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Stellt die Friedensfragen!

Christinnen und Christen für die Friedensbewegung

Erstellt am 12.03.2003 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 1691 mal gelesen und am 08.07.2010 zuletzt geändert.

Quelle: INFORMATIONSBLATT – Nr. 2/2003 – E-MAIL AUSGABE

Nächstes Treffen der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung

Sonntag, dem 16. März 2003
14.00 Uhr in der Evangelischen PfarrgemeindeHB.,
1150 Wien, Schweglerstraße 39 (U3 „Schweglerstraße“)

Themenschwerpunkt ab 16.00 Uhr „Medien und Krieg“

Im Rahmen des Österreich-Aufenthalt des französischen Bischofs Jacques Gaillot gibt es am

Sonntag, dem 30. März 2003 von 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr
in der Akkonpfarre eine „Begegnung mit der Friedensbewegung“ (1150 Wien, Oeverseestraße 2c, U3 „Hütteldorfer Straße“).

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Lifestyle 4 Peace

Das Musical Streetlight der Gruppe Gen Rosso geht auf Österreich-Tournee:

28. März, 20.00 Uhr, Innsbruck, Dogana
3. April, 19.30 Uhr, Wien, Kurhalle Oberlaa
9. April, 19,30 Uhr, Graz, Eishalle
14. Mai, 19.30 Uhr, Oberwart, Burgenlandhalle
22. Mai, 19.30 Uhr, Wels, Boschhalle

Es geht nicht nur eine Konzerttournee, sondern um Lifestyle 4 Peace: im Alltag einen Lebensstil proben, der einen gewalt-freien Raum für ein geschwisterliches Miteinander im Kleinen wie im Großen schaffen kann. Darum geht es in den

Workshops, z. B. am 5. / 6. April in 1230 Wien, Ursulinen,
Franz Asenbauerstr. 41, Infos: www.jugend-geeintewelt.at, Mail
frieden@jugend-geeintewelt.at

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ACUS Bundeskongress mit Bischof Jacques Gaillot

Der Bundeskongress der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie vom 28. – 30. März 2003 im Wiener Renner-Institut steht unter dem Motto

„Politik machen mit der Bergpredigt
– Visionen von einer gerechten Welt“.

Referenten sind u. a. Bischof Jacques Gaillot, Willy Spieler, P. Karl Helmreich und Edith Riether.

Nähere Infos und Anmeldung:
Richard.Schadauer@aon.at, Tel. 01 7892458, www.acus.spoe.at

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28. – 30.3.2003: Jahrestreffen des Europäischen Netzwerkes für
Friedensdienste (EN.CPS)

Das jährliche Treffen dieses europäischen Netzwerkes findet heuer auf Initiative von Pax Christi in Graz statt. In diesem Rahmen sollen auch alle (Ex-)FriedensDienerInnen anlässlich des zehnjährigen ÖFD-Jubiläums bei einer Abendverantstaltung am Samstag, dem 29. März 2003 feiern bzw. gefeiert werden. Hans-Anton Ederer: „Eine ausgezeichnte Gelegenheit für ein Wiedersehenstreff mit allen FriedensdienerInnen und Graz, die Kulturhauptstadt 2003, zu besuchen.“ Außerdem sollen sich die europäischen Delegierten der sich weiterentwickelnden weltweiten Gewaltfreien

Friedenstruppe „Nonviolent Peaceforce“ treffen.Tel. 0)316 / 382 258 DW 21, http://www.oefd.at

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Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker
Deutung des Schriftwortes (Jesaja 65,21-25)
Ökumenisches Friedensgebet am Samstag, 15. Februar 2003 „5 vor 12“
Stephansdom, Wien

Und?, fragte Pilatus, und?

Das Reich der Wahrheit wird kommen?
Es wird kommen, antwortete Jesus.

Niemals! Schrie Pilatus plötzlich mit so furchtbarer Stimme, dass Jesus zurückprallte.
Niemals.

Eine kleine Schlüsselszene aus dem Roman
„Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow.

Darin prallen zwei Welten aufeinander:

In der Welt des Pilatus sind Wahrheit und Gerechtigkeit
die Früchte von Cäsars Schwert.
In der Welt des Jesus von Nazareth sind Wahrheit und Gerechtigkeit die Alternative zu Cäsars Schwert.

Welcher der beiden Welten gehört die Zukunft?

Aber: Stellt sich diese Frage noch?

Zeigt sich nicht, dass die militärische Auseinandersetzung
trotz eventueller Verlängerung der Frist immer wahrscheinlicher wird, ja beinahe schon unausweichlich erscheint?

Was kann jetzt noch getan werden?

Was können wir schon tun als diese vermeintliche Unausweichlichkeit ins Gebet zu nehmen und demonstrativ Nein zu sagen?

Und doch: Genau in einer solchen Lage vermeintlicher Ausweglosigkeit, vermeintlicher Alternativlosigkeit lasst uns fragen:

  • Welcher der beiden Welten gehört die Zukunft?
  • Der Pilatuswelt oder der Jesuswelt?
  • Ist nicht die Zukunft gefangen in der Gewalt der Geschichte, die sich einfach immer weiter fortsetzt, einfach fortgeschrieben wird von den Interessen derer, die die Macht haben?
  • Die Geschichte der Mächtigen, die das Recht des Stärkeren höher achten, immer wieder höher geachtet haben als die Stärke des Rechts?Gerade in der Situation vermeintlicher Ausweglosigkeit erfahren wir die Kraft des Glaubens.

    Es ist die Kraft, die uns von Gott geschenkt wird.
    Die Hoffnung, die er in uns setzt.
    Es ist die Kraft der Umkehr.

    Der Glaube weiß jetzt schon und hier:

    Die Zukunft ist aus der Gewalt der Geschichte erlöst.
    Im Licht dieses Glaubens wird eine andere Zukunft sichtbar.
    Jeder und jede genießt die Früchte eigener Arbeit.
    Die Gesetze und Mächte der Vergangenheit, der Pilatuswelt üben
    keinen Unausweichlichkeitszwang mehr aus.
    Menschen erfüllen ihre Lebenszeit, werden alt wie Bäume.
    Neue Perspektiven eröffnen sich, der Weg zu alternativen Entwicklungen wird frei.

