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Netzwerke in der Frauen- und Friedenspolitik

Erstellt am 25.02.2017 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 2014 mal gelesen und am 25.02.2017 zuletzt geändert.

Brigitte Rath und Barbara Heller-Schuh haben in einem Sammelband im Böhlau-Verlag unter dem Titel „In Fühlung treten“ einen Beitrag zu Netzwerken in der Frauen- und Friedenspolitik verfasst. Brigitte Rath hat mich nach der Buchpräsentation zu Alfred. H. Fried darauf aufmerksam gemacht, dass Fried mit der österreichischen Pazifistin Olgar Misar in fruchtbarem Kontakt war.

Netzwerke in der Frauen- und Friedenspolitik erschien in: Christine Fertig | Margareth Lanzinger (Hg.), BEZIEHUNGEN VERNETZUNGEN KONFLIKTE, Perspektiven Historischer Verwandtschaftsforschung; ELEKTRONISCHER
SONDERDRUCK 2016, BÖHLAU VERLAG KÖLN WEIMAR WIEN;

„In Fühlung treten“ – Netzwerke in der Frauen- und Friedenspolitik

Die Bedeutung von Netzwerken für die Geschichte der Frauenbewegung wurde
in einer Vielzahl von Untersuchungen betont. Sei es Margaret McFaddens Buch,1
die Untersuchung von Ulla Wischermann über Frauenzeitschriften2 oder Ute
Gerhard3 – sie alle stellten für die Frauenbewegung des 19. und beginnenden 20.
Jahrhunderts fest, welcher Stellenwert der „politics of friendship“ beizumessen ist.
So plädierte Ute Gerhard für eine stärkere Beachtung der internationalen Vernetzungen
innerhalb der deutschen bürgerlichen Frauenbewegung, eine Forderung,
die nach wie vor für diese Phase der österreichischen Frauenbewegung zu stellen
ist.4 Auf die Vielfalt der verschiedenen Ergebnisse und Zugangsweisen der
Netzwerkforschung hat auch die Historikerin Edith Saurer aufmerksam gemacht.
Sie wies auf die Wichtigkeit der auf Grundlage von autobiographischen Quellen
dokumentierbaren – jedoch nur schwer rekonstruierbaren – Frauenfreundschaften
für die Organisation der Frauenbewegung hin.5

Dabei sei zu auch beachten:
1 Margaret McFadden, Golden Cables of Sympathy. The Transatlantic Sources of Nineteenth-
Century Feminism, Lexington 1999.
2 Ulla Wischermann, Frauenbewegungen und Öffentlichkeiten um 1900. Netzwerke, Gegenöffentlichkeiten, Protestinszenierungen. Königstein/Taunus 2003.
3 Ute Gerhard, Christina Klausmann u. Ulla Wischermann, Frauenfreundschaften – ihre Bedeutung für Politik und Kultur der alten Frauenbewegung, in: Feministische Studien
11, 1 (1993), 21–37.
4 Ute Gerhard, National oder International. Die internationalen Beziehungen der deutschen
bürgerlichen Frauenbewegung, in: Feministische Studien 12, 2 (1994), 34–52.
5 Edith Saurer, Frauenbewegung und soziale Netzwerke. Kommentar zur Karriere eines
Begriffs, in: Anja Weckert u. Ulla Wischermann (Hg.), Das Jahrhundert des Feminismus.
Streifzüge durch nationale und internationale Bewegungen und Theorien, Berlin 2006,
77–94, 80ff.

Wischermann unterscheide drei Ebenen:

  1. zunächst die „Bewegungskultur“, worunter die Autorin die
    persönliche Beziehungen der Akteurinnen untereinander – also Bekanntschaften, Verwandtschaften sowie Freund- und Feindschaften – fasse,
  2. sodann die „Bewegungsöffentlichkeit“, eine „Binnenöffentlichkeit“, die durch autonome Kommunikationsstrukturen, Organisations- und Versammlungsöffentlichkeit sowie bewegungseigene Medien gebildet
    werde, und dass formelle und informelle Beziehungen häufig nicht einfach zu trennen sind.
  3. schließlich die breite Öffentlichkeit, auf die mit Hilfe der Massenmedien eingewirkt
    werde und deren Sympathie gewonnen werden solle.

Ebenso wichtig erscheine es, das Augenmerk auf Ein- und Ausschlüsse innerhalb
der ersten Frauenbewegung in Österreich zu legen.

