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Begrenzter Atomkrieg tötet Milliarden Menschen

Erstellt am 30.10.2014 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 6139 mal gelesen und am 30.10.2014 zuletzt geändert.

Robert Dodge und Ira Helfand haben am 9. August 2014 einen bemerkenswerten Artikel geschrieben, auf den ich bei der Recherche für das Symposium zum 150. Geburtag von Alfred H. Fried am 11.11.2014 in Wien stieß.
Als Ärzte verbringen Dodge und Helfand ihr Berufsleben mit der Anwendung wissenschaftlicher Fakten im Dienste der Gesundheit und für das Wohlbefinden ihrer Patienten. Wenn es um die Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit wie TB, Polio, Cholera, Aids, und anderes gehe, sei es ihr Ziel, zu verhindern, was nicht heilbar sei. Es sei ihre professionelle, ethische und moralische Verpflichtung das Wort zu diesen Themen zu ergreifen und zu bilden und zu erziehen.

Atomkrieg – die größte existentielle Bedrohung für die menschliche Überleben

Das Potenzial eines globalen Atomkrieges sei eine Gesundheitsbedrohung für Menschen die selbst alle Ärzte der Welt nicht heilen könnten.

Wir wissen seit langem, dass die Folgen von großen Atomkriegen effektiv die menschliche Existenz auf dem Planeten zu beendent. Dennoch gibt es mehr als 17.000 Atomsprengköpfe in der heutigen Welt – über 95% von den USA und Russland kontrolliert.

Die internationale Gemeinschaft sei zwar entschlossen den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Während es angemesse Bemühungen gebe  die Verbreitung von Atomwaffen zu stoppen, gebe es herzlich wenig Aufwand das viel größere und kritischere Problem anzupacken, die bestehenden Atomwaffenarsenale.

Einerseits haben wir heute wieder auflebende Mentalitäten des Kalten Krieges in den USA, Europa und Russland.  Allein die USA und Russland mit ihrer Verfügungsgewalt über 95 Prozent der Atomwaffen spielen immer riskanter mit der Menschheit russisches Roulett. Das heißt ständig riskieren sie einen Atomkrieg durch

  • Zufall,
  • Absicht oder
  • Cyber-Angriff

Das Komittee des renomierten Bulletin of the Atomic Scientists hat im Jänner die „Weltuntergangsuhr“ auf 5 vor 12 gestellt. Nur während der Kuba-Krise und am Höhepunkt des Kaltenkrieges war wurde die Lage von dieser Organisation als bedrohlicher eingestuft. Seit Jänner 2014 hat sich die internationale Lage durch die Krisenherde rund um Syrien und die Ukraine drastisch verschärft.  Es wäre keine Überraschung, wenn 2015 die Uhr noch näher an die endgültige Mitternacht heranrückt. Zwei Gipfel zur atomaren Abrüstung sind 2014 vollkommen gescheitert. Nun bleibt zu hoffen, dass in Wien im Dezember die Vernunft wieder an die Verhandlungstische zurückkehrt.

Anderseits sei für die Menschheit das Risiko von begrenzten regionalen Atomkriegen noch viel größerer als das Risiko eines vollkommen Weltuntergangs.
Vor dem Hiroshimatag 2014 wurde ein Bericht der Internationalen Organisation der Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW)  und der Physicians for Social Responsibility (USA) publiziert. Er liefert Fakten zu den humanitären Folgen eines begrenzten Atomkrieges.

Bespiel begrenzter Atomkrig in Südasien

Indien und Pakistan dürfen selbst nach vorsichtigen Schätzung heute zumindest in der Lage sein mit ihren Atomwaffen eine tödliche Kraft von 100 mal Hiroshima entfesseln können. Das sind zwar etwas weniger als 0,5% der weltweit existierenden Atomwaffen. Sie würden aber ausreichen um die Gesundheit und das Wohlbefinden von zwei Milliarden Menschen in Gefahr zu bringen. Die lokalen Auswirkungen wären verheerend.

  • Mehr als 20 Millionen Menschen würden in einer Woche an den folgen der Explosionen, Feuerstürme und unmittelbaren Strahlenwirkungen sterben. Im I. Weltkrieg benötigen die Kriegsführenden Nationen immerhin noch 4 Jahre um 17 Millionen Menschen durch Waffenanwendung zu töten. Im II. Weltkrieg belaufen sich die Schätzungen auf 50 Millionen Menschen.
  • die globalen Fernwirkungen des begrenzten Atomkrieges in Asien wären 10 x schlimmer

    Die von diesem Krieg verursachte Feuerstürme würden 5 Millionen Tonnen Ruß hoch in die Atmosphäre befördern. Das Sonnenlicht würde ausgesperr und  Temperatur würde auf dem ganzen Planeten dramatisch absinken. Diese Klima-Störung würde einen scharfen weltweiten Rückgang der Nahrungsmittelproduktion verursachen. Schätzungen rechnen mit einem Rückgang um 12% der US-Maisproduktion und einem Rückgang von 15% der chinesischen Reisproduktion, und zwar nachhaltig für eine volle Dekade. Ein wahrscheinlicher 31%iger Rückgang in der chinesischen Winterweizenproduktion würde auch 10 Jahre anhalten. Die daraus resultierende weltweite Hungersnot würde rund
    870 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern gefährden, die bereits heute unterernährt sind.
    300 Millionen Menschen kämen hinzu in Ländern die abhängig von Nahrungsmittelimporten sind.
    1,300 Millonen Menschen in China würden durch die riesigen Ausfälle in der chinesischen Nahrungsmittelproduktion bedroht. Ein Jahrzehnt des sozialen und wirtschaftlichen Chaos im größten Land der Welt wäre die Folge.  China ist heute die weltweit zweitgrößte Wirtschaft und mit seiner Dynamik die Zugmaschine der Weltwirtschaft.Ein Atomkrieg von vergleichbarer Größe würde überall auf der Welt vergleichbare globale Wirkungen nach sich ziehen.