    Selbst für Wolf und Lamm, Löwe und Rind.

    Davon spricht der Prophet Jesaja,
    davon spricht der gekreuzigte Messias.
    Vom Reich der Wahrheit, das kommt.
    Vom neuen Himmel und der neuen Erde, die Gott schafft.

    Lange, allzulange ist diese Zuversicht
    zu einer Vertröstung auf ein Jenseits verkehrt worden und wird immer noch verkehrt.

    Aber bei den Prophetinnen und Propheten,
    bei Jesus und denen, die ihm nachfolgen, sehen wir:

    Diese Hoffnung meint unsere Welt,
    und sie meint unsere Welt hier und jetzt.
    Genau so lange ist gesagt worden und wird noch immer gesagt, dass
    christlicher Glaube biblische Überlieferung nichts zu tun habe mit der Welt der Politik.

    Dass es dabei nur um die Innerlichkeit, die Seele,
    eine ganz vergeistigte Spiritualität ginge.
    Aber eine harmlos private Vertröstung und Verinnerlichung befreit nicht die Zukunft aus der Gewalt der Geschichte.
    Die messianische Weissagung des Jesaja ist beides nicht, weder Vertröstung noch Verinnerlichung.

    Denn da ist die Rede von einem neuen Himmel
    und einer neuen Erde, doch auch von ganz gegenwärtigen,
    irdischen, diesseitigen Dingen, von der Arbeit,
    vom Häuser bauen und darin wohnen,
    vom Gebären und vom Pflanzen,
    vom Genießen und sich Mühen,
    vom Alt werden in einem erfüllten Leben.
    Es ist das gesegnete,
    das von Gott selbst umfriedete Leben.

    Hinter den positiven Bildern vom erfüllten Leben
    steht offenkundig die Erfahrung von Krieg und Feindschaft, von Besatzungsterror und Ausbeutung und von jener tief erschreckenden, widergöttlichen weil nihilistischen Vergeblichkeit, die die Vernichtungswut des Krieges auf jedes Leben wirft. Im Krieg ist letztlich jedes Leben umsonst.
    Schon diese Vision dokumentiert, dass sie geboren ist aus der festen Zuversicht, dass die Zukunft aus der Gewalt der Geschichte erlöst ist.

    Deshalb ist es für die Kirchen eine geistliche Verpflichtung, sich gegen den Krieg im Irak zu stellen.

    Kirchen sagen weltweit:

    Die Anwendung von Gewalt gegen Menschen
    ist niemals gerecht, auch wenn sie um einer
    vermeintlich gerechten Sachen willen geschehen sollte.
    Es gibt keine, keine religiöse Legitimation für die Anwendung von Gewalt.

    Der Krieg gegen den Irak wird von den Kirchen abgelehnt, weil es ein
    Präventivkrieg wäre, den kein Völkerrecht und keine ethischen Prinzipien zulassen, er wird abgelehnt, weil er unverhältnismäßige Mittel der Zerstörung einsetzen würde bei der Absicht,
    einen üblen Diktator zu entwaffnen, er wird abgelehnt, weil niemand ausschließen kann, ob nicht der Zustand danach schlimmer sein wird als der davor, er wird abgelehnt, weil er unannehmbare Folgen für die Menschen im Irak hätte, er wird abgelehnt, weil er unabsehbare soziale, kulturelle, religiöse Langzeitfolgen für den Irak, für die Region, ja für die Welt hätte.

    Freilich wird dann gefragt.
    Wenn ihr gegen den Krieg seid,
    seid ihr dann nicht für Diktatur?
    Die Wahlmöglichkeit zwischen
    Diktatur oder Krieg ist falsch,
    denn beides ist den Menschen,
    der Welt, letztlich der Schöpfung nicht zumutbar. Besonders für die
    leidgeplagten Menschen im Irak muss eine Alternative zu Diktatur und Krieg entwickelt werden.

    Aber was haben Wolf und Lamm damit zu tun?
    Was Löwe und Rind?
    Wie kommen die Tiere in die messianische Weissagung hinein?
    Dass die Gewalt der Menschen sich auswirkt auf unsere Mitgeschöpfe, das wissen wir.

    Der gewaltsame, vernichtende,
    ausrottende Zugriff auf die Welt,
    auf ihre natürlichen Ressourcen,
    auf Tiere und Pflanzen,
    findet seinen klarsten und schrecklichsten Ausdruck in Rüstung und Krieg.

    Nicht erst dann, wenn die Ölfelder brennen
    und die Urangeschosse ganze Landstriche verseuchen.
    Die ganze Schöpfung ist betroffen von Unfrieden und Gewalt.
    So sieht Jesaja auch den Tierfrieden als eine Folge des Menschenfriedens.
    Die ganze Schöpfung atmet auf und findet zu sich selbst, wenn Gerechtigkeit und Frieden aufblühen.
    Mit einem alten, gefüllten Wort heißt das Schalom –
    Schalom
    für alles, was Atem hat.

    Amen

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    Helmut Tatzreiter

    Irak: Seit 23 Jahren im Krieg

    Herr Helmut Tatzreiter hat den Vortrag von Generalsekretär Fritz Edlinger beim Treffen der ChristInnen für die Friedensbewegung besucht und über den Irak folgenden interessanten Artikel in der Wiener Kirchenzeitung, Nr. 5 vom 2. Februar 2003, veröffentlicht.

    Das Ziel, Saddam Hussein mit Sanktionen in die Knie zu zwingen, ist
    fehlgeschlagen:

    Das UNO-Embargo hat vielmehr bewirkt, dass die Bevölkerung in unvorstellbarem Elend leben muss, berichtete Erzbischof Kassab bei seinem Wien-Besuch.

    Wovon Politiker und Diplomaten, Militärstrategen und Journalisten als einem möglichen Szenario für die nächsten Wochen und Monaten sprechen – dem „drohenden Krieg gegen den Irak“ -, ist für die Menschen im „Zweistromland“ seit bereits 23 Jahren bittere Realität. Denn seit dem Kriegsausbruch 1980
    zwischen dem Irak und dem Iran ist das Land an Euphrat und Tigris nie mehr zur Ruhe gekommen. Es herrscht permanenter Kriegszustand.

    Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Basra, Gabrie Kassab, war als Gast von Kardinal Christoph Schönborn und von der ökumensichen Stiftung „Pro Oriente“ zu Besuch in Wien. Im Gespräch mit der KirchenZeitung schilderte er die dramatische Situation im Irak, die durch die UNO-Sanktionen für die
    Bevölkerung entstanden ist:

    „Seit über 20 Jahren haben wir nicht anderes erlebt als Krieg“, betont der Erzbischof: „Wir haben acht Jahre Krieg mit dem Iran gehabt. Wir haben den ,zweiten Golfkrieg‘ (1991, Anm.) durchlitten, der bis heute nicht zu Ende ist: Seit 12 Jahren gibt es Sanktionen, gibt es unendliches Elend. Wir in Basra werden seit 12 Jahren mehrere Male pro Woche bombardiert. Menschen werden dabei getötet und Häuser zerstört.“

    Basra liegt in der südlichen „Flugverbotszone“, die die Alliierten nach dem Krieg 1991 festgelegt hatten und von diesen durch Überflüge ständig „überwacht“ wird.

    In den vergangenen Monaten ist die ohnehin hohe nervliche Anspannung noch gestiegen. „Die Menschen sind ständig in Angst, sie beten darum, dass sich die Gefahr eines neuerlichen, hemmungslosen Krieges nicht bewahrheitet“, sagt Kassab.

    Politiker, Diplomaten und Wissenschaftler sollten jetzt
    versuchen, „den jetzt schon beherrschenden Krieg zu beenden und den
    ehemaligen Status des Irak wiederherzustellen.“

    Vor den Kriegsereignissen war der Irak das Land mit der besten Gesundheitsversorgung und dem höchsten Bildungsstand im Nahen Osten. Heute liegt die Alphabetisierungsrate nur noch bei etwas 53,7 Prozent, und das Gesundheitssystem kann nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO nur noch fünf bis zehn Prozent des Notwendigen leisten.

    Die Kirche ist für alle da.

    Um die Not der Menschen zu lindern, leitet Erzbischof Kassab zahlreiche Sozialprojekte in der Stadt Basra: „Ich bin ein chaldäisch-katholischer Erzbischof. Aber ich fühle mich allen Menschen verpflichtet, die in Basra leben: Ich helfe allen Menschen – gleichgültig, ob sie Christen oder Muslime
    sind oder einer anderen Religion angehören.“

    Die Zahl der Christen in Basra sei klein, „aber ich sehe unsere Chance darin, wie Sauerteig zu sein, der den ganzen Teig durchsäuert“, betont Kassab. „Unsere Aufgabe ist es, die
    Frohe Botschaft allen Menschen zu verkünden, allen zu helfen und ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen.“

    Die Projekte sind vielfältig – und sie sind für jeden gratis. Finanziert werden sie durch Spendengelder:

    In einem Waisenhaus sind 137 Kinder untergebracht. Insgesamt 250 Kinder besuchen drei Kindergärten. „Wir wollen mit den wenigen Mitteln, die wir zur Verfügung haben und die für den Westen
    unvorstellbar primitiv sind, diesen Kindern eine Freude machen, ihnen ein Stück Kindheit schenken“, sagt Kassab. Viele der Sprösslinge sind unterernährt, manche von ihnen sind geistig oder körperlich behindert. „Wir wollen ihnen zumindest einmal am Tag eine Mahlzeit geben – und zwar gratis.“

    So bekommen sie jeden Tag ein Frühstück: Es besteht aus einem Ei, einem Glas Milch und ein paar Keksen. „Wenn aus Spenden mehr Geld zur Verfügung steht, dann bekommen sie auch Käse.“

    Die „Gratis-Apotheke“

    Die chaldäisch-katholische Kirche führt in Basra die einzige Gratis-Apotheke im ganzen Irak. Alle Menschen, die Medikamente brauchen, bekommen diese hier, ohne dafür bezahlen zu müssen. „Ich kann sagen, dass 70 Prozent der Begünstigten Muslime sind. 30 Prozent gehören anderen Glaubensgemeinschaften an.“

    Auch die Jugend und alte Menschen hat Erzbischof Kassab „natürlich nicht vergessen“: Ein Zentrum dient dazu, den Jugendlichen auch christliche Kultur darzubieten. In einer anderen Einrichtung werden monatlich 36 bis 38 junge Teilnehmer in Kursen am Computer ausgebildet. 50 ältere Damen und Herren – sie alle sind Muslime – bekommen Essen und Betreuung in einem Altersheim.

    Viele weitere Hilfsprojekte hat Kassab ins Leben gerufen:

    Studenten, die aus familiären Gründen die Fahrtkosten nicht tragen können, werden von der
    Diözese finanziell unterstützt. „28 Familien, die in absoluter Armut leben, können wir ein monatliches Gehalt zahlen, damit sie überleben können.“

    Außerdem werden 24 Obdachlose betreut.

    „Die Kirche ist für alle da, um allen Menschen zu helfen. Das ist unser Vorsatz. Die Regierung mischt sich überhaupt nicht in
    Kirchenangelegenheiten. Wir haben die Freiheit, alles zu tun in der Kirche, was unsere Aufgabe ist“, unterstreicht der Bischof.

    Dankbar ist Kassab für die Hilfe aus Österreich, für die „Frieden bringenden Engel“, wie sie der Erzbischof nennt. Die Wiener Ärztin Eva-Maria Hobiger hatte vor rund zwei Jahren mit medizinischer Hilfe begonnen und erste
    Kontakte geknüpft.

    Die tatkräftige Hilfe aus Österreich wird auch mit Gebet begleitet: Die Diözesanbischöfe Maximilian Aichern (Linz) und Klaus Küng (Feldkirch) haben sich der Aktion „Fasten und Beten für den Frieden“ angeschlossen. Diese Aktion der westösterreichischen Kirchenzeitungen wird u. a. von der:

    Katholischen Aktion (KAÖ), Pax Christi und der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) unterstützt.

