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Stellt die Friedensfragen!

St. Pölten – Friedenskundgebung

Erstellt am 26.01.2003 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde mal gelesen und am 02.04.2009 zuletzt geändert.

Kaplan Franz Sieder

Rede bei der Kundgebung „Stop War! Stoppt den Krieg! Savasa Hayir!“
am 17. Jänner 2003, Herrenplatz, St. Pölten (Niederösterreich)

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde!

Ich spreche hier als Vorsitzender der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung und als katholischer Priester spreche ich auch als Vertreter der Kirche. Ich möchte beginnen mit einem Zitat aus der Bibel: In der Bergpredigt sagt Jesus folgendes: „Warum suchst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen – aber dabei steckt in deinem Auge ein Balken? Du Heuchler!
Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.“

Diese Worte aus der Heiligen Schrift möchte ich Präsident Bush zurufen: Mr. Bush, Sie haben selbst Dreck am Stechen. Sie haben am wenigsten Recht, sich als Moralprediger gegen Saddam Hussein aufzuspielen. Wenn es um das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen geht, dann sind Sie der Vertreter
jenes Landes, in dem es die meisten Massenvernichtungswaffen gibt. Ich bin dagegen, dass ein Land Massenvernichtungswaffen besitzt, aber es entbehrt jeder Grundlage, dass die USA Massenvernichtungswaffen besitzen darf, der Irak aber nicht.

Präsident Bush bezeichnet den Irak als Schurkenstaat. Ich
möchte das Regime des Irak nicht verteidigen. Saddam Hussein ist ein ganz böser Diktator, der x-tausende Kurdinnen und Kurden abschlachten ließ. Ich weiß das von meiner Arbeit bei Amnesty International. Trotzdem behaupte ich:

wenn der Irak ein Schurkenstaat ist, dann ist auch die USA ein
Schurkenstaat. Ich verweise da nicht nur auf die Massenvernichtungswaffen der USA und ihre Atomarsenale. Die USA ist auch der Anführer der NATO und die NATO hat in ihren Grundsätzen, dass Sie im Eventualfall zu einem atomaren Erstschlag bereit ist. Das ist nichts anderes, als dass die NATO hier ihre Bereitschaft zu einem millionenfachen Mord zum Ausdruck bringt.

Diese Absicht ist nicht nur unmoralisch, sondern sie ist verbrecherisch. Ich möchte hier auch die ÖVP warnen, die ständig mit einem NATO-Beitritt Österreichs liebäugeln möchte.

Wenn Saddam Hussein zweifellos ein Schurke und ein Gauner ist, dann es für micht nicht minder auch Präsident Bush.

Ich möchte nochmals auf die Bibel zurückkommen. Im „Hohelied der Liebe“ steht ein Satz, der ein Schlüsselsatz im gesamten Evangelium ist. Er heißt: „Wenn du alles, was du besitzt, den Armen austeilen würdest, hättest aber die Liebe nicht, dann ist alles umsonst.“ Das heißt übersetzt: Du kannst dich vielleicht nach außen hin sozial und menschenfreundlich geben – das „hättest du aber die Liebe nicht“ heißt, würde es dir in deiner innersten Absicht nicht wirklich um den Menschen gehen, dann ist alles umsonst, dann
ist all dein soziales Tun wertlos und sinnlos. Ich getraue mir zu sagen, dass es dem Herrn Bush in keiner Weise um den Menschen geht. Ja, es ist sogar wichtig, dass wir ihn hier demaskieren und seine wahren Absichten offen legen. Dass es ihm nicht um den Menschen geht, hat er schon mit seiner Verweigerung gezeigt, das Kyoto-Abkommen zu ratifzieren. Er hat damals gesagt: „Ich werde nie etwas tun, was der Wirtschaft schadet.“ Aber auch jetzt beim Rüsten zum Irakkrieg ist er keineswegs von humanitären oder friedlichen Zielen motiviert. Die wahren Absichten für einen Irakkrieg sind wirtschaftliche – sind die Interessen einer Öllobby und einer Rüstungslobby und der Herr Bush ist ihr Handlanger.

