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Stellt die Friedensfragen!

99 Jahre Friedensjournalismus in Wien

Erstellt am 29.04.2008 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde mal gelesen und am 29.04.2008 zuletzt geändert.

1908-1909 gründete „Alfred Hermann Fried“ in Wien die Internationale Vereinigung für Friedensjournalismus.

Ebenfalls 1909 analysierte er in einem Vortrag aufgrund des Wettrüstens der Großmächte

Nach einem derartigen II. Weltkrieg sei – so Fried – so viel zerstört und soviel Leid zu erwarten, dass dann

  • eine EU und
  • eine UNO

praktisch kaum vermeidbar zustande kommen müsste.

Ein Friedens-Journalist mit viel Weitblick!

1911 bekam als bislang einziger geborener Wiener den Friedensnobelpreis.

Heute:

  • kennt ihn in „Österreich“ kaum jemand – nicht einmal die meisten emsigen FriedensbewegerInnen.
  • Groß- und Kleinmächte rüsten – unter Federführung der USA – seit 1997 wieder auf Weltkriegsniveau … Die totale Rebarbarisierung des Iran durch Bush & Co gilt heute als höchstwahrscheinlich. Shock and Awe – Reconstruction?

Österreichischer Friedensjournalismus im 21. Jahrhundert

Solange es kriegerische Kommunikation gibt, werden Menschen nach Kommunikation mit friedlichen und nachhaltigen Mitteln suchen. Daher haben sich nach dem II. Weltkrieg wieder einige friedensjournalistische Pflänzchen entwickelt.

Im deutschsprachigen Raum haben

  • kleinere Friedenszeitungen – wie die Graswurzelrevolution – Friedensjournalismus im weitesten Sinne betrieben und reflektiert. Sogar die – von Fried gegründete – „Friedenswarte“ gibt es heute noch. Die Friedenswarte hat aber nach dem Tod von Fried viel an Einfluss verloren.
  • Wichtig für den Friedensjournalismus in deutscher Sprache waren die populärwissenschaftliche Seminare des unermüdlichen norwegischen Friedensarbeiters Johan Galtung.

Südwind Friedenjournalismus-Workshop in Wien

Wie im Südwind Magazin 10 / 2001, in einem Artikel von Irmgard Strach-Kirchner ab Seite 8 im Forum – Menschen & Projekte nachzulesen, organisierte der Südwind einen Workshop zum Thema Friedensjournalismus mit Johan Galtung

Galtung wollte Spielräume für Friedensjournalismus in Österreichs Massenmedien aufzeigen

Denn so Strach-Kirchner: „Journalisten kommen dann, wenn es raucht?, und das sei zu spät“.

  • „Zu spät“- für den Friedensjournalismus zumindest.

Friedensjournalismus?

  • „Wer Konflikt mit Gewalt verwechsle, käme über eine Symptombehandlung nicht hinaus“.
  • Die Aufgabe von JournalistInnen sei es, die Welt transparenter zu machen und damit „Rohmaterial“ für den Frieden zur Verfügung zu stellen.

Dazu gehöre unter anderem:

  • aufzuzeigen, wie viele verschiedene Seiten es bei jedem Konflikt gebe.
    (Von nur zwei Parteien auszugehen, wäre immer falsch!“
  • Insbesondere sollte in der Berichterstattung nicht auf die friedlichen, konstruktiven Stimmen
    vergessen werden
  • Es sollen mögliche Spielräume aufgezeigt werden.

Viele Journalisten hätten

Frauen hält der Altmeister der Friedenscharmeure Johan Galtung für talentierter, was Friedensjournalismus anbelangt.

2002 veröffentlichte die deutsche Friedensforscherin und heutige ZDF-Journalistin Nadine Bilke ihre Diplomarbeit mit dem Titel Friedensjournalismus.

Männer haben in Österreich ab 2002 unter www.friedensnetzwerk.at und ab 2003 unter www.friedensnews.at gezeigt, dass Friedensjournalismus auch für Männer möglich ist.

Versuche, ab 2002 Friedensjournalismus im ORF zu etablieren, habe ich 2004 bis auf weiteres vertagt, denn die Jägermeisterin und Generalintendantin Monika Lindner und ihr Team machten unter den Schwarz-Blauen-Regierungen mächtig Gegenwind für dieses „fade Thema“ so das stromlinienförmige Credo im ORF. In der BRD finden heuer und letztes Jahr zu diesem „Faden Thema“ riesige Versantaltungen im Umfeld der deutschen Welle statt. Heuer sollen rund 1000 ExpertInnen zum Thema Anfang Juni nach Bonn kommen.

