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Friede durch selektive Wahrnehmung?

Erstellt am 01.03.2018 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 285 mal gelesen und am 05.03.2018 zuletzt geändert.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging laut einer in letzter Zeit öfters zitierter Untersuchungen die Zahl der großen Kriegen als auch die damit verbundenen Todesfälle scheinbar deutlich zurück. Konfliktforscher, argumentierten in der Folge dass diese Rückgänge das Ergebnis einer Reihe globaler Trends seien:

  • Verbesserungen in der menschlichen Entwicklung,
  • mehr wirtschaftliche Integration und
  • bessere Systeme für Friedensinterventionen.

Im Jahr 2015 haben, laut Conor Seyle von oefresearch.org, der Statistiker Nassim Taleb und sein Kollege Pasquale Cirillo die Möglichkeit aufgezeigt, dass dieser Rückgang möglicherweise nicht so aussagekräftig sei, wie viele Forschende und besonders einige populär-wissenschaftliche Darstellungen – wie zum beispiel in a Nutshell (kurz gesagt) vorschnell dachten. Denn es sei zwar wahr, dass die Rate der Kriege im zwanzigsten und frühen einundzwanzigsten Jahrhunderten zurückgegangen sei. Sei es denkbar, dass dies

  1. ein Zufall der Statistiken und
  2. nicht eine Folge echter Veränderungen im internationalen System sei.

Denn, Kriege sind selten und große Kriege sind seltener! Die Welt ab 1945 könnte im zwanzigsten Jahrhundert einfach in einer „Zeitspanne“ liegen die gerade keinen Megakrieg nach sich zog. Die Stadt Catal Hoyük bot ihren bewohnenden laut bislang unwiderlegten Forschungen vor 9000 Jahren scheinbar 1200 Frieden und Gleichheit. Ein Rekord den jüngere Städte bislang nicht im entferntesten erreichten.

Die Taleb-Kritik zeigte eine mögliche alternative Sicht auf die alles wird friedlicher nach 1945 Perspektive. Es gibt aber auch hier einige Einwände gegen die Arbeit von Taleb und Cirillo:

  1. Die Daten, mit denen sie argumentierten, waren laut Conor Seyle nicht sehr überzeugend („unordentlich) und
  2. sie weigerten sich, sie mit anderen Wissenschaftlern zu teilen,
  3. es war also keine unabhängige Replik auf ihre Ergebnisse ermöglich.
  4. Ihre Kritik wies auch die vorgeschlagenen wissenschaftlichen Erklärungen für den Rückgang und die Beweise, die diese Erklärungen unterstützten, zurück.

Die Forschung zu Konflikten lässt sich Grund der hohen Komplexität auch kaum rein statistisch-empirisch sinnvoll bewerkstelligen. Forscher, die argumentieren, dass die Welt aufgrund von wirtschaftlichem Engagement oder Diplomatie friedlicher wird, haben in der Regel gute Gründe, abgesehen von den statistischen Zusammenhängen, die sie zwischen ihren Variablen und „Frieden“ finden oder konstruieren. Dennoch habe die Annahme, dass der Rückgang der Todesfälle ein Artefakt der Statistik sein könnte, eine besorgniserregende Fragen aufgeworfen.

Nach der 2015 ausgelösten Debatte hat OEF Research diese Fragen erneut gründlicher untersucht.  Aaron Clauset, ein Informatiker und international anerkannten Experten für die Statistik komplexer Systeme analysierte den Correlates of War-Datensatz mithilfe modernster statistischer Modellierung komplexer Systeme. Eine Frage war, ob die Daten mit einem zufälligen Risiko eines größeren Krieges konsistenter wären oder ob es Hinweise gibt, dass der Rückgang mit externen Ursachen zusammenhängt. Der von OEF Research auf dieser Basis veröffentlichte Bericht kam zu dem Schluss, dass die Daten von Correlates of War zeigen, dass

  1. das Muster von großen Kriegen mit einem „stationären Konfliktbildungsprozess“ im Einklang steht
  2. Das Risiko, einen riesigen zwischenstaatlichen Krieg zu haben, sei tatsächlich zurückgegangen, und
  3. es sei möglich, dass der Frieden, den wir gesehen haben, das Ergebnis kurzfristiger Trends war oder sogar rein zufällig erklär sein könnte.

Wie würde ein großer Krieg oder gar ein „Weltkrieg“ heute aussehen?

Die Konsequenzen dieser Untersuchung von OEF seien sowohl für die Politik als auch für die Forschung ziemlich ernüchternd.

  1. Niemand wisse wirklich, wie vor dem I. und II. Weltkrieg, wie ein „moderner“ Krieg aussehen würde?
  2. In den Jahren seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es enorme Veränderungen in der Technologie. Die potentielle der Tödlichkeit von Waffen stieg enorm an. Ihre Präzision und die Fähigkeit, Kollateralschäden zu begrenzen ist zwar theoretisch gestiegen. In der Praxis werden in heutigen Kriegen aber mehr Zivilisten getötet als Militärs. Wenn ein großer Krieg zwischen Weltmächten ausbräche, sind die Ergebnisse wohl nur sehr schwer vorhersehbar bis unvorstellbar. Höchstwahrscheinlich wären sie für die beteiligten Nationen und den nicht direkt kriegführenden Rest der Welt verheerend.

Wie Talebs Kritik ist argumentiere die Untersuchung von OEF im Kern ein statistisch und ohne plausible theoretische Argumente. Auch ber der Analyse von Clauset gehe es ausschließlich um die Struktur der Daten und darum, ob die Daten eine messbare Verzerrung von den zugrunde liegenden Trends aufweisen. Die Seltenheit von Kriegen bedeute, dass die Daten ziemlich variabel seien und dass globale Trends in der menschlichen und wirtschaftlichen Entwicklung und gute Regierungsführung einen Rückgang verursacht haben, der in den Daten noch nicht erkennbar sei, weil wir nicht genügend Daten haben, um dies eindeutig zu demonstrieren. Argumente zur Unterstützung von „Frieden“ seien gut entwickelt und verbunden mit klaren Logik- und Theorieketten, die die Existenz eines Rückgangs von Kriegen unterstützen. Es gäbe nun auch neue Nuancen aufgrund von Clausets Analyse. Clauset stellte fest,

dass die Periode nach dem Zweiten Weltkrieg moderatere, aber kleinere und größere Kriege als sonst hatte,…

Dies deute darauf hin, dass globale Systeme oder Druck die Konfliktmuster in irgendeiner Weise beeinflusst habe. Wie jede einzelne Studie könne diese Forschung nicht als einzige Antwort auf die Frage, ob Krieg immer seltener werde, genommen werden. Sie müsse nach den Standards der Wissenschaft gegen die Gesamtheit von Theorien und Forschungen abgewogen werden.

 

Posted in Friedensforschung, Friedenspädagogik

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