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Gemeinsam gegen Landminen

Erstellt am 01.04.2011 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 3476 mal gelesen und am 03.04.2011 zuletzt geändert.

Bild: Kind in Angola – Quelle Rotes Kreutz

Letzten Freitag wurde in Graz die Innenstadt rund um den Bahnhof evakuiert. Eine englische Bombe mit 250 kg musste kontrolliert gesprengt werden. Eine Erinnerung nach rund 75 Jahren, dass Krieg kein guter Versuch der Konfliktbearbeitung ist. Irrwitziger sind Minen. 110 Millionen liegen weltweit herum.

„Ob Schulweg oder Weideland: überall droht eine tödliche Gefahr – Am 4. April ist der Internationale Tag der Minenaufklärung und Opferhilfe

Trotz der weltweiten Ächtung von Anti-Personen-Minen bedrohen laut UN-Schätzungen noch über 110 Millionen Landminen in mehr als 70 Ländern die Bevölkerung. Ihre Räumung ist aufwändig, langwierig und gefährlich. Nach wie vor sind weltweit jedes Jahr tausende Minenopfer zu beklagen. Betroffen sind zumeist Zivilisten, mehrheitlich Frauen und Kinder. Minenaufklärungsprogramme sind für sie besonders wichtig.

Jedes 3. Minenopfer ist ein Kind

Kinder sind durch Minen besonders bedroht. Die Gefahren lauern am Schulweg oder am Weg zur nächsten Wasserstelle, jeder Gang wird zum tödlichen Risiko. „Kinder werden beim Spielen genauso Opfer von Minen, wie beim Hüten der Herden oder beim Sammeln von Brennholz”, erläutert Dr. Wolfgang Schachinger, Präsident der österreichischen Nichtregierungsorganisation Gemeinsam gegen Landminen – GGL Austria. „Uns erreichen regelmäßige Nachrichten aus unseren Projektländern mit tragischen Unfallberichten wie jener des 14jährigen Tu Ru aus einem kleinen Karen-Dorf in Burma. Er trat letztes Jahr auf eine Mine, als er Wasserbüffel hütete, eine Gehstunde von seinem Dorf entfernt. Ein Bein musste amputiert, das zweite konnte gerettet werden.“

 

Aufklärung rettet Menschenleben

Es dauert viele Jahre, bis ein Landstrich von Minen und Blindgängern geräumt ist. Ein Entminer benötigt rund zwei Tage, um eine Fläche von 100 m2 – in etwa die Hälfte eines Einzel-Tennisplatzes – abzusuchen. Umso wichtiger ist die Aufklärung der Bevölkerung über die Gefahren in ihrer Umgebung. Internationale Organisationen leisten in den betroffenen Regionen entscheidende Hilfe durch Vermittlung von Verhaltensregeln zur Vermeidung von Unfällen, Erklärung von Gefahrenzeichen und Erläuterung über die Gefahren von Minen und Blindgängern. Diese Gefahrenschulungen sind gerade für die besonders bedrohten Kinder überlebensnotwendig.

 

Gemeinsam gegen Landminen

GGL-Austria engagiert sich bei Minenaufklärungsprogrammen in Burma und Georgien, ein weiteres Projekt wird zurzeit für den Südsudan vorbereitet. Dort ist die Situation besonders brisant, da nach dem Unabhängigkeitsvotum nun hunderttausende Flüchtlinge in ihre Dörfer zurückkehren. „Landminen und Blindgänger sind noch Jahre und Jahrzehnte hoch explosiv und gefährlich“, so Wolfgang Schachinger. „Unser Ziel ist es, den Betroffenen vor Ort zu helfen – durch Unterstützung von Entminungsprojekten, Rehabilitation von Minenopfern, Hilfe für betroffene Familien aber vor allem auch durch intensive Aufklärung und Schulung, um weitere Unfälle zu vermeiden.“ Aus Anlaß des Internationalen Tages der Minenaufklärung starten wir am 4.April mit unserem neuen Informationsangebot in Form eines elektronischen Newsletters.

 

Der Internationale Tag der Minenaufklärung und Opferhilfe

Der „Internationale Tag für die Aufklärung über Minengefahr und die Unterstützung von Antiminenprogrammen“ wird am 4. April zum 5. Mal begangen. Die Vereinten Nationen möchten mit diesem Tag auf die anhaltende Gefahr durch Landminen und explosive Kampfmittelrückstände aufmerksam machen. Diese so genannten Blindgänger stellen in einigen Gebieten eine noch größere Gefahr als Landminen dar. Hierzu zählt z.B. Clustermunition, die beim Einschlag nicht detoniert ist. Aber auch Granaten und Raketen, die von abziehenden Streitkräften zurück gelassen und häufig vergraben wurden, sind für die Bevölkerung vor Ort eine ständige Bedrohung. Der 4. April soll Gelegenheit bieten, die Öffentlichkeit auch für dieses Thema zu sensibilisieren.

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(1. April 2011)

Weiterführende Informationen: www.landmine.at

Der Verein Gemeinsam gegen Landminen – GGL Austria

GGL-Austria unterstützt Minenopfer weltweit. Einerseits durch finanzielle Hilfe bei der Entminung vor Ort, anderseits durch Opferhilfe und die Verbreitung von Informationen in verminten Gebieten. Diese Aufklärungsarbeit soll die Zahl der Unfälle in den betroffenen Gebieten verringern. In Österreich leistet der Verein Aufklärungs- und Mobilisierungsarbeit.

GGL Austria ist als unabhängige Nichtregierungsorganisation international tätig und kooperiert mit Einrichtungen im In- und Ausland, die gleiche Ziele verfolgen. Der Verein wirkt nur fördernd bei Projekten mit, die Explosivmaterial restlos vernichten, dabei den Frieden und die Stabilität einer Region nicht gefährden und unbewaffnet durchgeführt werden.“

 

UNIS/SGSM/255
1 April 2011
United Nations Secretary-General Ban Ki-moon:„Clearing Land of Explosive Remnants of War Saves Lives and Protects Livelihoods“

Message on the International Day for Mine Awareness and Assistance in Mine Action,
4 April 2011

VIENNA, 4 April (UN Information Service) – The International Day for Mine Awareness and Assistance in Mine Action is a timely reminder that clearing land of explosive remnants of war saves lives and protects livelihoods.Mine clearance prevents an indiscriminate weapon from causing harm and havoc long after conflicts have ended, while also creating jobs, transforming danger zones into productive land and setting societies on course for lasting security.

Last year, hundreds of thousands of people received United Nations mine risk education that prevented tragedy for individuals, families and communities. In Afghanistan alone, 14,400 people were employed in the mine action sector, helping to destroy more than 1 million explosive remnants of war.

UN development agencies are striving to connect mine action with broader development plans to promote agricultural production, strengthen infrastructure, improve water supply and provide better education and health services. These are all essential to reaching the Millennium Development Goals.

Despite its many well-documented successes, mine action remains underfunded. The 2011 portfolio of projects has secured only about a quarter of the needed resources, leaving a funding gap of $367 million.

While this is a significant sum, the cost is far outweighed by the benefits of removing explosive hazards, creating awareness, providing mine risk education, assisting survivors and helping communities.

I thank all those who have contributed to international mine action. I also applaud the 156 States which are party to the Mine Ban Treaty, the 55 that have ratified the Convention on Cluster Munitions, and the 99 that have ratified the Convention on the Rights of Persons with Disabilities.

On this International Day, I call for universal adherence to these important treaties, increased support for mine awareness and mine action, and greater global solidarity in support of this crucial element in our drive to build a safer and more prosperous world for all.

 

 

 

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