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Die Rolle der Kooperation in der Evolution

Erstellt am 18.07.2010 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 1791 mal gelesen und am 13.07.2010 zuletzt geändert.

Was ist „Kooperation mit der Evolution“?

Kooperation

Evolution

Kooperation mit der Evolution

1.
Kooperation

„Kooperation“ ist
ein neues Schlüsselwort im modernen Verständnis der Welt. Die aktuelle
Natur- und Sozialwissenschaft – ob Ökologie, Biologie, Physik, Kosmologie,
Systemtheorie, Pädagogik, Soziologie oder Ökonomie – kommt ohne den Begriff
„Kooperation“ nicht mehr aus. Das Wissenschaft der Gegenwart sieht sich
einer neuen Sichtweise verpflichtet: der interdisziplinären, interkulturellen
und systemischen Betrachtung der Welt als einer organischen Ganzheit.
Während das alte, vom Darwinismus und Rationalismus geprägte Weltbild
die Konkurrenz zwischen den Teilen eines Ganzen in den Mittelpunkt ihrer
Untersuchungen stellte, stehen wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts an einem
Wendepunkt: In den Mittelpunkt der Forschung gerät mehr und mehr das Zusammenspiel
der Teile im Ganzen, die Beziehungsstrukturen, Gesetze, Mechanismen der
Kooperation, die das Leben auf dem Planeten Erde im Gleichgewicht halten.
Biologen entdecken Kooperationen und Symbiosen bei Bakterien, Pflanzen,
Bäumen, zwischen Tieren unterschiedlicher Gattungen, bei Menschen, in
biologischen und sozialen Systemen. Die physikalische Grundlagenforschung
erkennt, daß wir die Struktur der Wirklichkeit nur dann richtig erkennen
können, wenn wir das Umfeld des untersuchten Gegenstandes miteinbeziehen.
Die mathematische Spielforschung entdeckt, daß die Natur kooperative Lösungen
überall bevorzugt. Die moderne Erforschung der lebenden sozialen und biologischen
Systeme entdeckt Kreisläufe, gegenseitige Abhängigkeit, Rückkopplungen,
Selbstregulation, Vielfalt und Flexibilität als Grundregeln der Kooperation.
Pädagogik und Kreativitätsforschung erkennt die Bedeutung von Teamarbeit
und fächerübergreifender Zusammenarbeit. Politkwissenschaften widmen sich
den Möglichkeiten internationaler zusammenarbeit. Gesellschaftswissenschaftler
halten die Zusammenarbeit und Kooperation zwischen Mensch und Natur, zwischen
Gesellschaftssystemen, zwischen Staaten, zwischen Schichten, sozialen
Gruppen und Individuen immer mehr für eine Grundbedingung unseres Überlebens.
Und auch die globalisierte Wirtschaft experimentiert seit Jahren mit neuen
Mischformen aus Kooperation und Konkurrenz, um den Herausforderungen der
Gegenwart gewachsen zu sein. Überall zeigt sich, daß Konkurrenz nur im
Rahmen einer größeren Kooperation existiert und sinnvoll ist. Kooperation
ist das übergeordnete Prinzip des Lebens und der Evolution. Sie ist damit
auch die basis aller kulturellen Evolution.

Obwohl der Begriff der Kooperation fast allgegenwärtig ist, haben die
neuen Erkenntnisse der modernen Wissenschaft in unserer Kultur noch keine
Wurzeln geschlagen. Denn der Mythos der modernen Zivilisation widerspricht dem ganzheitlichen kooperativen Denken: Er betont immer noch das Primat der „Konkurrenz“ als obersten Wert unserer Wahrnehmung, unseres Welt- und Menschenbildes. Das Forschungsprojekt „Kooperation mit der Evolution“, das auf dieser Webpage vorgestellt wird, hat sich zum Ziel gesetzt, die Vielfalt kooperativer Ansätze in der Wissenschaft, der Alltagswelt, in Philosophie und Glaubenswelten zusammenzutragen und weiterzuentwickeln.
Ziel ist es, die Kooperation als Grundwert für die Zukunft durchzusetzen,
um damit das kreative Potential des Menschen im Sinne der Evolution zu
nutzen.

