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Stellt die Friedensfragen!

BETRIFFT FRIEDEN Nr. 1/2008

Erstellt am 17.07.2008 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 3035 mal gelesen und am 23.07.2010 zuletzt geändert.

stimmen zur zeit – Bulletin des Österreichischen Friedensrates
Nr. 200 – Juli 08

Der Friedensrat lädt herzlich zu den Veranstaltungen zum Hiroshimatag ein. Wie jedes Jahr sammelt die Hiroshima-Gruppe wieder Grußadressen zur Unterstützung des Anliegens eine atomwaffenfreien Welt.

Aus dem Inhalt dieser Nummer:

  1. Univ.-Prof. Dr. Thomas Schönfeld zum Gedenken
  2. FriedensforscherInnen warnen vor neuem Wettrüsten
  3. Friedenskonferenz in Caracas
  4. Buchtipp: Von kalten Energiestrategien zu heißen Rohstoffkriegen
  5. Franz-Jägerstätter-Gedenktag
  6. Friedensinitiative Donaustadt und weitere Friedenstermine


HIROSHIMA UND NAGASAKI MAHNEN!
FÜR EINE WELT OHNE ATOMWAFFEN!

Mittwoch, 6. August 2008 ab 17.00 Uhr Wien 1, Stephansplatz

Ausstellung zu den Atombombeneinsätzen, Präsentation von Grußbotschaften,
Musik und Ansprachen

20.30 Uhr: Laternenmarsch vom Stephansplatz zum Teich vor der Karlskirche

Der kürzlich veröffentliche Bericht des Friedensforschungsinstitutes Stockholm (SIPRI) zeigte deutlich, dass die Auf rüstung in allen Bereichen weitergeht. Nur mit gesellschaftlichem Einsatz kann die dringend notwendige Rüstungs kontrolle und Abrüstung durchgesetzt werden.

Die Lehre aus Hiroshima und Nagasaki hat traurige Aktualität: Die Warnung von Expertinnen und Experten, die Gefahr eines Atomkrieges sei noch nie so groß gewesen, bedeutet, dass unser Engagement für eine Welt ohne Atomwaffen und ohne Krieg notwendiger denn je ist! Krieg darf im 21. Jahrhundert kein Mittel der Politik sein.

Hiroshima Gruppe Wien, LehrerInnen für Frieden,
Österreichischer Friedensrat, OMEGA – Österr. Sektion der IPPNW,
Christinnen und Christen für die Friedensbewegung, Wiener Friedensbewegung

Informationen und Grußbotschaften: http://www.hiroshima.at
Bei Schlechtwetter wird die Veranstaltung im Dom-Cafe, 1010 Wien, Stephansplatz 3 stattfinden
Am Samstag, 9. August 2008, wird ab ca. 19.00 Uhr mit einer traditionellen Buddhistischen Lichter zeremonie bei der Wiener Friedenspagode der Opfer von Hiroshima und Nagasaki gedacht (Wien 2, Hafenzu fahrtsstraße, Bus 80B).

Friedensglocke in der UNO-City, Freitag, 8. August 2008
15.00 Uhr, Peace Bell, Vienna International Centre, 1220 Wien, Wagramerstrasse 5 (U1 Kaisermühlen VIC) Anmeldung erforderlich bis 4. August bei reno@wvnet.at und Reisepass mitnehmen.

Kerzen für Hiroshima: Bad Tatzmannsdorf, Freitag, 8. August 2008
ab 16.00 Uhr Infostände im Kurpark
17.00 Uhr: Meditationskreis in Stille
19.00 Uhr: Friedensgottesdienst im katholischen Pfarrsaal
20.00 Uhr Kerzenaktion beim Storchenbrunnen am Josef Haydn Platz. Schwimmende Kerzen im Brunnen sollen an jene Menschen erinnern, die nach der atomaren Explosion Abkühlung im Meer gesucht haben.
Benefiz-Lesung, Horn-Improvisationen: Cyprian Leiner
Pax Christi Burgenland, Am Kalvarienberg 4, 7423 Pinkafeld. paxchristibgld@gmx.at

Am Samstag, 9. August 2008 von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr findet in der FußgängerInnenzone vor dem Rathaus in Melk (NÖ) die Hiroshima-Gedenkveranstaltung der Bezirksfriedensinitiative Melk statt.

Aktion der Werkstatt Frieden und Solidarität in Linz, genaue Infos http://www.werkstatt.or.at

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Friedensbewegung trauert um Univ.-Prof. Dr. Thomas Schönfeld,
der sich bis zu seinem Tod unermüdlich für den Frieden engagiert hat.