Der Irak ist das zweitreichste Ölland der Welt. Der Herr Bush lügt der Welt nur vor, dass er den Irak von einem bösen Diktator befreien möchte. Wenn der Irak kein Öl hätte, dann wäre ihm dieser
Diktator völlig wurscht. Er möchte den Irak zu einer Art US-amerikanisches Protektorat machen, um dadurch zu billigem Erdöl zu kommen. Herr Bush, wir haben Sie durchschaut. Sie können nicht die ganze Welt belügen. Als in Jugoslawien weltweit der Eroberungskrieg des Herrn Milosevic geächtet und verurteilt wurde, da habe ich mich gefreut und wurde mir bewusst, dass das ein Fortschritt in der Humanisierung der Menschheit ist. Zur Zeit des Napoleon und auch nachher hat man die Eroberer noch bewundert und gepriesen.
Es enttäuscht mich daher umso mehr, dass jetzt wieder Eroberungskriege geführt werden sollen. Der bevorstehende Irakkrieg ist ein Eroberungskrieg und der Herr Bush möchte dieses Land erobern, um daraus wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Es ist ihm dabei völlig egal, ob dabei tausende Irakerinnen und Iraker und wahrscheinlich auch tausende US-Soldaten und US-Soldatinnen den Tod finden. Meiner Meinung gehörte genauso wie Präsident Milosevic auch ein Präsident Bush vor das Kriegsgericht in Den Haag zitiert.

Ich bin als Kirchenvertreter auch froh, dass der Papst sich sehr deutlich gegen den bevorstehenden Krieg ausgesprochen hat. Er hat gesagt, dass wir die Fackeln der Gewalt löschen sollen und dass die Zeit gekommen ist, wo wir aufhören sollen, Konflikte mit Krieg und militärischer Gewalt zu lösen. Die Botschaft des Evangeliums erteilt jeglichem Krieg eine klare Absage.

Der Religionsphilosoph Martin Buber sagt: „Es liegt im Wesen des primitiven Krieges, dass er jeweils da beginnt, wo die Sprache aufhört.“ Der Dialog ist ein Schlüsselwort für die Lösung von Konflikten.

Ich denke, dass es nicht die Aufgabe der Christinnen und Christen ist, Zuschauerinnen und Zuschauer zu spielen, wenn in Diktaturen Menschen umgebracht werden und die Würde der Menschen zutiefst verletzt wird. Wir sollten aber auch nicht schweigen und Zuschauerinnen und Zuschauer spielen, wenn ein Herr Präsident Bush eine Wirtschaft anbetet, die eine rein geldgerechte und keine menschengerechte Wirtschaft ist und wo ihm jedes Mittel recht ist, um dieser rein profitorientierten Wirtschaft zu dienen.

Wir wollen uns mit friedlichen Mitteln einsetzen, dass die Welt menschlicher und gerechter wird. Ich appelliere auch an die österreichischen Politikerinnen und Politiker und an die Spitzenvertreterinnen und -vertreter der österreichischen Kirchen, dass sie nicht schweigen und nur Zuschauerinnen und Zuschauer spielen, bei dem, was sich jetzt in der Welt abspielt, dass sie zumindest so wie wir laut und offen ihren Protest zum
Ausdruck bringen.

Ich werde nicht aufhören, solange ich kann und solange ich lebe, mich für eine gerechtere und friedlichere Welt einzusetzen.

Wir sollen nicht Zuschauerinnen und Zuschauer spielen, weder bei dem, was Saddam Hussein tut, noch bei dem, was George Bush aufführt – ich finde bei beiden ein Verbrechen. Ich möchte schließen mit einem Satz von Albert Einstein: „Die Welt wird nicht bedroht von denen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“

 

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