    Die chaldäisch-katholische Kirche

  • . Die chaldäisch-katholische Kirche ist der „unierte“ Zweig der alten Apostolischen Kirche des Ostens. Sie entstand im 16. Jahrhundert, als Bischöfe der Apostolischen Kirche die Oberhoheit des Papstes anerkannten.
  • . Die Apostolische Kirche des Ostens breitete sich auch nach dem Aufstieg des Islams bis nach Indien, Zentralasien und China aus. Im Mittelalter sollen ihr 80 Mio. Gläubige angehört haben.
  • . Nach den brutalen Verfolgungen am Ende des 14. Jahrhunderts wurde sie auf den heutigen Irak und Kurdistan zurückgedrängt. Weitere Verfolgungen erlitten nach dem Ersten Weltkrieg sowohl die chaldäischen Katholiken als auch die Gläubigen der Apostolischen Kirche des Ostens (seit Beginn des 20.
    Jhs. Meist als „Assyrische Kirche“ bezeichnet). Heute dürfte die
    chaldäisch-katholische Kirche rund 1 Mio. Gläubige zählen, die Assyrische
    Kirche 600.000.

    Hilfe für Basra

    Spendenkonten (alle mit dem Kennwort „Irak“):
    1. Gesellschaft für österreichisch-arabische Beziehungen,
    Kto.-Nr. 0055-52880/04, BA-CA, BLZ. 12000
    2. Caritas, Kto.-Nr. 1260007, P.S.K., BLZ. 60000

    Informationen:
    Pro Oriente, Tel. 01 533 80 21, Fax 01 533 80 21 – 4,
    E-Mail: pro-oriente@netway.at
    Internet: www.pro-oriente.at

    „Das UNO-Embargo hat
    das Regime nach innen gestärkt.“

    Das Handelsembargo der Vereinten Nationen gegen den Irak, das seit 12 Jahren
    besteht, hat nach Einschätzung des Generalsekretärs der Gesellschaft für
    österreichisch-arabische Beziehungen (GÖAB), Fritz Edlinger, „das Regime
    eher nach innen gestärkt als geschwächt“. Die GÖAB unterstützt Erzbischof
    Gabriel Kassab bei seinen Sozialprojekten in Basra.

    Bei einer Veranstaltung der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Christinnen und
    Christen für die Friedensbewegung meinte Edlinger, der am Tag zuvor aus dem
    Irak zurückgekehrt war, manche Exponenten des Iraks hätten sich „auf Kosten
    der eigenen Leute auf unmoralische Weise ungeheuer bereichert“. Das Embargo
    sei von „bestimmten Gruppen und Allianzen faktisch unterlaufen“ worden.
    Leidtragende der Sanktionen seien „vor allem Kinder, alte und kranke
    Menschen“. Laut UNICEF-Statistiken sterben jeden Monat 5.000 Kinder im Irak
    an den unmittelbaren Folgen der Sanktionen.

    Seit 1994/95 hätten sich Krebserkrankungen vervierfacht, Totgeburten und
    Missgeburten hätten stark zugenommen. Durch das Embargo könnten wichtige
    medizinische Geräte und Medikamente nicht in den Irak eingeführt werden.

    Die Probleme der gesamten Region könnten „nicht durch Krieg gelöst“ werden.
    Langfristig sei eine Politik des Dialogs „mit klaren Limits“
    erfolgversprechender. Edlinger ist überzeugt: „Osama bin Laden kann sich
    freuen: Durch die derzeitige Situation gewinnt er jeden Tag neue Anhänger.“

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    Dramatischer Papst-Appell gegen den Krieg
    Johannes Paul II. nützte Empfang für das beim Heiligen Stuhl
    akkreditierte diplomatische Corps zu ernster Mahnung

    Vatikanstadt (KAP) Papst Johannes Paul II. hat die politischen Führer der
    Staaten gemahnt, die Menschheit vor dem drohenden Abgrund eines Krieges zu
    bewahren. In einer dramatischen Rede an alle beim Heiligen Stuhl
    akkreditierten Botschafter sagte der Papst am Montag im Vatikan, die
    Politiker müssten „Nein zum Krieg“ und „Nein zum Egoismus“ sagen, damit
    nicht ganze Völker oder gar die gesamte Menschheit in einen Abgrund
    versinke. Der Papst betonte, noch nie sei so deutlich zu spüren gewesen, wie
    prekär die Lage der Welt sei.

    Terrorismus ist „hinterhältig“

    Als erste aktuelle Bedrohung der Menschheit nannte der Papst den weltweiten
    Terrorismus, der viele Menschen in Angst versetze. Diese „hinterhältige“
    Form der Gewalt sei fähig, jederzeit und überall zuzuschlagen. Als weitere
    Punkte erwähnte er das „ungelöste Problem des Nahen Ostens mit dem Heiligen
    Land und dem Irak“, sowie einzelne Konflikte in Südamerika und Afrika. Trotz
    dieser Bedrohung wandte sich Johannes Paul II. gegen einen allgemeinen
    Pessimismus. „Alles kann anders werden. Es hängt von jedem von uns ab“,
    betonte der Papst.

    Als Voraussetzungen für eine Bewältigung der weltweiten Krisen nannte der
    Papst eine Reihe von Grundsatzentscheidungen, zu denen die Bürger und ihre
    politischen Führer aufgerufen seien. Dazu gehöre die Respektierung des
    Rechts, die Pflicht zur Solidarität und ein Nein zur Zerstörung des
    menschlichen Lebens, sowie ein „Nein zum Egoismus“ und ein „Nein zum Krieg“.
    Der Krieg sei stets eine „Niederlage für die Menschheit“, betonte der Papst
    und fügte hinzu, er denke dabei an „jene, die noch immer auf Atomwaffen
    vertrauen“ und an die zahlreichen Konflikte, in denen Menschen als Geiseln
    der Gewalt gehalten würden.

    Zum drohenden Krieg gegen den Irak erklärte Johannes Paul II., der Krieg sei
    niemals „irgendein beliebiges Mittel, das man einsetzen kann, um
    Streitigkeiten zwischen Nationen zu regeln“. Die UN-Charta lege fest, dass
    Krieg nur als „allerletzte Option“ und unter Erfüllung sehr strenger
    Bedingungen beschlossen werden könne. Dabei müssten die Folgen für die
    Zivilbevölkerung während und nach dem militärischen Eingreifen bedacht
    werden. Zur Lage im Heiligen Land bemerkte der Papst, die Lösung dort könne
    niemals durch Terrorismus und durch militärische Gewalt erreicht werden.