Liebe Freundinnen, liebe Freunde,

ich habe eine traurige Pflicht zu erfüllen, denn ich muss euch informieren, dass Thomas Schönfeld, langjähriges Mit glied des Vorstands des Österreichischen Friedensrats, am 22. Mai, kurz vor seinem 85. Geburtstag, verstorben ist. Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen, vor allem seiner Frau Mia, seiner Tochter Kitty und seinem Sohn Georg.

Der Österreichische Friedensrat und die Friedensbewegung verlieren mit seinem Tod einen ihrer aktivsten Mitkämpfer. Uner müdlich hat sich Thomas sein Leben lang für Abrüstung, vor allem die Abrüstung aller Kernwaffen, für internatio nale Ver ständigung, für eine internationalistische Herangehensweise an Friedensprobleme eingesetzt. Wir haben von seinem Wis sen und seiner Expertise, aber auch von seinen vielfältigen Kontakten zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft lern in aller Welt profitiert und er ließ uns selbstverständlich an seiner reichen Erfahrung teilhaben. Thomas Tod reißt eine große Lücke in die Reihen der FriedensaktivistInnen – wir werden seine Ermunterungen zu immer neuen Überlegun gen, Aktivitäten und Kampagnen als auch seine Beiträge vom Hiroshimatag bis zu unserer Zeitung Stimmen zur Zeit / Betrifft Frieden schmerzlich vermissen.

Ich denke, im Namen aller Freundinnen und Freunde sprechen zu können, wenn ich verspreche, dass wir im Sinne Thomas uns weiterhin für Frieden, Abrüstung und Entspannung, für internationale Solidarität, einsetzen werden.

Andreas Pecha

Am Hiroshima-Tag 2001 sagte Univ.-Prof. Dr. Schönfeld bei seiner Rede am Stephansplatz:

„Nicht neue Waffen, nicht der Aufbau neuer Militärbündnisse werden den Frieden gewährleisten. Abrüstung und Entmilitari sierung müssen durchgesetzt werden, um die Gefahren neuer kriegerischer Konflikte zu bannen. Statt einem Streben nach Sicherheit durch militärische Überlegenheit sind friedenssichernde Lösungen zu erreichen, mit denen den Interessen aller Völker Rechnung getragen wird. Nie wieder Hiroshima! Für eine Welt frei von Atom waffen, für eine Welt, in der die durch Abrüstung frei werdenden Mittel allen Völkern zugute kommen.“

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Atomwaffen in Europa

Die US-Streitkräfte haben die im deutschen Ramstein gelagerten Atomsprengköpfe abgezogen. Damit werden auf deutschem Boden nur mehr am Luftwaffenstützpunkt Büchel Atomwaffen gelagert. Der Einsatz dieser Nuklearsprengköpfe würde allerdings im Rahmen der nuklearen Teilhabe durch Piloten der deutschen Bundeswehr mit ihren Tornado-Kampfflugzeugen erfolgen. Die spätere planmäßige Um rüstung auf die neuen Eurofighter könnte zu einem weiteren Abzug der Atomwaffen führen, da Eurofighter für diese Rolle nicht vorgesehen sind. Von den fast 100 Stützpunkten und Lager mit Atomwaffenbezug in Europa zur Zeit des Kalten Krieges sind nur mehr wenige in Belgien, Niederlande, Italien und der Türkei in Betrieb.

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Rüstungsausgaben so hoch wie im Kalten Krieg

Die weltweiten Rüstungsausgaben haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, wie das Stockholmer Friedensforschungsinsti tut Sipri berichtete. Im vergangenen Jahr sind die weltweiten Ausga ben um sechs Prozent gestiegen und belaufen sich derzeit auf 858 Milliarden Euro. Die Region mit der höchsten Steigerungsrate ist Osteuropa mit einem Plus von 162 Prozent.

Knapp die Hälfte der globalen Rüstungsausgaben tragen die USA mit 350 Mrd. Euro jährlich. Unter den europäischen Ländern belegt Groß britannien Platz zwei, gefolgt von Frankreich (4.) und Deutschland (6.). Im europäischen Vergleich investieren diese drei Länder jährlich am meisten, jeweils etwa ein Zehntel des US-Budgets (Platz drei China, Platz fünf Japan). Weltweit sollen acht Staaten insgesamt 10.200 gefechtsbereite nukleare Sprengköpfe besitzen. Die globalen Rüstungsausgaben verzeichnen einen enormen Aufwärtstrend, Vereinbarungen über internationale Rüstungskontrolle machen hingegen kaum Fortschritte.

