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Offenheit und Toleranz bei Kindern stärken

Erstellt am 02.02.2021 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 166 mal gelesen und am 02.03.2021 zuletzt geändert.

Daniela Schwabe und Dr. Kathrin Mikan stellten am nach den Rassenunruhen einen wahrlich fachkundigen und fundamentalen Beitrag ins Netz.

Kurz und knackig beantworten sie folgende Fragen:

  • Wie entsteht Rassismus bei Kindern?
  • Auswirkungen von Rassismus auf Kinder?
  • Wie stärke ich Offenheit und Toleranz bei Kindern?

Lesedauer: ca. 7 Minuten Videodauer: ca 10 Minuten

Der Tod von George Floyd in Minneapolis habe auch in Deutschland Wellen geschlagen und zu Protesten gegen Rassismus und für eine Welt für mehr Offenheit und Toleranz geführt.

Denn George Floyd (USA) der in der Kultur der Gewalt unter Donald Trump ermordet wurde sei nicht allein:

  • Oury Jalloh und Dominique KLouamayo verloren ihr Leben in Deutschland
  • Cheibani Wague in Österreich,
  • Michael Brown, Tamir Rice, Sandra Bland und Breonna Taylor in den USA

Diese Liste könnte lange so weiter gehen. „Zu viele Menschen sind tagtäglich Vorurteilen und Diskriminierungen ausgesetzt.“

Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2017 in Deutschland

Sie ergab, dass „ca. 35 % der Befragten in den letzten 24 Monaten Diskriminierung erlebt hatten“ (vgl. Lüders 2017). Umso wichtiger sei es, dass wir (Erwachsene!) uns alle selbst an der Nase nehmen!

Denn Kinder kommen Tolerant und offen für neues auf die Welt! Sie sind aus Prinzip Wachstumsdenker und Neugierig auf das Leben! 

In diesem Beitrag wollen die Psychologinnen zunächst

  • die Begriffe Vorurteile und Diskriminierung definieren und
  • die psychische kindliche Entwicklung Vorurteilen und Driskriminierendem Verhalten

beleuchten

Wie entwickeln sich Rassismus, Vorurteile und Diskriminierung bei Kindern?

Bei Geburt sehen Babys die Gesichter aller ethnischen Gruppen als gleich an. Mit 3 Monaten schauen Babys mehr auf die Gesichter, die der ethnischen Gruppe ihres Erziehenden entsprechen (Kelly et al. 2005).

Eine Studie aus 2008 beschrieb,

dass sich Kinder im Alter von 2 Jahren bereits Zusammenhänge zwischen dem Verhalten einer Person und dessen Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe überlegen (Hirschfeld 2008)!

Die Vorurteilsbildung, das sogenannte „Schubladendenken“, beginne bereits ab einem Alter von ca. 2-3 Jahren . Dies sei von der Natur eigentlich dazu gedacht, Kindern zu helfen, sich in ihrer komplexen Umwelt zurecht zu finden, indem sie diese kategorisieren. 

Zu diesem Zeitpunkt sind zum Beispiel alle Tiere mit 4 Beinen „Wauwaus“, alle älteren hellhäutigen Damen „Omas“ und alle älteren dunkelhäutigen Herren „Opas“, wenn das Kind einen Opa mit dunkler und eine Oma mit heller Hautfarbe hat. 

Die Vorurteilsbildung

Sie ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefestigt, weshalb dieser Kategorisierungs-Mechanismus auch als „Vor-Vorurteil“ bezeichnet werde. Das bedeute, dass bestimmte Merkmale,

  • wie Hautfarbe,
  • Geschlecht,
  • Sprache oder auch
  • das Alter

für Kinder dann besonders relevant und negativ behaftet werde, wenn es um

  • die Aufteilung von Spielzeug oder
  • um das Einbeziehen anderer in ein Spiel geht. 

Beispiel Misstrauen

Wird sich das Kind allen älteren Kindern misstrauisch gegenüber verhalten, wenn es die Erfahrung gemacht hat, dass ältere Kinder ihm sein Spielzeug am Spielplatz wegnehmen.

Vor-Vorurteile

  • werden nur in bestimmten Situationen abgerufen und
  • sind noch nicht permanent in das Weltbild der Kinder eingebunden

(Ali-Tani 2017).