    Europa positives Beispiel

    Im Kontrast zu den Krisenherden der Erde nannte der Papst die derzeitige
    Entwicklung Europas als ein positives Beispiel. Europa habe es geschafft,
    die „Mauern einzureißen, die ihn entstellten“. Das geeinte Europa sei eine
    neue Wirklichkeit, die Einheit und Verschiedenheit, wirtschaftlichen
    Fortschritt und soziale Gerechtigkeit vereine. Dieses „neue Europa“ sei
    Träger der christlichen Werte und des aus dem Christentum entstandenen
    Humanismus. Abermals mahnte der Papst, dass die EU ihr spirituelles Erbe
    nicht verneinen dürfe und den Religionsgemeinschaften angemessenen Raum
    geben müsse.

    Kritik an russischen Behörden

    Mit unerwartet scharfen Worten ging der Papst gegen Ende seiner Rede an die
    Diplomaten auf die Lage der katholischen Minderheit in Russland ein. Die
    Tatsache, dass katholischen Geistlichen seit Monaten von den Moskauer
    Behörden die Rückkehr zu ihren Gemeinden in der Russischen Föderation
    verwehrt werde, schmerze ihn sehr, erklärte Johannes Paul II. und fuhr fort:
    „Der Heilige Stuhl erwartet von den Behörden konkrete Entscheidungen, um
    diese Krise zu beenden“. Er erinnerte daran, dass Russland sich auf die
    Einhaltung entsprechender internationaler Abmachungen verpflichtet habe.
    (Quelle: www.kathpress.at)

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    Roman Arens (Rom)
    Rückkehr der Autorität
    Mit seiner Haltung zum Irak-Konflikt macht sich Papst Johannes Paul II.
    wieder zu einer Instanz

    Hoch oben am Fenster steht der Papst, unten auf dem Petersplatz eine
    Menschenmenge. Gläubige, die an diesem Sonntag auf Johannes Paul II. warten.
    Von seinen Privatgemächern im Apostolischen Palast aus spricht das Oberhaupt
    der katholischen Kirche zu ihnen. Der Papst findet deutliche Worte: „Ohne
    vor den Schwierigkeiten einzuknicken, muss man jeden möglichen Weg
    probieren, um den Krieg zu vermeiden.“ Der Krieg im Allgemeinen, „der immer
    Trauer und schwere Konsequenzen für alle mit sich bringt“. Der Krieg in Irak
    im Besonderen, die drohende Auseinandersetzung zwischen Washington und
    Bagdad. Düsteren, aber ungewohnt wachen Blicks spricht Johannes Paul II. vom
    Krieg. Er, der schon am Ende schien, der kaum verständlich nuschelte und
    manchmal während der Rede die Kraft dazu verlor, kämpft jetzt, spricht in
    deutlichen Worten, setzt sich plötzlich wieder energisch ein: gegen
    autoritäre Unterdrückung, gegen Herrschaftsansprüche einer Ideologie, für
    den Dialog und einen sozialen Ausgleich. Selbst wenn etwas auf den ersten
    Blick aussichtslos erscheint, hat es den aus Polen stammenden Sturkopf noch
    nie gebremst. Im Gegenteil, so etwas hat ihn angetrieben.

    „Wir werden uns davon nicht beeinflussen lassen.“ Für George W. Bush ist die
    Sache klar. Der US-Präsident meint die diplomatischen Aktivitäten des
    Vatikans, der auf diesem Gebiet zwar nur die Ressourcen eines Kleinststaates
    hat, aber über mehr nützliche Erfahrung als so manche größere Macht verfügt.

    Zu diesem Engagement gehört die Reise von Pio Laghi. Der ist Kardinal und
    Sonderbotschafter des Papstes und steht jetzt vor der Tür des
    US-Präsidenten. Auch der Kardinal dürfte dem zum Krieg Entschlossenen nicht
    mehr umstimmen können. Aber der 81-Jährige will Bush vor Augen führen, auf
    was er sich mit dem irakischen Abenteuer einlässt. Laghi startet seine Reise
    zwei Wochen nachdem sein Kollegen Roger Etchegaray Bagdad besuchte und nicht
    minder eindringlich mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein das Gespräch
    suchte. „Ich hoffe, einen Dialog mit Bush etablieren zu können“, sagt Laghi
    vor seiner Abreise in Rom zurückhaltend. „Manch einer sagt, der Krieg sei
    schon im Gange“, setzt er hinzu, „wir glauben das nicht.“ Der Präsident und
    der Kardinal kennen sich. Denn Laghi war von 1980 an für ein Jahrzehnt in
    den Vereinigten Staaten. Zunächst als Apostolischer Gesandter, später als
    Pro-Nuntius, nachdem man 1984 unter Präsident Ronald Reagan und seinem Vize
    George Bush offizielle Beziehungen zwischen Weltmacht und Kirchenstaat
    geknüpft hatte.

    Der Papst zieht Fäden. Schon seit etlichen Wochen bäumt sich Johannes Paul
    II. gegen die anscheinend unaufhaltsam rollende Kriegsmaschinerie der
    Vereinigten Staaten und noch einmal gegen seine Gebrechlichkeit auf. Er
    setzte seinen diplomatischen Apparat in Gang, mit einer Geschwindigkeit, wie
    sie andere auswärtige Dienste kaum zustande bringen dürften. Ein Apparat,
    der sonst manches Mal nur zu Teilen seinem grundsatztreuen Papst zu Diensten
    ist, während ein anderer Teil machtpolitische Bedenken pflegt und Wojtyla
    das Leben schwer zu machen sucht. Jetzt aber ziehen die Vertreter
    unterschiedlichster Strömungen der Kurie in der Irak-Frage an einem Strang.

    Kürzlich erzählte der Papst von seiner Arbeit als Jugendlicher während der
    Zeit der nationalsozialistischen Besatzung in einem Krakauer Chemiewerk.
    Seine Arbeitskollegen hätten seine Müdigkeit oder Abwesenheit gedeckt, wenn
    er wegen seines Studiums in einem Theologie-Seminar im Untergrund nicht voll
    zur Stelle gewesen sei. Als junger Professor schrieb er unmissverständlich
    seine antikapitalistische und antikommunistische Einstellungen auf. Als
    Oberhirte seiner heimatlichen Diözese erwies er sich für das herrschende
    Regime als ein unbequemer, letztlich aber respektierter Gegner.