FriedensforscherInnen warnen vor neuem Wettrüsten

Weltweit sind die Militärausgaben von 2001 bis 2006 um 30 Prozent gestiegen. Die führenden Friedensforschungsinstitute Deutschlands haben vor einem neuen Wettrüsten gewarnt. „Die neue Hochrüstung kann bedrohlicher werden als der Kalte Krieg“, sagte Andreas Heinemann-Grüder vom International Center for Conversion. Bei der Vorstellung des Friedensgutachtens 2008 wies der Experte darauf hin, dass fast die Hälfte der globalen Militärausgaben auf die USA entfalle. Die deutsche Regierung wurde aufgefordert, von Washington den Abzug ihrer Atomwaffen von deut schem Boden zu verlangen und so ein symbolisches Zeichen zu setzen.

Von 2001 bis 2006 nahmen die weltweiten Militärsausgaben um rund 30 Prozent zu, 2003 wurde laut dem Friedensgutachten erstmals die „Schallmauer“ von einer Billion Dollar durchbrochen. Es sei eine Spirale in Gang gesetzt worden, die gegenseitiges Misstrauen nähre und deshalb nationale Sicherheitsbestrebungen forciere. Die größten Wachstumsraten bei Militärausgaben verzeichneten zuletzt mit 25 bis 30 Prozent Länder wie Indien, Indonesien, Pakistan und Russland. In Westeuropa wuchsen die Ausgaben um vier Prozent.

Die internationale Rüstungskontrolle sei heute „ein Scherbenhaufen“. Scharf kritisierten die WissenschafterInnen die USA. Die „Kriege gegen den Terrorismus“, besonders im Irak, und der Unilateralismus hätten das Ansehen der UNO und des Völkerrechts schwer geschädigt. Die Situation sei gefährlicher als im Ost-West-Konflikt, weil sich nicht mehr zwei Blöcke gegenüberstünden, die sich gegenseitig neutralisieren. Die Vielzahl an Akteuren mache die Situation unübersichtlicher und gefährlicher. Mit Blick auf die USA sagte Heinemann-Grüder, es sei eine Illusion und ein Irrglaube, durch militärische Aufrüstung asym­metrische Bedrohungen, wie den Terrorismus, bekämpfen zu können.

Präventivschläge bewirken atomare Aufrüstung

Das klassische Abschreckungskonzept der USA sei zudem seit 2002 abgelöst worden von dem Versuch, Staaten schon im Vorfeld von einer Aufrüstung und einer möglichen atomaren Aufrüstung abzuhal ten. Es setze sich zunehmend die Erkenntnis durch, die einzige Chance gegen eine Konfrontation zum Beispiel mit den USA sei eine eigene atomare Aufrüstung. Eine Welt mit 20 Nuklearstaaten sei aber ein Albtraum. Die ForscherInnen forderten unter anderem, dass die deutsche Regierung und die EU sich stärker dem US-Raketenschild in Osteuropa widersetzen, da dieses die amerikanisch-russischen Spannung verschärfe. Ferner sollten Weltraumwaffen verboten wer den, da hierdurch bei der heutigen Satellitentechnik unabsehbare Schäden ausgelöst werden könnten.

Außerdem forderten sie die deutsche Regierung auf, bei der nuklea ren Abrüstung Druck zu machen. Berlin könne über den Abzug ameri kanischer Atomwaffen souverän entscheiden. „Dies hätte einen ge wissen Symbolwert“, sagte Reinhard Mutz vom Institut für Friedens forschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg (IFSH). Wie viele Nuklearwaffen die USA noch in Deutschland haben, sei aber unbekannt. Vermutet werden etwa 20 Bomben und Sprengköpfe.

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„Die Ketten der Ungerechtigkeit sprengen“
Gottesdienst bei Friedensakademie
Der Gottesdienst zum Abschluss der 25. Internationalen Sommeraka de mie des Friedensforschungsinstitutes Schlaining, die zum Thema „Globale Armutsbekämpfung – ein Trojanisches Pferd? Auswege aus der Armutsspirale oder westliche Kriegsstrategien?“ stattfand, stand unter dem Motto „Die Ketten der Ungerechtigkeit sprengen“.

Die Erklärung des Reformierten Weltbundes von Accra „Bekenntnis des Glaubens im Angesicht von wirtschaftlicher Ungerechtigkeit und ökologischer Zerstörung“ wurde vorgestellt.

