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Internationaler Bremer Friedenspreis 2017

Erstellt am 23.07.2017 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 470 mal gelesen und am 23.07.2017 zuletzt geändert.

Eine Anti-Mafia-Initiative, eine Maori-Aktivistin und kongolesischen Kriegsgegner erhalten  am 17. November im Rathaus Bremen die Auszeichnung der Stiftung „die schwelle“.

Die Gewinner des 8. Internationalen Bremer Friedenspreises der Stiftung die schwelle stehen fest. Die mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Auszeichnung geht in diesem Jahr gleichrangig an

  • eine Anti-Mafia-Initiative aus Süditalien,
  • eine indigene Umwelt- und Friedensaktivistin aus Neuseeland, und
  • einen ehemaligen kongolesischen Kindersoldaten, der zum Friedensarbeiter wurde.

Der Preis wird am 17. November im Bremer Rathaus verliehen.

Schirmfrau der Veranstaltung ist Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert.

Als „Ermutigende Initiative“ wird das sizilianische Netzwerk Addiopizzo („Tschüss Schutzgeld“) ausgezeichnet. Addiopizzo ist ein zivilgesellschaftlicher Zusammenschluss von mehr als tausend sizilianischen Geschäften, die sich den Schutzgeldzahlungen der Mafia widersetzen und dies auch im Stil eines Fair-Trade-Labels publik machen. Somit können Verbraucher diese Geschäfte gezielt mit ihrem Einkauf unterstützen. Das Netzwerk koordiniert zudem rund 40 Ehrenamtliche, die regelmäßig Schulen besuchen. Dort sensibilisieren sie Kinder und Jugendliche frühzeitig für die gesellschaftlichen Probleme, die durch das kriminelle Handeln der Mafia entstehen. Die Arbeit von Addiopizzo wirkt in vielen Bereichen der sizilianischen Gesellschaft wie ein Weckruf. Denn das solidarische Prinzip von Addiopizzo macht deutlich: Es gibt Alternativen zu der weit verbreiteten Praxis, mafiöse Strukturen aus Angst vor Gewalttaten zu unterstützen. Über die Vergabe des Preises für die „Ermutigende Initiative“ konnten erstmals Spender entscheiden, die die Arbeit der Stiftung die schwelle unterstützen.

Ebenfalls ausgezeichnet wird die neuseeländische Friedens- und Umweltaktivistin Pauline Tangiora.
Als Angehörige der Maori verbindet sie das Stammeswissen ihrer Ahnen mit der Botschaft, die Erde zu schützen und zu bewahren. Immer wieder ruft sie zu einem Bewusstseinswandel der Menschheit auf, indem sie die ganzheitliche Sicht der Maori auf nationalen und internationalen Konferenzen darlegt. Zugleich macht sie sich hartnäckig für die Rechte indigener Völker stark – mit Erfolg. Im November 2016 hat sich der neuseeländische Staat bei den Maori für Landraub und Zerstörung ihrer Kulturen entschuldigt und ein Abkommen unterzeichnet, das eine Ausgleichszahlung und soziale Unterstützung beinhaltet – 30 Jahre nachdem Pauline Tangiora eine entsprechende Kampagne gestartet hatte. Ein Ereignis mit Symbolcharakter, denn es zeigt: Koloniale Schuld muss nicht stillschweigend unter den Teppich der Geschichte gekehrt werden, wie es in Deutschland lange Zeit im Umgang mit dem Völkermord an den Herero und Nama in Namibia geschehen ist: Verantwortung einzufordern ist eine Chance. Verantwortung zu zeigen ein Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit.

Ein weiterer Preis geht an den kongolesischen Friedensarbeiter und ehrenamtlichen UN-Botschafter Junior Nzita, der sich mit großen Engagement gegen die grausame Praxis stark macht, Kinder in Kriegen kämpfen zu lassen. Er selbst wurde als 12-Jähriger aus einem Internat entführt und war zehn Jahre lang in die gnadenlosen Befehlsstrukturen der Kongolesischen Befreiungsarmee AFDL eingebunden, bevor er 2006 demobilisiert wurde. Trotz schwerer Traumata gelang es ihm, das Abitur nachzuholen und eine Ausbildung zum Sozialarbeiter zu absolvieren. Seine Kriegserfahrungen schildert er in dem Buch „Wenn ich mein Leben als Kindersoldat erzählen könnte“, das mittlerweile in acht Sprachen erschienen ist. Mit dem Erlös unterstützt er die von ihm gegründete Hilfsorganisation „Paix pour l‘Enfance“ („Frieden für die Kindheit“), die sich um ehemalige Kindersoldaten kümmert und ihnen die Möglichkeit gibt, die Schule zu besuchen oder eine landwirtschaftliche Ausbildung zu absolvieren.

Über den Internationalen Bremer Friedenspreis der Stiftung die schwelle:
Mit dem Internationalen Bremer Friedenspreis ehrt die Stiftung die schwelle seit 2003 alle zwei Jahre Menschen und Organisationen, die Vorbild sind im Einsatz für Versöhnung, Menschenrechte, Überwindung von Rassismus, für soziale Gerechtigkeit und nachhaltigen Umgang mit Natur und Umwelt sowie für interkulturelle und interreligiöse Verständigung. Der Preis wird alle zwei Jahre an eine Initiative und zwei Einzelpersonen vergeben. Die drei Auszeichnungen sind gleichrangig und mit jeweils 5000 Euro dotiert. Schirmfrau des Internationalen Bremer Friedenspreises ist Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert, sie hatte das Ehrenamt 2013 von Altbürgermeister Hans Koschnick übernommen.
Weitere Informationen über den Preis, die Gewinner und weitere preiswürdige Personen und Projekte sind unter www.dieschwelle.de/friedenspreis zu finden

Über die Stiftung die schwelle:
Die Bremer Stiftung die schwelle setzt sich seit 1979 mit ihren Partnern für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ein. Sie initiiert und unterstützt Projekte, die gesellschaftliche Veränderungen gewaltfrei gestalten und sich für soziale Gerechtigkeit, die Einhaltung und Verwirklichung von Menschenrechten sowie für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt einsetzen.

Ansprechpartnerin für Rückfragen:
Petra Titze
Geschäftsführerin Stiftung die schwelle
Telefon: 0421 – 30 32 – 577
petra.titze@dieschwelle.de

 

 

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