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Gegen die militärische Jugenderziehung

Erstellt am 12.07.2017 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 199 mal gelesen und am 12.07.2017 zuletzt geändert.

Otto Glöckel 1874-1935, BildungsreformerHeute fiel mir bei der Sichtung meiner Bibliothek das Buch „Otto Glöckel, Auswählte Reden und Schriften“, Wien 1985, von Oskar Achs in die Hände. Da fiel mir auf, dass Glöckel am 12. Juli 1917 eine Parlamentrede in Wien hielt die Achs gekürzt und mit dem Titel „Gegen die militärische Jugenderziehung“ publizierte. Drei Jahre dem Beginn des I. Weltkriegs und zwei Jahre nach seinem Militärgerichtsprozess argumentierte Glöckel auf einem Niveau das auch heute 100 Jahre später Wert ist erinnert zu werden.

Der Krieg hat große Verwüstungen an Menschenleben und materiellem Gut angerichtet, fast möchte ich sagen: furchtbarere Verwüstungen richtete er an geistigem Gute und insbesondere an der Moral an. Wenn Menschen durch drei Jahre hindurch kein geordnetes Leben mehr kennen, Wenn Zerstörung und Vernichtung zum Ziele alles Handelns gemacht wird, wenn der Hunger zum Spekulationsobojekt gewissenloser Kriegsgewinner weird, wen das Töten von Menschen gelehrt wird in allen Methoden, angefangen von den feinsten Maschinen über den Flammenwerfer bis zur mitellalterlichen Art des Morgensterns, dann dafman sich nicht wundern, dass jetzt schon und noch viel mehr nach Beendigung des Krieges Roheit, Arbeitsunlust, Demoralisation, Ausbreitung von Geschlechtskrankeheiten und insbesondere Völkerverhetzung auf der Tagesordnung stehen werden (…)

Welche Wirkungen zeitigt dieser Krieg heute schon bei dem heranwachsenden Geschlecht, bei der heranwachsenden Jugend! Wir rufen warnend aus: unsere Jugend verwahrlost geistig, körperlich und sittlich! (…)

Schule darf nicht zur Kaserne und der Lehrer nicht zum Feldwebel werden. …

D e r „ A u f w i e g l e r “ O t t o G l ö c k e l

Am 16. Mai 1915 meldete die Arbeiter-Zeitung, laut Historiker Hans Hautmann, dass der Reichsratsabgeordnete Otto Glöckel im Auftrag des Prager Garnisonsgerichts in Wien verhaftet worden sei.

Er wurde beschuldigt, am 29. April 1915 in Platten in Nordböhmen eine „aufreizende“ Rede gehalten und sich da-mit gegen den § 65a („Störung der öffentlichen Ruhe“) vergangen zu haben. (57)

Das Gerichtsverfahren gegen Otto Glöckel

Es war der einzige politische Prozess gegen einen prominenten Funktionär der österreichischen Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg, so Hautmann in den Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft Nr. 2 2014. Hautmann verfasste hier einen ausführlichen Beitrag über „M i l i t ä r p r o z e s s e  g e g e n   A b g e o r d n e t e d e s ö s t e r r e i c h i s c h e n  P a r l a m e n t s  i m   E r s t e n  W e l t k r i e g.
Da der Glöckel-Prozess wie das Hornberger Schießen ausging, so Hautmann, sei er heute ganz vergessen. Das es bei solchen Prozessen durchaus um Leben und Tod ging beweist das Verfahren gegen Cesare Battisti und Fabio Filzi.

Am 10. Juli 1916 nahmen die Österreicher die beiden Leutnants der Alpini Dr. Cesare Battisti und Fabio Filzi bei einem missglückten Sturm der Italiener auf den Monte Corno gefangen. Kurz darauf wurde Battisti von vom Wiener Scharfrichter Lang gehängt. Dieses Foto über die gemütliche Brutalität der KuK Militärgerichtsbarkeit ist ein Zeitdokument. Es zeigt Jahrzehnte nach der letzten Hinrichtung in Österreich nach dem II. Weltkrieg durch die US-Militärs das wir Österreicher bis 1945 Methoden anwandte die beim Islamischen Staat heute mit recht empören. Selbst Missbrauch von Kindern zur Ermordung von Feinden ist keine neue Erfindung des Islamischen Staates. Wie Bilder von Kindersoldaten aus dem I. und II. Weltkrieg belegen.

