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Stellt die Friedensfragen!

Propagandavorwurf an den Friedensjournalismus versus Mobilmachung durch Pseudo-„Friedenspropaganda“

Erstellt am 23.01.2022 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 705 mal gelesen und am 23.01.2022 zuletzt geändert.

Ich Kampf über die Deutungshohheit von Worten und Taten (Zensur, Bücherverbrennung, Liquidierung von Friedensbewegten …) ist der Friedensjournalismus im deutschsprachigen Raum seit 1914 in arger Bedrängnis. Alfred Hermann Frieds Werke wie das Handbuch der Friedensbewegung war den Nazis 1933 12 Jahre nach seinem Tod noch eine Bücherverbrennung wert etc. Welches Gegnerspektrum hat der Friedensjournalismus heute – von der Gelben Presse bis zur Ermordung von „Reportern ohne Grenzen“? Was sind die Abtreibungsmethoden der modernen Inquisition für den Friedensjournalismus.

Alfred H. Fried schreibt 1901 in seinem Buch „Unter der weißen Fahne! Aus der Mappe eines Friedensjournalisten“ in der Einleitung:

„Das Buch soll in erster Linie zeigen, dass eine Friedensjournalistik in ihren Anfängen bereits vorhanden ist, und soll andererseits zur Nacheiferung anregen; es soll das Interesse der Presse wachrufen, so weit dieselbe nicht aus grundsätzlicher Parteimaxime ihr gegenüberzustehen gezwungen ist.“ Das Buch solle das Band zwischen Presse (Medien) und Friedensbewegung etwas enger knüpfen. … „gerade jene Teile der Presse, die der Bewegung schon heute nahestehen, wenn sie diese auch noch nicht offen und nachdrücklichst einzugestehen wagen, zu einem offenen Eintreten zu veranlassen. … Immerhin wird das Buch bezeugen, dass sich neben der allmächtigen, goldumgürteten, bluttriefenden „gelben Presse“ unserer Tage auch die bescheidenen Ansätze einer aufstrebenden und zielbewussten „weißen Presse“ bemerkbar machen„.

Fried war mit seinen „bescheiden Ansätzen“ so erfolgreich, dass er nicht nur als Friedensforscher, sondern auch für seine bis heute herausragende Arbeit als Friedensjournalist 1911 den Nobelpreis erhielt. Wobei er zuvor die Vergabe der Nobelpreise an „Reformpazifisten“ wie Dunant 1903 (Rotes Kreutz) etc. kritisierte, weil das Pflasterpicken nach dem organisierten Wahnsinn eher unter Peace-Wash falle.

Nach 100 Jahren ist Friedensjournalismus in Österreich 2011 wieder eine von den Massenmedien systematisch unbeackerte Brache. Er wird höchstens in Medien der Zivilgesellschaft forsätzliche gepflegt.

Der I. und der II. Weltkrieg haben die Friedensbewegung und den Friedensjournalismus in Österreich schwer getroffen.

  • Antisemiten,
  • Rechtsextreme und
  • Nazis wie Dr. Wichtl oder
  • Paul Heigl, der von NS-Regime eingesetzte Generaldirektor der Nationalbibliothek,

der bereits 1927 unter einem Pseudonym eine Kampfschrift gegen den Pazifismus verfasste, haben so gründlich gearbeitet, dass bis 2011 kein Exemplar der „Grundlagen des revolutionären Pacifismus“ von A. H. Fried in einer öffentlichen Bibliothek Österreichs stand.[1] Ähnliches gilt für die Wiener Wochenschrift „Der Friede“ in der an die 200 Persönlichkeiten vom Rang eines Anton Kuh oder Tucholsky schrieben. Eine Zeitung die von ihrer Reichweite mit dem heutigen Profil vergleichbar war.

