulić: Lesung aus ihren Büchern: „Als gäbe es mich nicht“ und „Keiner war dabei“ (kroatisch/deutsch)

Donnerstag, 1.12. 2011, 9.00-10.00

Die Rolle der Zivilgesellschaft

Vortrag: und Diskussion (deutsch)
Christopher Solioz: Kritische Gedanken zur Zivilgesellschaft in Kriegs- und Nachkriegsgesellschaften

10h30-13.00
Panel III (deutsch)

Die Rolle der EU und europäischer Institutionen im Friedensprozess

Hier wird die Frage nach der Rolle der EU und europäischer Institutionen in den friedenspolitischen Entwicklungen gestellt. Welche neuen militärischen und nicht militärischen Supportsysteme gibt es heute? Welche Frühwarnsysteme wurden entwickelt? Welches diplomatisches Wissen gibt es heute? Welche internationalen Interpendenzen bestehen aktuell? Was ist die Rolle der EU und europäischer Institutionen für aktuelle und zukünftige Friedensperspektiven?

Florian Bieber, Axel Jaenicke, Goran Svilanovic, Marijana Grandits

14.00-14.30 Buchpräsentation

Bettina Gruber/Daniela Rippitsch (Hg.), Modell Friedensregion Alpen-Adria? Lernerfahrungen in einer europäischen Grenzregion (Wochenschauverlag Schwalbach/Ts, 2011)

14.30-16.30

Entwicklung einer Europäischen Friedenskultur

Abschlussdiskussion (deutsch)

Der Abschluss der Konferenz Entwicklung soll der Reflexion der Entwicklung einer Europäischen Friedenskultur dienen. Hier stellen sich Fragen im Zusammenhang von Versöhnung und Zusammenarbeit, der Entwicklung gemeinsamer Zukunftsvisionen für den Raum und konkreter Friedensmaßnahmen und Projekte, Fragen wie eine „Skandinavisierung“ für den Raum bzw. die gesamte Einbindung in die EU als Möglichkeiten sollen diskutiert; es soll gemeinsam reflektiert werden wie Strukturen und Stereotypisierungen aufgebrochen bzw. wie Formen der Peace mediation und Konflikttransformation eingebunden werden. können und welche Bedeutung Friedensbildung und -erziehung in diesem Zusammenhang besitzen?

Wolfgang Petritsch, Vedran Džihić, Wilfried Graf, Werner Wintersteiner

Design, Konzept und Durchführung: Dr. Bettina Gruber

Organisatorisches:
Teilnahmegebühren: Euro: 60, Studierende: Euro 20 (inkludiert sind Mittagessen, Abendessen, Pausen und Materialien)

Anmeldung und Information
Dr. Bettina Gruber, Zentrum für Friedensforschung und Friedenspädagogik,
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Universitätsstraße 65-67
A-9020 Klagenfurt
Bettina.gruber@uni-klu.ac.at
Tel.: 0043/(0)463/2700/8650
Mobil: 0043/ (0)676/3305449

Zimmerreservierung:
Folgende Hotels liegen in der Nähe des Tagungsortes:
Bitte reservieren Sie rasch:
Lindner Seeparkhotel:info.klagenfurt@lindnerhotels.at
Hotel Plattenwirt. hotel@plattenwirt.at
Pension Wachau: office@pension-wachau.at

SponsorInnen
Privatstiftung der Kärntner Sparkasse
Der Forschungsrat der Universität Klagenfurt
Dr. Manfred-Gehring Privatstiftung
Zveza Bank Klagenfurt
Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten
Universitäts.club Wissenschaftsverein Kärnten
Magistrat Klagenfurt

 

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