    Diese unterschiedlichen Erfahrungen, aus Positionen von Schwäche und
    Unterlegenheit mit Unbeugsamkeit und Beharrlichkeit gestärkt hervorzugehen,
    prägten auch sein Verhalten während seines langen Pontifikats. Als er sich
    1994 in den Kopf gesetzt hatte, das belagerte Sarajevo zu besuchen, wussten
    Kurie und Vereinte Nationen dies vereint zu vereiteln. Wojtyla setzte sich
    in den Kopf: „Einen Papst hält man nicht auf.“ Doch er musste diese
    Niederlage einstecken. Und konnte es kaum ertragen. Es ging ihm in der
    Folgezeit physisch und psychisch sichtlich schlecht. Aber als er seine Reise
    im 1997 nachholen konnte, genoss er sie wie einen späten Triumph.

    Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano meint, der Papst sei „kein Pazifist,
    sondern Friedensbringer“. Wojtyla ist in der Tat niemand, der Waffengewalt
    in jedem Fall ausschließen würde. Sie muss allerdings allerletztes Mittel
    bleiben und kommt im aktuellen Fall überhaupt nicht in Frage. Seine
    Diplomaten werden nicht müde, diese Positionen zu unterstreichen.
    Unmissverständlich macht das immer wieder „Außenminister“ Jean Louis Tauran
    deutlich: „Ein Aggressionskrieg wäre ein Verbrechen“, nicht mit der Charta
    der Vereinten Nationen zu vereinbaren, die Gewaltverzicht verlange. „Unserer
    Meinung nach“, sagt Tauran, „muss alles zusammen mit den Vereinten Nationen
    angepackt und entschieden werden.“

    Die klare Botschaft macht den Papst wieder zu einer unumgänglichen
    politischen Adresse. Bundesaußenminister Joschka Fischer kam gleich nach der
    Sitzung des UN-Sicherheitsrats zum Papst. Iraks Vize-Premier Tarik Aziz nahm
    beim Kirchenoberhaupt ebenso Platz wie UN-Generalsekretär Kofi Annan,
    Spaniens katholischer Premier José Maria Aznar und der britische Premier
    Tony Blair. Eine andere Welt ist möglich. Diesen Spruch der Bewegung gegen
    die Unübersichtlichkeit der Globalisierung hätte sich auch der Papst,
    getrieben von einem starken persönlichen Sendungsbewusstsein, auf seine
    Fahne schreiben können. Johannes Paul II. hat durch sein Eintreten für eine
    andere Welt für seine Kirche viel Vertrauen gewonnen, in Italien deutlich
    messbar in Umfragen: Anders als Regierungschef Silvio Berlusconi rangiert
    das Oberhaupt der katholischen Kirche auf den Beliebtheitsskalen jetzt weit
    vorn. Der Papst, der in Fragen der persönlichen Lebensführung,
    Familienplanung und Sexualität auch in Italien an Autorität eingebüßt hat,
    gewann ein ständig wachsendes Ansehen als moralische und politische
    Autorität zurück.

    Am morgigen Aschermittwoch wollen etliche Gruppierungen, die sich zum
    Europäischen Sozial Forum zusammengeschlossen haben, mit Friedensfahnen in
    Regenbogenfarben auf den Petersplatz ziehen. Der Papst rief für diesen Tag
    zum weltweiten Fasten und Beten auf. Diesem Fasten wollen sich mittlerweile
    auch solche Politiker anschließen, die ihr Leben lang noch kein Kreuzzeichen
    gemacht haben. Zu Johannes Paul II., dem Meister der großen Gesten, gibt es
    momentan eben weltweit keine Alternative. (Artikel in Frankfurter
    Rundschau“, 4. 3. 03)

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    Ein Irak-Krieg ist unmoralisch
    Gespräch mit dem US-amerikanischen Bischof Tom Gumbleton

    Seit 35 Jahren ist Tom Gumbleton Weihbischof der römisch-katholischen Kirche
    und steht der Innenstadtgemeinde St. Leo mit afroamerikanischen und weißen
    Mitgliedern in Detroit vor – Beförderung aussichtslos. Seine Aktivitäten
    werden nicht nur vom Vatikan, sondern auch von seinen meisten Kollegen der
    US-amerikanischen Bischofskonferenz nicht gern gesehen. Bei diversen
    Demonstrationen wurde er sogar kurzzeitig verhaftet. Mit dem Bischof sprach
    für ND Tobias Raschke

    ND: Präsident Bush behauptet gern, dass seine Regierung – auch in der
    Irak-Politik – christliche Motive leiten.
    Gumbleton: Ich bin überzeugt, dass unsere Regierung sich nicht an der
    Botschaft Jesu orientiert und nicht christlich handelt. Spielen ethische
    Fragen noch eine Rolle in der USA-Politik? Tatsache ist, dass kein
    Abgeordneter in der Kriegsfrage moralische Bedenken angemeldet hat. Die
    pragmatischen Fragen, ob es funktioniert oder nicht, standen auf der
    Tagesordnung, aber nicht ob es moralisch richtig oder falsch ist. Keiner hat
    zu dieser Diskussion herausgefordert, obwohl sie bitter nötig wäre – einen
    Krieg führen, um einen Anschlag zu verhindern? Meiner Meinung nach wäre
    dieser Irak-Krieg moralisch falsch, insbesondere als Präventivschlag.