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2.
Evolution

Rund hundert Jahre
nach seiner Einführung durch Charles Darwin erlebt der Begriff „Evolution“
heute eine Renaissance. Er bezieht sich aber längst nicht mehr nur auf
die Wissenschaft der Biologie, sondern auch auf die Bereiche der Kosmologie,
der Physik, der Chemie, der Anthropologie, der Soziologie, der Kulturwissenschaften,
der Psychologie, der Ökologie und der Religionswissenschaften. In der
Vielfalt der unterschiedlichen Fachbereiche wird der Begriff jedoch mit
unterschiedlichen, zum Teil gegensätzlichen Inhalten belegt, die ein umfassendes
Gesamtbild des Evolutionsprozesses schwer machen. Ziel des hier beschriebenen
Forschungsprojektes ist es, den Evolutionsbegriff von seinem einseitigen
darwinistischen Verständnis als Paradigma der Konkurrenz und des Überlebenskampfes
zu befreien, ihn unter systemischen und ganzheitlichen Gesichtspunkten
neu zu definieren und in einen umfassenden Zusammenhang zu stellen. Damit
verändert sich auch die Stellung des Menschen in der Evolution: Er ist
nicht länger ein ‚Irrtum der Evolution‘, sondern aktiver Gestalter eines
Prozesses, dessen jüngstes Mitglied er ist. Evolution wird im herkömmlichen
Verständnis meist gleichgesetzt mit der Entstehung der Arten. An der Spitze
dieser Jahrmillionen umfassenden Entwicklungspyramide steht der Mensch,
als sei er das höchste Endprodukt einer langen Kette zufälliger Mutationen,
die sich in einem selektiven Prozeß gegen unterlegene Mutationen durchgesetzt
haben. Als Grundmuster dient der Kampf der Arten gegeneinander, die in
einem räumlich beschränkten Lebensraum mit begrenzten Nahrungsressourcen
um das Überleben ihrer Gattung konkurrieren müssen, wobei in der Regel
„der Stärkste gewinnt“. Diese Weltssicht basiert ursprünglich auf religiösen
Überzeugungen und mythologischen Mustern, die den Mensch über die Natur,
Männer über Frauen und Zivilisationen über traditionelle Kulturen stellte.
Seit dem Frühkapitalismus wurde dieses Weltbild zum gesellschaftlichen
Programm. Im 20. Jahrhundert wurde es nicht nur benutzt, um die Entstehung
der Arten zu erklären, sondern auch um soziale Ungleichheit zu legitimieren,
Apartheid, Krieg, Rassenwahn und Völkermorde zu legitimieren. Gleichzeitig
beinhaltete der Evolutionsbegriff immer auch eine Weltsicht, die das Leben
auf der Erde als einen Prozeß verstand, der sich von einfachen zu komplexen
Formen weiterentwickelte. Dieser Prozeß der Differenzierung, Verschönerung,
kreativen Erneuerung und wachsenden Intelligenz und Bewußtheit, der dem
darwinistischen Krieg der Arten eigentlich widerspricht, führte zum Beispiel
dazu, daß in der Politik- und Geschichtswissenschaft die Metapher „Evolution“
im Gegensatz zur „Revolution“ für die friedliche, sich selbst organisierende
Veränderung von Systemen steht.

Das moderne Verständnis von sozialen, ökologischen und lebenden biologischen Systemen macht inzwischen deutlich, daß das primäre Grundmuster der Evolution ein kooperatives Zusammenspiel aller Faktoren und Mitglieder des jeweiligen Systems miteinander ist. Konkurrenz findet zwar statt, steht aber immer im Kontext einer übergeordneten Kooperation, mit der sich die Systeme als Ganzes erhalten. Wir wissen heute, daß wir in einem evolutionären Universum leben, das sich ständig weiter ausdehnt und entwickelt. In diesem großen Rahmen gibt es eine physikalische, chemische, organische und biologische Evolution. Zudem gibt es bei intelligenten Organismen eine kulturelle Evolution, sowie einen evolutionären Prozeß ihrer Sozial- und Gesellschaftssysteme.
Wir sind außerdem davon überzeugt, daß der Evolutionsprozeß mit der Entwicklung des menschlichen Bewußtseins weitergeht und sich zu einem ganzheitlichen, integralen, kosmischen Bewußtsein weiterentwickelt. Damit wird der Evolutionsbegriff der Gegenwart zu einem Wort, das den gesamten Entwicklungsprozeß, mitsamt all seinen kreativen Impulsen zu mehr Schönheit, Intelligenz, Bewußtheit, Vernetzung, Differenzierung und Stabilität beschreibt. Evolution ist ein kooperativer, kreativer und intelligenter Prozeß der Weiter- und Höherentwicklung, der aus sich selbst entsteht, sich selbst organisiert und wie ein grundlegender
Impuls das gesamte Universum durchzieht.