Ein US Trident-U-Boot reicht für das Ende der Menschheit

Die kleinen Atom-Warlords in Indien und Pakistan sind im Vergleich zur Bewaffnung die US Trident-U-Booten  üblicherweise trägt nicht nenscheitsbedrohend.

Ein Trident-U-Boot trägt 96 Sprengköpfe, von denen jeder zehn bis dreißig Mal stärker als die in der Südasien-Szenario verwendeten Waffen.

Das bedeutet,

dass ein einziges U-Boot eine Verwüstung verursachen könnte die rund 1000 bis 3000 größer wäre als die Bedrohung von zwei Milliarden Menschen.

Die USA haben 14 dieser U-Boote sowie

landgestützten Raketen und

eine Flotte von strategischen Bombern.

Das russische Waffenarsenal hat vergleichbare Vernichtungs-Kapazitäten.

Zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges sind Atomwaffen daher schlecht geeignet, um moderne Bedrohungen verhindern. Im Gegenteil sie bringen Bedrohungen in die Welt die historisch noch nie da waren. trotzdem werden sie mit mehreren hundert Milliarden Dollar pro Jahr erhalten.

Eine wachsende globale Bewegung für atomare Abrüstung

Es gibt es heute eine wachsende globale Bewegung, um derartige hausgemachte Katastrophen zu verhindern. Teilweise wird dies wahrscheinlich durch ein wachsendes Verständnis für dies humanitären Folgen von Atomkriegen angeheizt. Im Jahr 2011 bemühte sich das Internationale Rote Kreuz und der Rotealbmond über die humanitären Folgen von Atomkriegen zu informieren und auf dieser Basis zur Abschaffung von Atomwaffen aufzurufen. Siebzehn Nationen verabschiedeten im Mai 2012 eine gemeinsame Erklärung über die humanitären Auswirkungen von Kernwaffen. Sie riefen gleichzeitig zur  vollständige Beseitigung von Atomwaffen auf. Durch diese Initiative stieg die Zahl der Nationen die eine atomwaffenfreie Welt anstreben auf 125.
Die internationale Gemeinschaft solle laut IPPNW daher weiterhin praktische Schritte unternehmen um Ländern am Besitz von Atomwaffen zu hindern. Es müssten nun Anstrengungen zur Verhinderung der Proliferation mit der gleichen Kraft und Entschlossenheit auf die Beseitigung der weit größeren Gefahren ausgedeht werden, die von den riesigen Arsenalen an existierdenden Atomwaffen ausgehen. Einfach ausgedrückt, sei dies der einzige Weg, um die Gefahr von Atomkriegen zu beseitigen.  Nur wenn alle Atomwaffen beseitigt werden kann die Gefahr eines Atomkrieges aufgrund eines Irrtums oder einer Panne restlos beseitig werden.

2013 hat die Mehrheit der Nationen der Welt an einer zweitägigen Konferenz in Oslo über die humanitären Folgen eines Atomkriegs teilgenommen. Die USA und die anderen großen Atommächte boykottierten dieses Treffen. Es gab ein Folgetreffen in Mexiko im Februar 2014 mit bescheidenen Ergebnissen im Hinblick auf die Atomwaffen-Arsenale der großen Besitzer von Massenvernichtungswaffen.  Beim Atomsicherheitsgipfel in Den Haag im März 2014 wollte der US-Präsident eine seiner außenpolitischen Prioritäten vorantreiben: die nukleare Abrüstung. Außerdem kam er nach Brüssel zum EU-USA-Gipfel, für den Obama in der Vergangenheit wenig Interesse zeigte. Die Krim-Krise und eine kaum verhüllte Drohungen mit den Atomwaffenarsenalen der NATO und Russlands brachten den wohl schwersten Rückschlag im Gesprächsklima zwischen West und Ost seit dem Ende des Kalten Krieges.

Nun kommt im Dezember in Wien die “Vienna Conference on the Humanitarian Consequences of Nuclear Weapons“und die Menschheit kann nur hoffen, dass die leise Stimme der Vernunft von den gefährlichsten Männern der Welt endlich gehört wird. Wie wäre es mit einem Vertrag zur Vergemeinschaftung der Atomwaffenproduktion von Russland und der NATO. Ein solcher Vertrag stand an der Wiege der EU. 95 % der Atomwaffen könnten so unter Kontrolle gebracht werden und die USA und Russland könnten die kleinen Atomwaffenstaaten viel überzeugender zur kollektiven Sicherheit bewegen, wenn sie endlich ihre Hausaufgaben erledigen.

 

 

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