Der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. Pfarrer Mag. Thomas Hennefeld sagte in seiner Predigt: „Als Christinnen und Chris ten haben wir eine Anwaltschaft für die Armen zu übernehmen.

Dafür sind zwei entgegen gesetzte und sich ergänzende Bewegungen notwendig: Die Ketten der Unterdrückung zu sprengen und gleichzei tig neue Netze der Solidarität und der Geschwisterlichkeit zu knüpfen. Kirchen dürfen keine Berührungsängste haben mit anderen Organisa tio nen der Zivilgesellschaft, sondern sollen vielmehr an einem Strang mit ihnen ziehen; vor allem dort, wo es darum geht, Armut zu be kämpfen, die Macht der Konzerne in die Schranken zu weisen und sich für die Würde des Menschen einzusetzen.

Wenn Kirche ihrem Auftrag, die Frohe Botschaft zu verkündigen, gerecht werden will, dann soll sie sich nicht so sehr für die Bekehrung der Menschen zum Christentum einsetzen, als vielmehr für die Konver sion der Menschen zum Leben, das bedeutet, Freiräume zu schaffen, in denen vor allem die Unterdrückten und Benachteiligten Perspektiven entwickeln können, die ein Leben in Fülle für alle mög lich macht.“

Der Gottesdienst wurde vom Friedensinstitut Schlaining gemeinsam mit der ökumenischen Aktionsgemeinschaft Christinen und Christen für die Friedensbewegung und der Betriebsseelsorge Unteres Traisental gestaltet.

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Impressionen bei der Weltfriedenskonferenz in Caracas

Die Wiener Delegation, bestehend aus Sonja Jamkojian vom Österr. Friedensrat (ÖFR) und der Hiroshimagruppe, Helga Ungar von der Österr. Friedensbewegung und der Hiroshimagruppe hat die Einladung zur Teilnahme an der Weltfriedenskonferenz (WPC) in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, die an den ÖFR ergangen und von dem sie entsendet wurde, wahrgenommen und war in der Woche vom 7. bis 14. April 2008 gemeinsam mit ca. 280 TeilnehmerInnen aus mehr als 100 Ländern in der 6-Millionen-Stadt.

Caracas liegt auf 920 m Seehöhe in einem lang gestreckten, hügeli gen Hochtal des Ávila-Gebirgszuges, ca. 30 km von der Atlantikküste entfernt. Die eher schmucklosen, lieblos in die Höhe gezogenen Stahlbetonhochhäuser in den Ebenen, meist Hotels, Banken oder Bürogebäude, die ohne weiteres 30 Stockwerke und mehr haben, wechseln sich mit den von ärmlichen Häusern und Wellblechbuden schier überquellenden Barrios ab, die sich die Hügelhänge hinauf ziehen. Der Eindruck von Caracas ist der einer sich steil nach oben erhebenden Stadt, die sehr laut ist, vom auch in der Nacht nur wenig nachlassenden Autoverkehr und der fröhlichen Ausgelassenheit der Menschen. Außerdem stinkt die ganze Stadt nach den vielen Auspuff gasen und da auch speziell im Zentrum viel gebaut wird, kommen auch die Ohren auf ihre Kosten.

Das Hotel Alba, ehemals Hilton, in dem alle KonferenzteilnehmerIn nen untergebracht waren, liegt am Rande zu jenen Bezirken von Caracas, deren Plantagen und Haziendas erst in den letzten Jahren durch die immense Vergrößerung der Stadt in diese eingegliedert wurden. Daher gibt es dort sehr große Grünanlagen und einen bota nischen Garten sowie Museen mit schönen Parks.

Direkt vor dem Hotel Alba und mit diesem durch eine Fußgängerbrü cke über die 6-spurige Autostraße verbunden, befindet sich das relativ neu er baute Teatro Careño, benannt nach Teresa Careño, die eine sehr frühreife und begnadete Klavierspielerin und Komponistin war, ähnlich wie bei uns Mozart und ebenso bekannt und beliebt. In die sem Teatro Ca reño wurden Teile der WPC abgehalten und wir konnten uns von der gelungenen Architektur bis hin zu sehr interes santen Details und einem wunderbar gearbeiteten Balserholzmodell 1 : 10 des Teatros überzeu gen.

Abends war das Teatro zusätzlich noch ein besonders kurioser An blick, da alle Kanten durch Lichterketten betont wurden und dadurch die Linienführung des Gebäudes besonders gut zu erkennen war.