1914 musste Fried bekanntlich vor dem österreichischen KuK-Militarismus fliehen. Nach dem Schweizer Exil, wo er als einer der wohl weltweit wichtigsten und einflussreichsten unabhängigen Journalisten bei der Neuen Züricher Zeitung wirkte, kam Fried

1919 auf Einladung des Pazifisten Ludwig Quidde nach München. Er hoffte dort auf eine sinnvolle Betätigung. In München sammelten sich damals in der ersten Phase der Räterepublik Antimilitaristen und idealistisch pazifistisch-anarchistisch orientierte Köpfe mit vielen Ambitionen, aber – im Vergleich zu Gandhi – sehr bescheidener Umsetzungskraft. Fried musste bald abermals fliehen. Diesmal versuchte er es wieder in seiner Wiener Heimat.[2] Fried versuchte sich auch in Wien wieder als Journalist über Wasser zu halten, aber die goldene Zeit des Friedensjournalismus in Österreich vor 1914 hatte der erste Weltkrieg auch in Wien ausradiert. Das Desaster in Wien nach dem I. Weltkrieg, überforderte sogar Fried der bereits zahlreiche Krisen in seinem Leben meisterte. Das kostete ihn

1921 vorzeitig das Leben.

Fried hatte schon lange erkannt, dass Frieden mehr ist als bloßer Waffenstillstand. Der „wesensverschiedene Frieden“, den er anstrebte, war für ihn in weite Ferne gerückt. Den Friedensvertrag von St. Germain kritisierte er ebenso, wie die verkümmerten Ansätze eines Völkerbundes, für den er sich jahrzehntelang eingesetzt hatte. Denn, wer friedensjournalistisch fragt, erkennt rasch, dass latente Wirkungen von Gewalt – wie Traumata, strukturelle und kulturelle Gewalt – überwunden werden müssen, um das zu erreichen, was ich gerne mit dem Begriff Strukturelle/r Frieden und Friedenskultur/en bezeichne.

“Gewaltjournalisten“ in der Matrix von Galtung [3] sind, heute wie damals propagandaorientiert. Sie entlarven immer nur die Unwahrheiten der „anderen“. Sie unterstützen „unsere“ Vertuschungsversuche und Lügen. Sie sehen nur „Schurken“ wie Gaddafi & Co. Den Balken im eigenen Auge sehen sie nicht.

Friedensjournalismus ist das Gegenteil von Propaganda besonders von Kriegspropaganda

Friedensjournalismus strebt möglichst umfassende Wahrheit an. Er ist Slow Food wider den Zeitgeist. Er sucht Lösungen und bewegt sich bewusst jenseits des Dramadreiecks von Opfern, Tätern und Verfolgern. Friedensjournalismus sucht MentorInnen, MacherInnen und inspirierende Persönlichkeiten für Friedensprozesse. Das heißt, er entlarvt Unwahrheiten auf allen Seiten. In Libyen 2011 bedeutet das, neben Menschenrechtsverletzungen der Regierung auch die der so genannten „Rebellen“ und ihrer UnterstützerInnen zu untersuchen. Das heißt, auch auf Seiten von EU, Russlands, der Nato, China etc. nachzuforschen. Friedensjournalismus versucht alle Vertuschungsversuche aufzudecken – beispielsweise auch US-Folter-Gefängnisse in Guantanamo, ökologische Kriegsführung in Jugoslawien und Kriegsverbrechen, die regelmäßig im Rahmen so genannter humanitärer UNO-Militäreinsätze begangen werden und wurden.

Nach Galtung waren und sind Gewalt- und Kriegsjournalisten eliteorientiert. Sie fokussieren nur auf „unser Leid“, das der wehrfähigen Männer, welche die Elite bilden oder zumindest einen überdurchschnittlichen Anteil an der hegemonialen Dividende haben. Diese JournalistInnen sind heute leider in der Regel immer noch mehrheitlich Sprachrohre und Komplizen von hegemonial-patriarchalen Eliten. Sie benennen nur „ihre Übeltäter“, zum Beispiel die Polisario-Söldner, die für Gaddafi auf seine Untertanen schießen. Sie betonen, dass nur die Elite Frieden schließen kann (Obama – Putin – Merkel).

Friedensjournalismus ist im Gegensatz dazu menschenorientiert. Er fokussiert auf jegliches Leiden: das Leid der Frauen, der Alten, der Kinder etc. Er gibt den Stimmlosen eine Stimme. Er benennt alle, zumindest alle, die aus den Perspektiven positiver Friedensentwürfe Unrechtes oder Falsches tun oder erleiden. Friedensjournalismus betont zudem auch Friedenstendenzen in der Bevölkerung.