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3. Kooperation mit der Evolution

Kooperation mit der
Evolution ist die Fähigkeit, die eigene Kreativität mit der viel größeren
universellen Kreativität zu verbinden. Denn Kreativität ist die Quelle
und der schöpferische Impuls des Lebens. Menschliche Kreativität und menschliches
Handeln bekommen eine neue Qualität, wenn sie als Teil eines schöpferischen
Gesamtprozesses innerhalb der Evolution angesehen werden. Im Gegensatz
dazu basiert die moderne Welt auf dem Grundwert der Konkurrenz. Das schlägt
sich in globalem wirtschaftlichem Wettbewerb nieder, in sozialen, kulturellen
und zwischenmenschlichen Konflikten und in dem Sieg der Stärkeren über
die Schwachen. Statt die Welt als vernetzten Organismus wahrzunehmen,
wird sie als Maschine verstanden, deren Teile sich beliebig trennen, benutzen
und manipulieren lassen. Der Mensch versteht sich nicht als Teil eines
kreativen Ganzen, sondern immer mehr als hilfloses Opfer der Systeme,
die er sich selbst geschaffen hat. Sein persönlicher Kontakt zur fließenden
Kreativität, die die gesamte Schöpfung durchzieht, ist unterbrochen. Die
meisten Menschen sind nicht in Kontakt mit ihrem kreativen Potential und
nutzen ihre Fähigkeiten im wesentlichen dazu, um im wirtschaftlichen Wettbewerb
zu überleben und persönliche Vorteile zu erzielen. Dies führt nicht nur
zu einem verbreiteten Sinnverlust, sondern auch zunehmend zu ökologischen,
sozialen und wirtschaftlichen Problemen, die das Überleben der Menschheit
in Frage stellen. Das neue Verständnis des Evolutionsbegriffs macht grundlegende
Veränderungen im Weltbild der Gegenwart, im Selbstbild des Menschen und
in der Art nötig, wie Menschen ihr Zusammenleben und ihren Austausch mit
der Natur organisieren. Um das Leben entsprechend eines „Kooperativen
Weltbildes“ zu organisieren, muß der Mensch beginnen, mit der Evolution
zu kooperieren. Dies bedeutet zunächst, die kooperativen Strukturen wahrzunehmen
und zu verstehen, sowie die eigene Kreativität und Intelligenz als Teil
einer evolutionären Kreativität und Intelligenz zu begreifen. Um das schöpferische
Potential, das in jedem Menschen ruht, im Sinne der Evolution des Lebens
zu entfalten, braucht der Mensch eine Ethik, die das neue Weltbild zur
Grundlage hat und die sein kreatives Handeln, seine Erfindungen und Problemlösungen
prägt. Die Gestaltung einer verantwortungsbewußt handelnden Zivilisation
und Kultur ist nur möglich, wenn wir die Welt als kooperativen Prozeß
verstehen, danach unser Handeln ausrichten und alle Entscheidungen aus
einer evolutionsorientierten Ethik herausfällen.

Das Forschungsprojekt „Kooperation mit der Evolution“ beruht auf der praktischen Erfahrung, daß diese Kooperation möglich ist. Das Projekt entstand auf Initiative des Erfinders und Unternehmers Dr.
Ing. Hans Sauer
, der in seinem Leben (1923 – 1996) diesen schöpferischen
Ansatz erforschte und erfolgreich praktizierte. Hans Sauer handelte aus
der Überzeugung, daß seine persönliche Kreativität als Erfinder und Entwickler Teil eines umfassenden Flusses von Kreativität ist, deren Impuls unter bestimmten Umständen erfahrbar, nutz- und umsetzbar ist. Er fand für sich heraus, daß diese ganz persönliche „Kooperation mit der Evolution“ am
ehesten dann funktioniert, wenn er sich vom Einfluß kreativitätshemmender
Mythen, Weltbilder und Ideologien befreit, die Welt als kooperatives Netzwerk begreift, interdisziplinär denkt, aus einer mitfühlenden und ganzheitlichen Ethik heraus handelt sowie seine Wahrnehmung kooperativer Prozesse erhöht.
Je mehr er auf diese Weise mit allen Facetten des zu lösenden Problems
eins wurde und sich identifizierte, umso kreativer und erfolgreicher waren
die Lösungen, die er fand. Diese Ansätze wurden im Forschungsprojekt „Kooperation mit der Evolution“, das im Folgenden dargestellt wird, nicht nur von anderen Erfindern, sondern auch von der Elite ganzheitlicher Wissenschaftler aus aller Welt im Wesentlichen bestätigt.

 

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