Weil jedes Schlechte auch was Gutes hat, haben die Konferenzteil nehme rInnen abends in der Lobby und in der Bar des Hotels viel Kontakt miteinander gehabt, da es sich nirgendwo in Cara cas emp fiehlt, noch nach Einbruch der Dunkelheit deutlich erkennbar als TouristIn, unterwegs zu sein.

In diesem Beisammensein wurden all die Informationen ausgetauscht, die während der offiziellen Reden nicht weitergegeben werden konn ten. Manche Themen, die nicht im engeren Sinn „Friedensfragen“ waren, aber doch in der Art, wie eine Gesellschaft mit Themen um geht, die auch zur Friedensicherung beitragen, wie z. B die der Ge sundheit, der Kindererziehung, die Frauenfragen generell, wurden hier erörtert. Desgleichen hatten hier auch jene eine Stimme, die aus Zeitmangel während der Konferenz nicht mehr zu Wort kamen, oft mals speziell die Delegierten der kleineren Länder. Besonders positiv sind die Vertiefungen der bestehenden Friedensbeziehungen zu sehen und das Entstehen von vielen neuen Freundschaften, die sicher nicht zuletzt auf dem Austausch der jeweils persönlichen Erfahrungen beruhen.

Zwei Beispiele dafür sind John Jeffries aus Irland, der uns regelmäßig wissen lässt, wie die politischen Umstände in Irland sind und uns über die Stimmung und die Arbeit der Iren und Irinnen gegen den EU-Reformvertrag berichtet, sowie Nadia Raveles aus Surinam die sich wiederum über unsere Informationen „about what’s going on in the world“ freut.

Die WPC dauerte von Montagabend bis Sonntagmittag und es war ein dichtes Programm zu absolvieren. Da die WPC zum allergrößten Teil dem Einsatz und der Arbeit von Iraklis Tsavdaridis zu verdanken ist, gebührt ihm unsere Hochachtung und unser Respekt für den wohl organisierten und reibungslosen Ablauf der Konferenz.

Am Montagabend begann die WPC mit einer Veranstaltung im Teatro Municipal im Stadtzentrum von Caracas. Dieses Gebäude ist ein sehr ansprechender neokolonialer runder Kuppelbau, der besonders im Festsaal durch seine hohe, mit Holz ausgekleidete Kuppel auffällt. Nach folkloristischen Darbietungen, zu denen auch ein Kinderchor mit viel Einsatz und Stolz seinen Beitrag leistete, wurden nach einer langen einführenden Rede des Moderators einige verdienstvollen Persönlichkei ten der COSI und des WPC, wie z. B. Iraklis Tsavdaridis, Athanasios Panfilis und Präsident Orlando Fundora Lopez, der zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde, und andere geehrt.

Für alle BesucherInnen waren von der Stadt als Gastgeschenk Papier taschen vorbereitet, die umfassendes Infomaterial über die Regie rungs ziele von Venezuelas Staatspräsident Hugo Chavez enthielten, sowie einem Wandkalender mit Bilder von venezolanischen KünstlerInnen, mehreren Postern der Konferenz von COSI und der Stadt Caracas und eine sehr interessante Ausgabe von Cervantes „Don Quichotte“ auf Englisch. Der Text ist mit vielen Anmerkungen und Fußnoten des Verlegers versehen sowie mit sehr guten Illustrationen. Das Buch ist offensichtlich als Hommage oder auch als etwas gewagte Parallele zu Hugo Chavez gedacht, der in Caracas omnipräsent ist. Wie Don Quichotte sich seine Welt denkt und in dieser seine Abenteuer erlebt, denkt sich auch Chavez seine Welt und setzt sich dafür ein, diese zu schaffen.

Der Präsident hat in den 6 Jahren seiner Amtszeit viel für das Volk von Venezuela erreicht. Das Schulwesen wurde dramatisch verbes sert, die medizinische Versorgung ist vorbildlich, gratis für alle und auch in den Bar rios sind die „MED-STAT“ ausreichend dicht. Die Regierung ist bestrebt, durch neue Wohnbauten die Bevölkerung aus den ungesun den Barrios auszusiedeln oder, sofern dies nicht gleich möglich ist, die hy gienischen Bedingungen durch Wasserleitungen und Kanalisation zu verbessern. An sich wollte eine Gruppe der Kon­ferenzteilnehmerInnen ein kubanisch geleitetes MED-Zentrum in den Bar rios besichtigen, jedoch wurde der ursprüngliche Termin am Don nerstag durch den mehrfach verschobenen und an diesem Tag tat sächlich stattfindenden Besuch Hugo Chavez unmöglich gemacht. Die Zentren hatten nur Personal für den dringendsten Bedarf bereitge stellt, jedoch nicht für Führungen von BesucherInnen, denn alle wollten „Chavez schauen“.