Galtung kritisiert am Mainstreamjournalismus

Die gewaltfixierte
Berichterstattung
beispielsweise über Demonstrationen im Umfeld internationaler
Tagungen
.

Derartige Berichte
blendeten die Sichtweisen sowohl der Gewaltlosen als auch der
Regierungen aus. Bekämpft werde von den DemonstrantInnen nicht die
Globalisierung schlechthin, sondern jene „von oben“:

Monetarisierung und
Privatisierung.

In den Protesten ginge es um Solidarität. Die
Regierenden könnte man in diesem Zusammenhang als „SolidaritätsgegnerInnen“ bezeichnen und die Demonstrierenden als „Solidaritätsfreunde“.

Friedensjournalistische Hoffnungen in Wien seit 2001

Galtung legte große friedensjournalistische Hoffnungen auf die
neuen globalen Medien
, die nicht als Sprachrohr für Kapital und
Nationalstaaten
fungieren. Innerhalb der etablierten Medien schlägt er
die Installierung von so genannten „FriedenskorrespondentInnen“ vor.

Mögliche Themen für eine regelmäßge Friedensberichterstattung,

Berichte über

In Österreichs Massenmedien hat Galtung nur 2001 deutliche Spuren hinterlassen:

  • Sein Friedensvorschlag für Nahost aus dem Workshop wurde
    wenige Tage später im Standard, deren
    Außenpolitikchefin Gudrun Harrer an dem Workshop teilgenommen hatte, zitiert.
  • Da er zufällig nach dem 11. 9.01 in Wien war wurde Galtung sogar im ORF Fernsehen interviewt und hatte eine der wenigen Gelegenheiten einem breiten Publikum die Sicht eines Friedens- und Konfliktforschers auf 9/11 darzulegen.

Ein Seminar mit internationalen Fachleuten und praktische Übungen im Friedensjournalismus mit Galtung wurden geplant und sind mit mäßigem Echo verhallt. Einige kleinere Workshops im Friedenszentrum in Schlaining und von friedensnews.at in ganz Österreich und ander Universität in Klagenfurt blieben unterhalb deutlich wahrnehmbarer Schwellenwerte in Bezug auf allgemeine österreichische oder gar international rezipierte Massenmedien. Einen gewissen breitenwirksamen Friedensjournalismus gibt es seit 2004 meines Wissens nach in und um Östereich eigentlich nur bei friedensnews.at.

99 Jahre Friedensjournalismus in Österreich – ein Bilanz

Friedensjournalismus ist heute Österreichs profitorientierten und öffentlichrechtlichen Medien kein etabliertes Ressort. FriedenskorrespondentInnen haben meines Wissens nur Friedensnews.at – beispielsweise Michael Striebel in Bregenz, Vorarlberg.

Die Sommerakademie im Friedenszentrum in Schlaining 2006 zum Thema „Gute Medien Böser Krieg“ hatte zwar den Untertitel „Medien am schmalen Grat zwischen Cheerleadern des Militärs und Friedensjournalismus“ selbst ehemals in der Wolle gefärbten deutschen JournalistInnen wie „Andreas Zumach“ und „Nadine Bilke“, die im Plenum mit Friedens- und KonfliktforscherInnen, Militärs und Qualitätsjournalistinnen sehr unterschiedlicher Kompetenz parlierten, zogen sich unter dem spürbaren und kaum reflektierten Druck der etablierten GatekeeperInnen der Massenmedien auf konsensfähige kuschelige Begriffe wie „Qualitätsjournalismus+“ zurück.

Conclusio

99 Jahre nach Gründung der internationalen „Union de la Presse pour Paix“ ist der
Friedensjournalismus besonders in Österreich vermutlich noch schlechter
etabliert wie vor dem I. Weltkrieg. Das finde ich besorgniserregend. Vielleicht sollte ich den Untertitel von friedensnews.at trendig auf „Qualitätsjournalismus zur Verzögerung der letzten Tage der Menschheit“ ändern?

Empfehlenswerte Links zu Friedensjournalismus:

www.reportingtheworld.org

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