Das zeige, dass die Festigung der Vorurteile im Laufe des Lebens NUR durch eine ständige Wiederholung von negativen Stereotypen passiert! Im Umkehrschluss könntendurch entsprechende Verhaltensweisen und Vorbildwirkung von Erziehenden (Eltern, Großeltern, Pädagoginnen/Pädagogen…) einerseits

  • Toleranz und Offenheit ausgebaut werden und andererseit
  • negative Vorurteile wieder aufgelöst werden!

Wie wird zur Intoleranz erzogen?

Durch das Trommeln von negativ behafteten Stereotypendenken können schlussendlich diskriminierende Ideologien entstehen. Ideologien, so die Psychologienn, seien Gedanken und innere Einstellungen, welche die Benachteiligung oder Herabwürdigung von einzelnen Personen oder Personengruppen aufgrund von bestimmten „Wertvorstellungen“, Einstellungen, Vorurteilen oder Gefühlen befördern. Dies geschähe zum Teil auch unbewusst. Dazu zähle:

  • Rassismus,
  • Frauenfeindlichkeit,
  • Antisemitismus und
  • Homophobie

… Ideologien stellen Menschen verschiedener Gruppen als ungleichwertig dar. 

Auswirkungen von Diskriminierung und Rassismus auf Kinder 

Diskriminierung

Das meint die Herabwürdigung oder Benachteiligung aufgrund der Zugehörigkeit einer bestimmten Gruppe oder eines bestimmten Aussehens. 
Studien zur Diskriminierung zeigen:

Das Erleben von Diskriminierung kann schon ab dem frühen Kindesalter zu psychischen Problemen und Leistungsabfall führen

(vgl. Heard-Garris et al. 2018 und Paine et al. 2019).

Sind Kinder rassistischer Diskriminierung ausgesetzt, in denen sie z.B. bestimmte Merkmale ihres Aussehens als negative Stereotype wahrnehmen, kann dies dazu führen, dass die Kinder daran glauben, diesem Stereotypen zu entsprechen. Diese könne wiederum den akademischen Erfolg behindern. Durch eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ des Kindes im späteren Leben.
Beispiel eines Dunkelhäutigen

Ein dunkelhäutiger Jugendlicher, der andere dunkelhäutige Jugendliche in Büchern oder Filmen nur in der Rolle des Verbrechers, Drogendealers oder Schulabbrechers wahrnimmt, erkennt sich selbst eher in dieser Rolle wiederer. Die Rolle des berühmten dunkelhäutigen Arztes oder Wissenschaftlers ist selten in den Massenmedien zu erleben. Es gibt heute es hier viel zu wenige hervorgehobene Idole für Kinder unterschiedlicher Hautfarbe und auch für Mädchen. Ausnahmen wie Kick it like Beckham; Der Junge der den Wind einfing, Freedome Writers, etc. sind daher sehr wertvolle pädagogische Stoffe.

Wie können wir Offenheit und Toleranz bei Kindern stärken?

1. Stärkt die emotionale Kompetenz von euren Kindern, vor allem die Fähigkeit zur Empathie!

Die wichtigste notwendige Eigenschaft, um Diskriminierung und Vorurteilen die Stirn zu bieten, sei es, Empathie zu fördern.

Empathie oder auch Einfühlungsvermögen entwickeln wir von Geburt an.
(siehe Artikel Sozial-Emotionale Kompetenzen) Dies passiert, wie die Hinforschung nachwies, durch die sogenannten Spiegelneurone in unserem Gehirn. Sie spiegeln das Verhalten und die Gefühle von anderen Personen im Hirn.

Können wir uns in andere hineinfühlen und erleben deren Gefühle mit, dann sind wir fähig mit anderen mitzufühlen. 

Es gibt viele Möglichkeiten die emotionalen Kompetenzen deines Kindes zu fördern

In Bezug auf Offenheit und Toleranz hier ein paar Tipps der Psychologinnen. Sie legen ans Herz damit schon, im Babyalter zu beginnen:

  • Unterstützt einen multikulturellen Freundeskreis! 
  • Lest gemeinsam Kinder- und Bilderbücher gegen Rassismus und für Toleranz. 

    Empfehlung für Kindergartenalter:
    „Das kleine WIR“ von Daniela Kunkel,
    Ich bin anders als du – Ich bin wie du von Constanze von Kitzing. 