An einem der Konferenztage konnten wir beim Betreten des Saales ein schönes Beispiel für die Verehrung des Präsidenten Chavez erleben. Eine schon ältere Frau aus sichtlich sehr einfachen Verhält nissen sang mit verklärtem Blick und inbrünstig eine lange Hymne – mit häufigen Wiederholungen von „heroic“ – auf Chavez und blieb vom Kameramann, der sie filmte völlig, unbeeindruckt.

Die mittelamerikanischen Länder sind generell stolz auf das von ihnen Er reichte. Das kam sowohl in den offiziellen Reden als auch jenen der LändersprecherInnen und auch in den privaten Gesprächen mit den Vertre tern von Venezuela, Bolivien, Ecuador, Chile etc. immer wieder zum Ausdruck und, wie wir erkennen konnten, zu recht.

Der generelle Inhalt der Reden während der Konferenz war oft sehr ähnlich, mit Ausnahme der Passagen der länderspezifischen Ereignis sen und Tätigkeiten. Trotzdem war die Aufmerksamkeit groß und die Leute blieben im Saal und nahmen großen Anteil an den Berichten.

Im Wesentlichen ging es in den Reden um die aggressive Lateiname rika-Politik der USA zur Destabilisierung Venezuelas, desgleichen Argentiniens und Brasiliens und die dem Imperialismus inne woh nende Logik und dessen Auswirkungen.

Es wird das Recht auf Wasser und Nahrung für alle formuliert und der be triebene Missbrauch damit, da es vielfach leichter ist, Coca Cola wie klares Wasser zu trinken. Ferner wird, speziell von den afrikani schen Delegationen, die Ausbeutung und die daraus resultierende Armut speziell in Afrika angesprochen und vehement deren Ende gefordert. Europa wehrt sich gegen die aufgezwungene Aufrüstung (wenn die USA Krieg führt, soll das nicht zwingend für die NATO-Staaten sein), die ehemaligen Ostblockländer sind vehement gegen die Schaffung von Militärbasen in ihren Ländern. Die größten Gefah ren gehen z. Z. vom Irakkonflikt und von Afghanistan aus, desgleichen von Israels aggressiver Politik.

Es wird gefordert, dass eine UN-Charta endlich verbindlichen Geset zes status erhält und anlässlich von 60 Jahren NATO im Jahr 2009 weltweit gemeinsame Aktionen stattfinden sollen. Die formulierten Hauptziele sind der Widerstand gegen Nuklearwaffen, die Stärkung der Antikriegsbe wegungen, die Verringerung der Militärausgaben, Friedenser ziehung in globalem Ausmaß und dem Entgegenwirken von Europa gegen die Militarisierung der EU.

Die Solidarität der Länder untereinander ist sehr groß, das Palästi nenser problem ist in allen Staaten sehr präsent, auch z.B. in Afgha nistan, jedoch wurde schon auch die Dramatik von Ereignissen in kleinen und kleinsten Ländern angesprochen, die denn doch ein wenig untergingen bis gar nicht behandelt wurden. Curacao liegt vor der Haustüre von Venezuela, trotzdem blieb die Landung von Kriegsschif fen in mehreren Häfen der Insel ohne Kommentar, auch das Kurden prob lem wurde nicht thematisiert (40 Mio. leben geteilt in verschiede­nen Ländern) und dies sehr kritisch zur Kenntnis genom men.

Vom offiziellen Teil wäre noch zu berichten, dass die WPC-Regeln und Statuten diskutiert und geringfügig abgeändert wurden. Es wur den die beabsichtigten Änderungen dem Forum zur Kenntnis ge bracht, die da nach eingebrachten Vorschläge bekannt gegeben und da 75 % der Or ganisationen anwesend waren, nach Diskussion das neue Papier beschlossen.

Außerdem wurde der Präsidentschaft neu vergeben und mit großer Mehrheit wurde zum ersten Mal eine Frau gewählt, Senora Soccoro Gomez aus Brasilien. Sie nahm ihre Wahl mit sichtlicher Freude an und hielt eine flammende Rede, leider auf portugiesisch, das nur wenige verstanden, der Inhalt blieb uns aber nicht verborgen. Wir Österreicherin nen überreichten ihr aus diesem Anlass ein Buch über Wien, das einen weiten Bogen spannt von Architektur zu Musik, von Politik zu Widerstand, vom gestern zum heute, das ihr wirklich gut zu gefallen schien.