    Wie hätten Sie auf den 11. September reagiert?
    Als erstes – auch wenn das keine direkte Reaktion auf die Anschläge ist –
    müsste man erforschen, warum uns Leute angreifen. Wir müssen herausfinden,
    was diese Art von Feindschaft heraufbeschwört. Dann können wir unsere
    Politik verändern, die offenbar enormen Zorn, insbesondere in einigen
    arabischen Staaten, verursacht. Die direkte Antwort hätte so ähnlich sein
    sollen, wie wir es im Falle Israels und der Palästinenser vorschlagen. Wir
    schlagen ja nicht vor, einen Präventivkrieg zu führen, sondern Gegensätze
    auf dem Verhandlungswege zu lösen. Das Gleiche haben die USA beim
    Kaschmir-Konflikt gefordert. Indien sollte seine Probleme mit Pakistan ohne
    Militäreinsatz lösen. Wir hätten das auch machen sollen. Ich habe gelesen,
    dass es große Al-Qaida-Zellen in Indonesien gibt, aber niemand will deswegen
    Indonesien bombardieren, oder Saudi Arabien, obwohl die meisten
    Flugzeugentführer des 11. September von dort kamen. Es hätte einen anderen
    Weg gegeben, aber wir wollen das Bombardement.
    Sie sprechen oft von notwendigen anderen Politik-Modellen.
    Wir können niemanden aus der menschlichen Familie abschreiben – wir sind
    alle Töchter und Söhne Gottes. So müssen wir uns verstehen, dass Gott unser
    aller Gott ist. Wir sollten von anderen Völkern und Glaubenstraditionen
    lernen, wie diese auch von uns lernen können. Ich möchte daran erinnern,
    dass Papst Paul VI. sagte, dass Gandhi das Modell unserer Zeit wäre. Ist es
    nicht faszinierend und signifikant, dass das Oberhaupt der
    römisch-katholischen Kirche einen Hindu als Beispiel nennt?

    Was ist die größte Gefahr für die Welt?
    Meiner Ansicht nach ist das die Verbreitung von Atomwaffen. Sie wird eine
    immer größere Gefahr werden. Insbesondere auch deshalb, weil die Vereinigten
    Staaten planen, neue Waffen zu entwickeln und diese in unser vorhandenes
    Arsenal zu integrieren. Die Unterscheidung zwischen konventionellen und
    atomaren Waffen droht aufgehoben zu werden. So bewegen wir uns ziemlich
    schnell auf einen Atomkrieg zu.

    Sie sind der wohl politisch aktivste Bischof der USA, stark in der
    Friedensbewegung engagiert. Was treibt Sie an?
    Ich fühle eine starke Notwendigkeit zu tun, was ich kann, um Gerechtigkeit
    und Frieden in die Welt zu bringen. Ich sehe das als wichtigen und
    integralen Bestandteil meiner Berufung als Priester. Ich wurde zur Seelsorge
    in der Kirche geweiht, und so verstehe ich das Evangelium. Denn das
    Evangelium fordert uns auf, die Welt zu verändern, so weit hin zur
    Herrschaft Gottes wie möglich. Ich bin jemand, der Jesu Botschaft verkündet,
    und das beinhaltet Aktionen zur Gerechtigkeit. Auch wenn sich andere
    Bischöfe sorgen, vor allem wenn ich in ihren Diözesen spreche.

    Sind Sie ein amerikanischer Patriot?
    Ja sicher, weil ich denke, dass Patriotismus bedeutet, dass man sein Land,
    sein Volk liebt. Aber es ist keine blinde Liebe: Wir sind besorgt, wenn wir
    uns unsere Ideale als Nation anschauen. Wenn wir unserer Ideale nicht
    erreichen, müssen wir das kritisieren, um zu zeigen, wofür wir stehen.

    Nach der Ernennung Bushs zum Präsidenten schienen die USA-Kardinäle sehr
    erfreut zu sein.
    Es ist klar, dass sie ihn öffentlich unterstützen, denn er ist ein
    Abtreibungsgegner (»Pro-Life«), auch wenn viele seiner anderen Positionen
    gegen die kirchliche Lehre stehen. Aber die Kardinäle haben dieses Thema
    allein zum Lackmus-Test erhoben. Folglich unterstützen sie ihn, ohne anderes
    zu beachten. Das ist der größte Fehler. Es gibt katholische Gouverneure, die
    regelmäßig Hinrichtungsdekrete unterschreiben. Keiner wurde dafür bis heute
    exkommuniziert. Oder nehmen wir U-Boote mit Atomsprengköpfen, die trotz
    aller Konventionen angelegt sind, bestimmte Städte auszuradieren. Ein Soldat
    wird den Auslöser betätigen – und kann das mit seinem Gewissen vereinbaren.
    Es ist absurd, denn der Vorrang der Gewissensentscheidung ist oberstes
    kirchliches Gebot: Wir sind Gott gegenüber verantwortlich, die Kirche kann
    uns solche Entscheidungen nicht abnehmen. Einige Bischöfe sind wachsam, aber
    die Gesamtkonferenz ist es leider nicht, sondern eher mit internen
    Kirchenproblemen beschäftigt. (Quelle: „Neues Deutschland“, 27. 2. 03)

    So traurig die von Tag zu Tag größer werdende Kriegsgefahr ist, so
    erfreulich sind die zahlreichen Stellungnahmen von führenden VertreterInnen
    der Kirchen, TheologInnen und christlichen BasisaktivistInnen. Eine
    wertvolle Informationsquelle sind zum Beispiel die Mails der Gruppe
    gewaltueberwinden, die unter gewaltueberwinden-subscribe@yahoogroups.de
    bestellt werden können. Wir danken für die Zusendungen. Leider können wir in
    dieser Ausgabe nur einen kleinen Teil veröffentlichen – die vielen,
    interessanten Beiträge würden für die Herausgabe einer Broschüre reichen.