    Grundschulalter:
    „Alle da“, von Anja Tuckermann, „Zuhause kann überall sein“ von Irena Kobald oder
    „Ich so, du so“ von Labor Ateliergemeinschaft.
    Für ältere Kinder:
    „Stories for Kids Who Dare to be Different – Vom Mut, anders zu sein“ von Ben Brooks. 

Weitere Buchempfehlungen findet ihr hier (unbezahlte Werbung / für externen Link wird keine Haftung übernommen).

Lest Bücher und schaut Filme in denen Kinder aus anderen Kulturen die Helden sind bzw. in denen „Toleranz und Offenheit“ zum Thema gemacht wird!

Film-Empfehlung z.B. „Auf Augenhöhe“ ab 6 Jahre, hier findet ihr weitere Empfehlungen (unbezahlte Werbung / für externen Link wird keine Haftung übernommen). 

Wählt Spielsachen, die die wunderschöne Vielfältigkeit unserer Welt wiederspiegeln! zB Ausmalbücher, in denen unsere Welt wiedergespiegelt wird; mit verschiedenen Familien für das Puppenhaus oder anderes Lieblingsspielzeug, tolle „Hautfarben Stifte“ findet ihr hier (unbezahlte Werbung)

Besucht multikulturelle Nachbarschaftsfeste. Dies könne zu tollen neuen Erkenntnissen und schönen Erfahrungen führen! Oftmals sei man überrascht auf so viel Herzlichkeit und Freude zu stoßen!

Probiert es aus! 

Hört Musik aus anderen Kulturen und Lieder, die für Offenheit und Toleranz stehen. 

Superheldenkids-Spotify-Playliste – zum reinhören. Hier finden sich auch Lieder zum Thema „Empathie, Offenheit und Toleranz“
(Hier für Kinder und hier für Tweens ab ca. 10 Jahren), Die Lieblings-CDs der Psychologinen kommen aus der Serie „Putamayo Kids“ (unbezahlte Werbung)  

Stärkt das Selbstbewusstsein eures Kindes und achtet auf eine gute Bindung

Menschen mit einem gesunden Selbstbewusstsein und gutem Urvertrauen, basierend auf einer guten Bindung, haben mehr Vertrauen in andere und in sich selbst. Beides sind wichtige Eigenschaften, um sich gegen Vorurteile und Diskriminierung zu stellen. 
(siehe auch Artikel „9 Top Tipps für eine gelungene bindungsorientierte Erziehung“ findest du hier).

Zeige deinem Kind immer, dass es gut ist, so wie es ist, und dass du es bedingungslos liebst!

Ein Kind mit gutem Selbstbewusstsein muss andere nicht klein machen, um sich gut zu fühlen! Unsere seelische Widerstandskraft, auch Resilienz genannt, hilft uns mit schwierigen Momenten in unserem Leben umzugehen.

(einen Artikel zu Resilienz findest du hier )

Wenn du die seelischen Resilienzfaktoren, wie

  • Selbstbewusstsein („Ich bin gut, so wie ich bin!“) und
  • Wachstumsdenken
    („Durch Übung und Fleiß entwickle ich mich weiter. Fehler machen ist ein wichtiger Teil des Weges zum Erfolg!“)

deines Kindes förderst, stärkst du seinen inneren seelischen Schutzpanzer. Somit wird auch seine Fähigkeit Verantwortung für sein Leben übernehmen zu können, ohne andere klein machen zu müssen wachsen.
Auch Kinder im Grundschulalter können und sollen lernen eigenständig zu Denken und Fragen zu stellen. Stärke darum Selbstwert und das kritische Denken deines Kindes indem du

  • ihm zuhörst, damit es weiß, dass seine Meinung wichtig ist.

„Wie siehst du das? Was denkst du darüber?“

  • seine Ideen wertschätzt 

„Das ist eine tolle Idee! Lass uns das ausprobieren!“

  • es ermutigst, neue Herausforderungen anzunehmen und ihm zeigst: Hilfe anzunehmen ist eine Stärke, keine Schwäche! 

