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Ruanda – „Responsibility to protect“ our Interests

Erstellt am 01.01.2014 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 4870 mal gelesen und am 01.01.2014 zuletzt geändert.

Im Oktober 2007 erschien, „Handschlag mit dem Teufel“ von Roméo Dallaire (Autor – kanadische Generalmajor und Kommandeur der Blauhelmtruppe in Ruanda, Roméo Dallaire). Der Untertitel „Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda“ zeigt heute, nach dem Rohrkrepierer des NATO-Rohstoffkrieges in Libyen 2011 unter dem moralischen Deckmäntelchen der „Responsibility to Protect“ zeigt, das Militärs, die Instrumentalisierung von Schuld und Verantwortung sehr hinterfragenswert sind. Dieser „Schutzkrieg“ mit UNO-Feigenblatt der eigentlich, wie die „Befreiung des Irak“, bis heute andauert geht auf die 2005 als großer Fortschrit gefeierte Schutzverantwortung der Vereinten Nationen zurück.

Die Schutzverantwortung wird auch als Verantwortung zum Schutz ist ein Konzept der internationalen Politik und des Völkerrechts zum Schutze des Menschen vor schweren Menschenrechtsverletzungen und Brüchen des humanitären Völkerrechts – im Englischen, laut offiziellem, UNO-Dokument als „Responsibility to Protect“ oder auch R2P oder RtoP abgekürzt. Sie wurde maßgeblich von der International Commission on Intervention and State Sovereignty (ICISS) in den Jahren 2000/2001 entwickelt und international verbreitet, wenngleich sich ihre wesentlichen Züge bereits seit längerem in der politischen und rechtlichen Diskussion befanden. Der Völkermord in Ruanda der durch die internationalen Interessen in der Region befördert und möglich wurde und die NATO Intervention im Kosovo ohne UNO-Mandat eigentlich eine grobe Volkerrechtsverletzung gingen dieser Vereinbarung voraus.

2005 World Summit – „Responsibilty to protect“

Auf dem 2005 World Summit der Vereinten Nationen in New York wurde sie von fast allen Staaten der Erde allgemein anerkannt und in Resolution 1674 des Sicherheitsrats erstmals in einem völkerrechtlich verbindlichen Dokument erwähnt. Der von den USA gepushte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon – seit 2007 im Amt – veröffentlichte 2009 einen Bericht zur Umsetzung der Schutzverantwortung. Sie basiere auf drei Säulen und regelt insbesondere die Bedeutung einer rechtzeitigen Erkennung und Einleitung von präventiven Maßnahmen bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Ruanda – Bill Clintons Auschwitz 1.0

1994, ein UNO-General kämpft verzweifelt gegen den drohenden Völkermord. Europa lieferte Waffen für die potentiellen Täter.

Die UNO verbietet den Blauhelmen zu schützend einzugreifen:

Der schnellste Völkermord unserer Zeitgeschichte beginnt. Der Westen schaut zu. „Nur einem Blinden oder einem Analphabeten hätte entgehen können, was in Ruanda geschah„, sagt der Generalmajor und Kommandeur der Blauhelmtruppe in Ruanda, Roméo Dallaire nach seiner Rückkehr. Er ist, so der Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck, der glaubwürdigste Zeuge des schnellsten Völkermords der Zeitgeschichte. Sechs Jahre danach wurde eine Volkszählung durchgeführt, bei der über 950.000 Opfer ermittelt wurden. In der Regel wurden die Menschen mit der Machete zerhackt, weil Kugeln zu wertvoll für sie waren. Die westliche Welt erlebte zwischen April und Juli 1994 ihre schwärzeste Stunde nach 1945. Sie will das bis heute nicht wahrhaben. In nur 100 Tagen wurden über 800.000 ruandische Männer, Frauen und Kinder brutal abgeschlachtet, während sich die reichen Länder gleichgültig und anscheinend ungerührt zurücklehnten und der sich vollziehenden Apokalypse zuschauten oder schlicht auf ein anderes Programm umschalteten“ (Dallaire).

Rupert Neudeck, ein deutscher Journalist und Gründer des Cap Anamur – Deutsche Not-Ärzte e.V. und Vorsitzender des Friedenskorps Grünhelme e.V.:

Gegen den Befehl der UN-Zentrale in New York zum Nichtstun, Abwarten und Zuschauen und gegen die UN-Anweisung vom 22. April, sämtliche Blauhelme abzuziehen, hielten Dallaire und seine kleine Truppe von 250 Ghanaern aus. Ihre Selbstlosigkeit und Tapferkeit konnten die furchtbaren Ereignisse jedoch nicht aufhalten. Im September 1994 flog Dallaire zurück nach Kanada – zutiefst erschüttert, gebrochen, dem Selbstmord nahe. „Nach meiner Rückkehr aus Ruanda fragte mich ein kanadischer Armeegeistlicher, wie ich nach allem, was ich gesehen und gehört hatte, weiterhin an Gott glauben könne. Ich weiß, dass es einen Gott gibt, antwortete ich ihm, weil ich in Ruanda dem Teufel die Hand geschüttelt habe. Ich habe ihn gesehen, gerochen und berührt. Ich weiß, dass es den Teufel gibt, und deshalb weiß ich, dass es einen Gott gibt“ (Dallaire).

Die unbewusste Projektion des Teufels auf eine Konfliktpartei

„Handschlag mit dem Teufel“, sagt Dallaire, sei:

„die Geschichte der Ereignisse in Ruanda 1994. Es ist die Geschichte des Verrats, des Scheiterns, der Naivität, der Gleichgültigkeit und des Hasses, des Völkermords, des Krieges, der Unmenschlichkeit, des Bösen.“

Die Deutsche Erstausgabe – Unter Mitarbeit von Major Brent Beardsley – mit einem Nachwort des Journalisten Dominic Johnson wurde auf Deutsch von Andreas dos Santos übersetzt.

651 Seiten interessante Einblicke auf die Sicht eines „hilflosen Helfers“ im Sold der UNO und den Interessen der Großmächte in Afrika. Vor der Lektüre empfiehlt sich der satirische Polit-Film: „Wag the Dog“ und „American Dad“.
Leider fällt mir der Name die Politsatire nicht ein bei der 2 junge Computerfachleute ein CIA Himmelfahrtskommando übernehmen um der Bestrafung für eine kleines Vergehen zu entgehen. Es wird satirisch sehr realistisch gezeigt, wie naive Zivilisten vom Geheimdienst über das Friedenscorps in einen Konflikt eingeschleust werden …

 

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