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    Terminkalender

    Wien, Mo. 10. März, 19.30 Uhr, Felicia Langer, Israelische
    Menschenrechtsanwältin „Quo Vadis Israel?“. Zur aktuellen Lage in
    Israel/Palästina. In der AULA des alten AKH, Hof 1, Wien 9 (Zugänge Alser
    Straße oder Spitalgasse); Eingang zur AULA im Durchgang Hof 7.
    Wien, Di., 11. März, 19.30 Uhr, Prof. Rudolf Sarközi, Vorsitzender des
    Volksgruppenbeirates der Roma „Roma und Sinti -Leben und Leiden. Vom 3.
    Reich zur 2. Republik“. Donaucity Kirche, 1220 Donaucity-Straße 2, neben U1
    Station Kaisermühlen, Friedensinitiative Donaustadt.
    Wien, Mi., 12. März, 19.30 Uhr, Es steht nur einem zu, was alle anderen
    nicht dürfen …? Beiträge zur neuen Weltordnung, Federico Nier-Fischer,
    Akkonpfarre 1150 Oeverseestraße 2c, Friedensinitiative Penzing –
    Rudolfsheim/Fünfhaus
    Linz, Fr., 14. März, Friedensdemo: Nein zum Krieg – kein Blut für Öl!,
    Treffpunkt 17.00 Uhr, Taubenmarkt Linz
    Klagenfurt, Sa., 15. März, Friedensdemo, 15.00 Uhr, Alter Platz
    Wien, Di., 18. März, 18.30 Uhr, Amira Hass (israelische Journalistin, lebt
    und arbeitet in Palästina) auf Vortragsreise in Wien, im Bruno Kreisky
    Forum, 1190 Wien, Armbrustergasse 15; kreiskyforum@kreisky.org
    Bregenz, Mi., 19. März, 20 Uhr: Bundesminister a. D. Erwin Lanc, Rolle der
    Neutralität in einer EU-Sicherheitspolitik, Gewerkschaftshaus, ACUS
    Vorarlberg.
    St. Pölten, Do., 20. März, 18.45 Uhr Cinema Talk, Film „Roger and me“
    (Michael Moore), anschl. Podiumsdiskussion „Wer stieht uns die Welt?
    Globalisierung im Interesse der Menschen?“, Cinema Paradiso, 3100
    Rathausplatz 15/S7, Betriebsseelsorgezentrum.
    Wien, Fr., 21. März, 19.30 Uhr, Politisches Nachtgebet „Sammle meine Tränen
    in einem Krug .“ (Ps. 56,9), Evangelische Stadtpfarrkirche H.B., 1010
    Dorotheergasse, Barbara Rauchwarter, Ursula Baatz
    Wien, Di., 25. März, 19.00 Uhr, Präsident des Jugendgerichtshofes a. D. Dr.
    Udo Jesionek, Helfen statt strafen, Karl Mark-Heim, 1190 Wien,
    Billrothstraße 34, ACUS Döbling.
    Wien, Fr. 28. / 29. März, 2. Kirchenvolks-Konferenz, Ungehorsam – Dienst an
    der Kirche?!, Univ.Prof. Dr. Hans Rotter SJ, Dr. Wolfgang Langer, Don
    Bosco-Haus, 1130 Wien, St. Veit-Gasse 25, Infos: Ing. Hans Peter Hurka, Tel.
    01/315 42 00, Hans_Peter.Hurka@gmx.a
    Amstetten, Mo., 31. März, 19.30 Uhr, Bischof Jacques Gaillot, Was ist
    christliche Politik, Pfarre St. Stephan, Kirchenstraße 16, ACUS, Pax Christi
    Linz, Di., 1. April, 19.30 Uhr, Bischof Jacques Gaillot, Die politische
    Kraft der Bergpredigt, Umverteilung als Weg zur Gerechtigkeit, Altes
    Rathaus, Hauptplatz 1.3, ACUS OÖ.
    Amstetten, Do., 3. April, 19.30 Uhr, Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka, Was
    bringt uns die neue Regierung?, Rathaussaal, ACUS
    Wien, Fr., 4. April, 19.30 Uhr, Politisches Nachtgebet , Evangelische
    Stadtpfarrkirche H.B., 1010 Dorotheergasse,
    Graz, Sa., 5. April, Friedenskonferenz, Keine Soldaten, keine Waffen, kein
    Euro für die Euro-Armee! Für Frieden und Neutralität!, Universität Graz,
    8020 Halbärthgasse 3, Hörsaal 0602 (HS B), Plattform Neutralität statt
    Euro-Armee, Informationen: www.friwe.at
    Wien, Mi., 9. April, Krieg ums Wasser?, Viola Raheb, Helmut Jung,
    Akkonpfarre 1150 Oeverseestraße 2c, U3 „Hütteldorfer Straße“,
    Friedensinitiative Penzing – Rudolfsheim/Fünfhaus
    Wien, Sa., 26. April, 10.00 Uhr, 2. Österr. Friedenslauf rund ums Wiener
    Rathaus, www.friedenslauf.at

    Vorschau:
    Hallein, 29. – 31. Mai 2003, Österreichisches Sozialforum,
    www.socialforum.at
    Stadtschlaining, 6. – 12. Juli, Schurkenstaat und Staatsterrorismus – die
    Konturen einer militärischen Globalisierung, Sommerakademie des
    Friedensforschungsinstitutes Schlaining, mit Elmar Altvater, Michael Bünker,
    Jörg Huffschmid. Friedensgebet. Infos: Thomas Roithner, Tel. 01 796 99 59,
    Mail: aspr.vie@aspr.ac.at

    Friedensdemo am 22. März 2003 in Wien
    Treffpunkt ist um 14.00 Uhr beim Westbahnhof und beim Südbahnhof.
    Abschlusskundgebung am Ballhausplatz. Ein Friedensgebet vor der Demo ist
    geplant – genauer Ort Tel. Friedensbüro 01 796 50 21, pax.vienna@aon.at,
    www.socialforum.at

    Unsere Kosten (z. B. der Versand) sind enorm gestiegen.
    BITTE UM SPENDEN an Konto 040-32-675, Erste Österr. Spar-kasse, BLZ 20111,
    Johann Fischer, Christen f. d. Friedensbew.

    IMPRESSUM: MedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Arbeitsgemeinschaft
    Christinnen und Christen für die Friedensbewegung; alle: 1150 Wien,
    Oeverseestraße 2c, Druck: Eigenvervielfältigung; Preis: öS 20,–,
    Gestaltung: Andreas Pecha, Alois Reisenbichler, Adreßverwaltung: Manfred
    Sauer.

    KONTAKT INFORMATIONSBLATT:
    Tel. & Fax (01) 796 50 21, E-Mail: pax.vienna@aon.at
    Redaktion: Alois Reisenbichler, Telefon priv. (0664) 39 51 809
    Friedensbüro Wien, 1030 Wien, Kölblgasse 18/1

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    asf_antikrieg mailing list
    asf_antikrieg@socialforum.at
    http://lists.socialforum.at/mm/listinfo/asf_antikrieg

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