„Wenn du viel übst, dann kannst du das schaffen, Nick! Es ist nicht schlimm, wenn du Fehler machst und gerade nicht weiter weißt – dann frage nach und ich helfe dir.“

  • Gegenfragen stellst und ihm damit die Chance gibst, selbst eine Lösung für sein Problem zu finden 

„Was denkst du, ist das wirklich eine gute Idee?“

  • Macht mit, beim online Familien Kurs GEDANKEN HELDEN! Damit stärkst du  gezielt den Selbstwert, sozial-emotionale Kompetenzen und das Wachstumsdenken deines Kindes! So stärkt ihr neben eurer Bindung auch Lernfreude, Lernmotivation und Selbstbewusstsein!
  • Hier findet ihr mehr Infos!

3) Setzt euch für andere ein und unterstützt / nehmt Hilfe an
Aufzustehen und sich auf die Seite eines Schwächeren zu stellen, wenn jemand gemobbt, schikaniert, ausgegrenzt oder ausgelacht wird kostet Kraft und macht Angst. Aber Studien zeigen, wenn einer aufsteht und sich für jemanden einsetzt, trauen sich auch andere aufzustehen und zu helfen (Goodstein, 2013)! 
Lasst uns gemeinsam öfter trauen als erster aufzustehen und laut „HÖR AUF“ zu sagen, wenn wir eine Ungerechtigkeit miterleben!
Wecke den Held / die Heldin in dir!Diskriminierung passiert täglich und ist strafbar.

Wenn ihr professionelle Hilfe benötigt, weil ihr oder jemand den ihr kennt, aufgrund seiner Merkmale (Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder Herkunft etc.) diskriminiert wurde, dann könnt ihr euch an folgende Stellen wenden:

Hilfe für Menschen, die aus rassistischen Organisationen aussteigen wollen und Hilfe benötigen, findet ihr hier:

Für externe Links wird keine Haftung übernommen.


Literaturhinweise:
Ali-Tani, C. (2017). Wie Kinder Vielfalt wahrnehmen: Vorurteile in der frühen Kindheit und die pädagogischen Konsequenzen. Verfügbar unter: URL: https://www. kita-fachtexte. de/uploads/media/KiTaFT_AliTani_2017_WIeKinderVielfaltwahrnehmen. pdf. Zugriff am, 06, 2020.Chetty, D. (2018). Racism as ‘reasonableness’: philosophy for children and the gated community of inquiry. Ethics and Education, 13(1), 39-54.Goodstein, P. K. (2013). How to stop bullying in classrooms and schools: Using social architecture to prevent, lessen, and end bullying. Routledge.Heard-Garris, N. J., Cale, M., Camaj, L., Hamati, M. C., & Dominguez, T. P. (2018). Transmitting Trauma: A systematic review of vicarious racism and child health. Social Science & Medicine, 199, 230-240 (Hier geht´s zum Artikel).HIRSCHFELD, L. A. (2008). One of the most important and most daunting tasks for the young child is. Handbook of Race, Racism, and the Developing Child, 37.Johnson, R. J. (2016). Reading, Writing and Racism: Exploring the Impact of Racial Discrimination on the Cognitive and Social-Emotional Gains of Developing Youth.Kelaher, M., Ferdinand, A. S., Paradies, Y., & Warr, D. (2018). Exploring the mental health benefits of participation in an Australian anti-racism intervention. Health promotion international, 33(1), 107-114.Kelly, D. J., Quinn, P. C., Slater, A. M., Lee, K., Gibson, A., Smith, M., … & Pascalis, O. (2005). Three‐month‐olds, but not newborns, prefer own‐race faces. Developmental science, 8(6), F31-F36.Paine, S. J., Cormack, D., Stanley, J., & Harris, R. (2019). Caregiver experiences of racism are associated with adverse health outcomes for their children: a cross-sectional analysis of data from the New Zealand Health Survey. Critical Public Health, 1-12.Rahdar, A., Pourghaz, A., & Marziyeh, A. (2018). The Impact of Teaching Philosophy for Children on Critical Openness and Reflective Skepticism in Developing Critical Thinking and Self-Efficacy. International Journal of Instruction, 11(3), 539-556.Szekeres, H., Halperin, E., Kende, A., & Saguy, T. (2019). The effect of moral loss and gain mindset on confronting racism. Journal of Experimental Social Psychology, 84, 103833.

 

Posted in Friedenspädagogik, Gewaltprävention

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