Otto Glöckel (1874–1935)

Glöckel gilt als Initiator der Schulreform in der Ersten Republik (1918-1934). Er begann seine Laufbahn
  • 1892 als Volkschul-Unterlehrer in Wien-Schmelz. Hier sah er das Armut ein riesige Bildungshindernis ist, denn die wohlgenährten und behüteten Kinder im Zentrum Wiens hatten es – wie heute  – in der Regel wesentlich besser und lernten vergleichsweise „wie von selbst“ (s. Oskar Achs, Otto Glöckel, Auswählte Reden und Schriften, Wien 1985).
  • Er gründete den „Zentralverein der Wiener Lehrerschaft“, der sich gegen die von den Christlichsozialen angestrebte Rekonfessionalisierung des Volksschulwesens wandte. Deswegen wurde er vom Bürgermeister Lueger  entlassen. widmete er sich der Arbeit in der Sozialdemokratischen Partei, der Glöckel 1894 beigetreten war.
  • Im Jahr 1905 rief er mit Karl Seitz den Verein Freie Schule ins Leben; der Verein unterhielt in Wien zwei Privatschulen, in denen neue, progressive Lehrmethoden praktiziert wurden.
  • 1907 wählten ihn die Bewohner des Wahlkreises „Erzgebirgische Städte“ im sudetendeutschen Nordböhmen in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats, dem er bis zum Ende der Monarchie angehörte.

Glöckels Rede zum„Hasse wider die Staatsverwaltung“

Am 29. April 1915 hielt Otto Glöckel in Platten anlässlich der 1. Mai-Feier auf einer Versammlung des Fachvereins der
Handschuhmacher vor 200 Zuhörern eine Rede, in der er, wie es in der Anklageschrift hieß, „an einzelnen Stellen“ zum„Hasse wider die Staatsverwaltung aufzureizen“ suchte.Laut dem unbekannt gebliebenen Denunzianten (der bei Versammlungen obligate Behördenvertreter war diesmal merkwürdigerweise nicht anwesend), sagte Glöckel, dass der Krieg „vom Kapitalismus heraufbeschworen“ worden sei, stellte die Frage, „wie ein braver Russe dazu komme, einen braven Deutschen erschießen zu müssen und umgekehrt“, und kündigte an, dass „nach dem Krieg Abrechnung gehalten“ werde; weiters prangerte er die gigantischen Kriegskosten und die Missstände bei der Lebensmittelversorgung an. Die Ankläger schlussfolgerten daraus, dass er auf diese Weise den österreichischen Staat
beschuldigte, sich „als Werkzeug kapitalistischer Interessen gebrauchen zu lassen“ (!), und das geeignet sei, bei den Zuhörern „Abneigung und Hass gegen die Staatsverwaltung auszulösen“.Der Prozess gegen Otto Glöckel fand am 6. Juli 1915 vor der Expositur des Prager Landwehrdivisionsgerichts in Pilsen statt. Als Verteidiger fungierte der bekannte sozialdemokratische Anwalt Dr. Gustav Harpner. Glöckel gab zu, die inkriminierten Formulierungen verwendet zu haben, stellte sie aber als „aus dem Zusammenhang gerissen“ dar. Als Vertrauensmann der
Partei, der sich an ihre politische Linie und ihre Beschlüsse gebunden fühle, habe er mit seiner Rede nichts anderes bezweckt, als die Menschen „aufzurichten und mit Zuversicht zu erfüllen“.
Wie das mit den „braven Russen“ gemeint gewesen sei, fragte der Verhandlungsleiter, ein Oberleutnant-Auditor namens Kolaci. Glöckel darauf: „Es sind doch bekanntermaßen im russischen Heere bedauernswerte brave Menschen, die ihre Pflicht erfüllen, aber vom Zarismus für kulturfeindliche Zwecke hingeopfert werden. Den Zarismus hat die Sozialdemokratie allezeit bekämpft, und wenn er nach dem Kriege noch eine Macht sein wird, wird sie ihn weiter bekämpfen. ‚Brave Russen‘ sind auch zu verstehen im Sinne des tapferen Soldaten. Kein Vernünftiger wird von den militärischen Qualitäten des feindlichen Heeres geringschätzig sprechen, da er mit solchen unsinnigen Redensarten …

 

 

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