Nicht nur diese, sondern auch Grenzen und Grenzziehungen, Fragen nach den Rändern der Bewegung
und den damit verbundenen Akteurinnen erscheinen, den Autorinnen, für die Geschichte der
Frauenbewegung von Interesse.  Historisch sei damit doch auch „Inklusion und
Exklusion verbunden“.

Die biographische Rekonstruktion von Olga Misař (1876–1950)

Misar ist wie viele aus jüdischen Familien stammende Wiener Pazifistinnen und Pazifisten von Weltrang

  • eine heute kaum erinnerte Akteurin der Frauenbewegung sowie der Friedensbewegung in
    der Ersten Republik und
  • Kriegsdienstgegnerin der 1920er und 30er Jahre

Misar zeige exemplarisch, welche Rolle soziale Beziehungen im Lebenslauf spielten.

Gerade ihr Engagement in unterschiedlichen Bereichen macht deutlich, in welchem Ausmaß diese Vernetzungen und persönlichen Verbindungen in verschiedenen politischen Feldern
zum Tragen kamen. Damit wird zugleich sichtbar, wie wichtig das Erforschen von
Biographien für die empirische Untersuchung von Netzwerken ist.

Von Olga Misař existiere kein privater Nachlass. Daher seien ihre familiären
Beziehungen nur in groben Zügen darstellbar.

Kurzbiografie Olgar Misař

  • Misar wurde am 11. Dezember 1876 in Wien in die jüdische Familie Dietrich und Friederika Popper geboren,
  • 1899 heiratete den Mathematikprofessor Wladimir (auch Vladimir) Misař. Er war ab 1919 bis
    zu seiner Emigration 1939 als Sekretär der Großloge Wien tätig war.
  • Am 6. März 1900 brachte sie die Töchter Olga und Vera zur Welt.

Aufgrund ihrer journalistischen, schriftstellerischen und nicht zuletzt politischen
Arbeit ließ sie in Archiven und Publikationen eine Vielzahl von schriftlichen
Spuren zurück. Diese beleuchten die Kommunikation und Kontakte zu einem breiten
Spektrum von Personen, die für ihre politische Arbeit von Bedeutung waren.
Damit erhält die biographische Analyse neue und umfassendere Dimensionen.
Die Rekonstruktion dieser Sozialbeziehungen, Freundschaften und Netzwerke in
ihrer unterschiedlichen Intensität im chronologischen Verlauf stehen im Zentrum
dieses Textes. Die graphische Darstellung der sozialen Beziehungen Olga Misařs
am Beispiel ihrer Vereinsmitgliedschaften und ihrer Zeit im Exil (siehe Abb. 1)
bietet einen systematischen Blick auf diese Verbindungen.

Abbildung 1: Netzwerk der Vereine und ausgewählter Mitglieder im Umfeld von Olga Misař
Netzwerke in der Frauen- und Friedenspolitik

Aus Urheberrechtlichen Gründen wird empfohlen diese soziale Netzwerk-Grafik in der Online-Publikation des Böhlau-Verlages zu erstehen und zu studieren!!!

Die Abbildung zeigt

ein bi-partites Netzwerk,10 das aus zwei verschiedenen Arten von Knoten besteht.

  1. Dunkelgraue Knoten stellen Vereine bzw. Ereignisse dar, in
    denen Olga Misař bzw. ihr nahestehende Personen aktiv waren.
  2. Hellgraue Knoten repräsentieren ausgewählte Personen, mit denen Olga Misař in Verbindung stand und die in den folgenden Abschnitten des Textes zur Sprache kommen. Über die Verbindung zwischen einer Person und einem Verein wird deren Vereinsmitgliedschaft dargestellt.

Die Größe der Knoten ist durch die Anzahl der benachbarten
Knoten bestimmt, das heißt die Größe der Vereinsknoten (dunkelgrau)
erklärt sich über die Anzahl ihrer Mitglieder und die Größe der Personenknoten
(hellgrau) über die Anzahl der Vereine, in denen diese aktiv waren.

Die Position der Knoten werde über gemeinsame Mitgliedschaften definiert. Das heißt Knoten von Personen sind nahe zueinander positioniert, wenn diese Personen Mitglieder derselben Vereine waren.

Über die graphische Darstellung dieses Netzwerks werden zentrale Persönlichkeiten im Leben von Olga Misař erkennbar, mit denen sie über vielfältige Aktivitäten in Verbindung stand und die darüber im Netzwerk auch nahe zu ihr positioniert sind.
So konzentrieren sich Vereine der bürgerlichen Frauenbewegung auf der rechten
Seite.

Die wichtige Position, die Rosa Mayreder darin hatte, bilde „sich klar ab“.