Aus Anlass des 6. Jahrestages des Attentates der Opposition auf Hugo Chavez und seinem Konvoi mit AnhängerInnen und Regierungsmit gliedern auf einer Brücke im Zentrum von Caracas gab es am Sams tag eine sehr große Kundgebung ebendort, zu der wir eingeladen waren.

Mit dem Autobus kamen wir bis in unmittelbare Nähe des Versamm lungs ortes, dann war es jedoch eine schöne Strecke zu gehen und es beteiligten sich aus unserem Bus nur 8 Leute am Fuß marsch. Der bereits im Autobus enthusiastisch berichtende Fremdenfüh rer mit seiner jungen Assistentin lotste uns dann durch wirklich erstaunliche Menschenmassen, es war die Rede von insge samt 1 Mio. Menschen. Da er ein Politfunktionär ist, kannte er natürlich viele Leute, denen wir auf der Strecke von einer Bühne zur nächsten und zum Mahnmal auf der Brücke begegneten. Allen wurden wir und alle wurden uns vorge stellt, es wurden viele Fotos gemacht und wir waren alle in sehr guter Laune. In sehr guter Laune und richtig ausge lassen waren auch die KundgebungsteilnehmerInnen. Nahezu alle trugen rote Leibchen, viele auch noch rote Kappen und es wurde viel gelacht und vor allem auf offener Straße zur dröhnend lauten, lateinameri kanischen Musik getanzt, sofern sich auch nur ein kleines Fle ckerl in der Menge auftat, wo das möglich war.

Persönlich hatten wir alle unsere Erfolgserlebnisse: politisch war die Konferenz sehr interessant, auf der menschlichen Ebene wurden Freundschaften geschlossen, das Essen war gut, reichlich und wir genossen das frische exotische Obst und speziell frisch gepressten Zuckerrohrsaft und die aus der Kindheit erinnerten Süßigkeiten.
Helga Ungar

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Österreichische Tschad-Mission verlängert

Im Mai beschloss der Hauptausschuss des Nationalrates eine Verlängerung des Bundesheereinsatzes im Tschad vorläufig bis Ende des Jahres 2008. Mittlerweile wird mit einer weiteren Verlängerung bis Mitte 2009 gerechnet. Den Berichten zu Folge militärisch gut vorbereitet, aber poli tisch nach wie vor umstritten, erfordert die Mission somit weitere Personalrotationen und eine notwen dige, möglicherweise noch offene, Zusatz finanzierung.
Die vielfach kritisierte Zusammenarbeit mit den französischen Einhei ten wird auch im Bereich der Spezialtruppen intensiviert, ist doch der vor Ort stationierte österreichische Kontingentskommandant Assmann kürzlich zum Oberbefehlshaber aller im Einsatzraum einsetzten Sonder kräfte ernannt worden. Deren Einsatzaufgabe fällt weitgehend un ter die militärische Geheimhaltungspflicht.

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BUCHTIPP: Von kalten Energiestrategien
zu heißen Rohstoff kriegen?
Schachspiel der Weltmächte zwischen Präventivkrieg und zukunftsfähi ger Rohstoffpolitik im Zeitalter des globalen Treibhauses
Hg. Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfiktlösung, Stadtschlaining, Projektleiter: Thomas Roithner

312 Seiten, LIT-Verlag, Wien, 2008 ISBN 978-3-7000-0763-0, Euro 9,80 plus Versand; Bestellung ÖSFK, A-1040 Wien, Wiedner Gürtel 10, e-mail roithner@aspr.ac.at oder im Buchhandel.

Dieser Tagungsband der Sommerakademie 2007 geht den Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen am Ende des fossilen Energie zeitalters auf den Grund. Welche militärische Aspekte und Folgen hat die Debatte um die Energiesicherheit in der EU und den USA? Wie ges taltet sich die Ressourcenpolitik Chinas, Russlands und In diens? Ein Zentrum der Analysen sind die Ressourcenkonflikte im Mittleren Osten und Zentralasien. Die Auseinandersetzung um die neue Kolonialisierung Afrikas und die Frage nach einer selbstständigen Energiepolitik Lateiname rikas im „geostrategischen Hinterhof“ von EU und USA spielen eine wichtige Rolle. Abschließend wird die Frage aufgeworfen, wie eine neue Ressourcen- und Energiepolitik die Wirt schafts- und Gesellschaftspolitik verändert.