Auch die personellen Überschneidungen und Verflechtungen mit der Frauenfriedensbewegung,
die im weiteren in der Publikation noch ausführlicher behandelt werden, „treten in der Abbildung deutlich zutage“.

  • Die Nähe zu Leopoldine Kulka
  • sowie zu Yella Hertzka, die auf überlappende Interessen und vielfältige gemeinsame
    Aktivitäten beruhe, sei offensichtlich.

Der österreichische Bund für Mutterschutz setzte sich sowohl aus Frauen, die sich in der Frauenbewegung engagierten, als auch aus Vertreterinnen und Vertretern anderer Vereine zusammen.

Bund der Kriegsdienstgegner und Olga Misař

Für den Bund der Kriegsdienstgegner war Olga Misař eine wichtige Kontaktperson zu einem weiten – vor allem weiblichen – Publikum. Gemeinsame Interessen und
Überschneidungen im politischen Engagement zeigen sich ganz deutlich in der
Beziehung zum Ehemann Wladimir. Für die Zeit im Exil tritt ein Personenkreis
in den Blickpunkt, der bis dahin weniger deutlich sichtbar war: …

Alles in allem eine höchst empfehlenswerte Publikation für alle am Themenkreis interessierte.
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://portal.dnb.de abrufbar.

Umschlagabbildung:
Ausschnitt aus der Ahnentafel Maximilans I., vor 1494.
Aus: Christiane Klapisch-Zuber, Stammbäume. Eine illustrierte Geschichte
der Ahnenkunde, München 2004, S. 108.
© 2016 by Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln Weimar Wien
Ursulaplatz 1, D-50668 Köln, www.boehlau-verlag.com
Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.
Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes
ist unzulässig.

Korrektorat: Wolfgang Fink, Graz
Gesamtherstellung: WBD Wissenschaftlicher Bücherdienst, Köln
Gedruckt auf chlor- und säurefreiem Papier

Printed in the EU
ISBN 978-3-412-50303-1
BEITRAG aus: CHRISTINE FERTIG, MARGARETH LANZINGER (HG.): BEZIEHUNGEN – VERNETZUNGEN – KONFLIKTE.

Inhalt
Perspektiven der Historischen Verwandtschaftsforschung
Einleitung
Margareth Lanzinger und Christine Fertig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Amt – Familie – Netzwerk
Zur Gestaltung politischen Handelns im 14. Jahrhundert
Sabine von Heusinger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
Ausgleichende Verfügungen, verbindende Gegenstände,
konkurrierende Interessen
Das Testament des zweitgeborenen Francesco Gonzaga
aus dem Jahr 1483
Charlotte Zweynert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
Geburtsaristokratische Herrschaft in der Stadtrepublik
Das Patriziat der Reichsstadt Frankfurt am Main
Andreas Hansert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
Geschwisterbeziehungen und Verflechtungen in der hohen
Dienerschaft des Herren im 18. Jahrhundert
Die Brüder Münchhausen und die englisch-hannoversche Personalunion
Sébastien Schick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
Verwandtschaft, politische Netzwerke und soziale Milieus
Walliser Gemeinden des 18. Jahrhunderts im Vergleich
Sandro Guzzi-Heeb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
Verwandtenheirat – ein aristokratisches Ehemodell?
Debatten um die Goody-Thesen und Dispenspraxis
Ende des 18. Jahrhunderts
Margareth Lanzinger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 143
Die Verwandtschaft von unehelichen Kindern im
späten 18. und frühen 19. Jahrhundert
Jürgen Schlumbohm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167
BEITRAG aus: CHRISTINE FERTIG, MARGARETH LANZINGER (HG.): BEZIEHUNGEN – VERNETZUNGEN – KONFLIKTE.
PERSPEKTIVEN HISTORISCHER VERWANDTSCHAFTSFORSCHUNG. ISBN 978-3-412-50303-1
Verwandte Paten und wohlhabende Freunde
Soziale Netzwerke im ländlichen Westfalen des 18. und 19. Jahrhunderts
Christine Fertig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185
Reverenz und Referenz
Zwei Weisen der populären Genealogie seit dem 19. Jahrhundert
und ein neuer genealogischer Universalismus?
Elisabeth Timm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209
„In Fühlung treten“
Netzwerke in der Frauen- und Friedenspolitik
Brigitte Rath und Barbara Heller-Schuh . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233
Die Brüdergemeinde der Goldy Parin-Matthèy
Biographie als Basis verwandtschaftlicher und politischer
Netzwerkstrukturen
Ute Sonnleitner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
Die Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281
Sachregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283

 

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