Die Fragen von Energiesicherheit. von Klimapolitik, alternativer Energie formen, das vielfach kritisierte Aufleben alter Lösungen wie das Forcie ren der Kernkraftnutzung als ‚saubere Energieform‘, die Wasser problematik sind zusätzliche im Band angesprochene Themen.

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Gedenken zum Todestag von Franz Jägerstätter

Am 9. August 1943 wurde der Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter hingerichtet. Heuer gibt es wieder eine Ge denkver anstaltung, die diesmal von Pax Christi Österreich gemeinsam mit Pax Christi München durchgeführt wird. Von 8. auf 9. August organisiert Pax Christi München eine Übernachtungsmöglichkeit in Burghausen.

9. August 2008
10.00 Uhr: Vortrag von Kuno Füssl (Münster) in Burghausen
12.00 Uhr: Gemeinsames Mittagessen in Burghausen

13.00 Uhr: Start des Pilgerweges nach St. Radegund (Gehzeit etwa 2h)

16.00 Uhr: Gedenken zur Todesstunde von Franz Jägerstätter
19.30 Uhr: Gottesdienst mit anschließender Lichterprozession zum Grab von Franz Jägerstätter

Nähere Informationen zum Ablauf des heurigen Jägerstätter Gedenkens:
Reinhilde Spiekermann spiekermann@aon.at und Gerhard Lehrner gerhard.lehrner@dioezese-linz.at

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Friedensinitiative Donaustadt – FI 22

Die Friedensinitiative Donaustadt trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 19 Uhr in der Donaucitykirche (1220 Wien, Donaucitystraße 2; U1 – Kaisermühlen, im August kein Treffen).
Dienstag, 9. September 08: Durchs wilde Kurdistan – Geschichte, Leben und Kampf der Kurdinnen und Kurden, mit einem / einer Vertrete rIn eines kurdischen Vereins

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Termine
Samstag, 30. August bis Sonntag, 31. August 08: Friedenstand beim Volksstimmefest

Freitag, 5. September. – Sonntag, 7. September 08: Friedensstand beim Donauinselfest (Gewerkschaftsinsel)

21. September – Weltfriedenstag – Infos über Veranstaltungen (im September) auf www.friedensbewegung.at.tf

Sonntag, 12. Oktober 08: 14.00 Uhr Treffen der Christinnen und Christen für die Friedensbewegung,
16.00 Uhr Präsident Dr. Gerald Mader, Friedensforschungsinstitut Schlaining (angefragt):
Friedensforschung, Friedensbewegung, Friedenspolitik
Evangelische Pfarrgemeinde HB, 1150 Wien, Schwegler Straße 39 (U3 „Schwegler Straße“)
Infos: www.friedenschristinnen.at.tf

Freitag, 24. bis 26. Oktober 08: 4. Österreichisches Sozialforum in St. Peter/Au, Infos http://www.asf2008.at/

Wir danken herzlich der
Gewerkschaft der Gewerkschaft der Privatangestellten – Druck – Journalismus – Papier (GPA-DJP)
für den Druck der Papierausgabe von Betrifft Frieden!

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FRIEDENSARBEIT KOSTET GELD!!!

Österreichischer Friedensrat / Stimmen zur Zeit:
Jährlicher Mitgliedsbeitrag: Euro 24.- (verminderter Beitrag, jährlich Euro 16.-) Abonnement SZZ: Euro 8.-
Spenden sind willkommen! Konto Nr.: 00263718900, lt. auf Österr. Friedensrat, bei BA-CA, BLZ 12000
IBAN = AT15 1100 0002 6371 8900 BIC = BKAUATWW

IMPRESSUM:

IMedieninhaberIn, HerausgeberIn, VerlegerIn: Verein „Unterstützungsausschuss zur För de rung der Österreichischen Frie dens bewegung“ ZVR 223988557, alle, 1170 Wien, Rosensteingasse 69/6. Ge staltung dieser Ausgabe: Andreas Pecha, Alois Reisen bichler. Druck: Gewerkschaft GPA-DJP, 1034 Wien, Alfred Dallinger-Platz 1. Namentlich gezeichnete Artikel stellen die Meinung der Autorin bzw. des Autors dar.

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz: EigentümerIn: 100 % Verein „Unterstützungsausschuss zur Förderung der Österreichischen Friedensbewegung“. Blattlinie: Die Zeitung ist Organ des oben genannten Vereines. Sie tritt in ihren Artikeln für Frieden, Abrüs tung, Völ kerverständigung und soziale Gerechtigkeit ein. Diese Zeitschrift ist eine Plattform für den Dialog zu aktuellen Fragen der Friedenspolitik.

 

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