Kriegsjournalismus ist gemäß Galtung siegorientiert. Die Formel lautet:

Frieden = Sieg + Waffenstillstand. Die Friedensforschung nennt das heute „Negativen Frieden“.

Kriegsjournalismus verschweigt Friedensinitiativen, so lange nicht entschieden ist, wer gewinnt. Für Friedensjournalisten sind Friedenstechniken, Verträge und Institutionen wichtig. Für Alfred  H. Fried waren sie zentral. Kriegsjournalisten träumen von einer perfekt kontrollierten Gesellschaft. Sie wenden sich nach jedem Kriegsende dem nächsten „Konfliktherd“ zu und kehren erst zurück, wenn der kalte Frieden wieder kriegerische Flammen schlägt. Friedliches Elend nach Kriegen gilt als unsexy, als Quotenkiller.

Frieden = personeller, struktureller und kultureller Frieden + Kreativität mit friedlichen Mitteln

Friedenjournalismus ist ressourcen- und lösungsorientiert, und das ist wahrscheinlich sein Kern. Das bedeutet mehr als die bloße institutionalisierte Abwesenheit von struktureller Gewalt, von Kulturen der Gewalt und von direkter personaler Gewalt. Fried sprach von

Revolutionärem oder rationalem Frieden.

Er zeigte  – wie heutige FriedensjournalistInnen – sinnvolle und eher unzweckmäßige Friedensinitiativen auf und führte für letztere den Begriff des Reformpazifismus ein: „Der Reformpacifismus wendet sich gegen den Krieg als Erscheinung; nicht gegen seine Ursachen.“[4]

Alles was der „Reformpacifismus“ anstrebte, sah er nur als Symptombekämpfung, statt einer Heilung der kranken Weltordnung an Haupt und Gliedern. Die Ausweitung eines Krieges zu verhindern oder zu bremsen, war ihm natürlich als Humanist ein Anliegen. Er sah aber auch die Chance, dass reformpazifistisch erwirkte Atempausen die für ihn wesentlichere Arbeit der „Organisation der Welt“ begünstigen können. Wichtig für eine friedliche Revolution waren für Fried Änderungen an Struktur und Kultur für eine friedliche und friedensfähige Gesellschaft. Es war seine große Stärke – und im Vergleich zu Gandhi aber auch eine Schwäche, dass er Strukturen und Kultur so ändern wollte, dass Menschen, auch ohne heiligengleich auf Erden zu wandeln, in Frieden leben können. Die Welt sitzt heute auf einem Rüstungshaufen, der alles übertrifft, was die Menschheit je gesehen hat, und er wächst exponentiell weiter. Daran konnten weder Fried, Gandhi oder Galtung bislang etwas ändern. Die UNO und die EU in ihrer heutigen Verfassung sind bestenfalls Sand im Getriebe einer „Anarchie der Staatengemeinschaft“, die Fried so beklagte.

Friedensjournalismus, also die Frage nach dem positiven Frieden, ist heute kein Luxus, sondern ein Zentralschlüssel zum Überleben der Menschheit.

Friedensjournalismus berichtet auch über die mehr oder weniger gelungenen Nachkriegsphasen; beispielsweise die humanitären Katastrophen im Irak, in Afghanistan, in Somalia, Tschetschenien etc. Aber auch über gelungene nachahmenswerte Konfliktlösungen, Wiederaufbau oder Versöhnungskommissionen, wie in Südafrika.

Nun schließe ich diesen Abschnitt mit einem todernsten Sprachspiel von Ernst Jandl:

Falamaleikum
Falamaleikum –

falamaleitum –

falnamaleutum –

fallnamalsooovielleutum –
Wennabereinmalderkrieglanggenugausist – sindallewiederda. –
oderfehlteiner

 

Mobilmachung durch Friedenspropaganda


Svenja Schäfer verfasste 2013 eine Arbeit mit dem Titel: „Mobilmachung und Friedenspropaganda. Die Außenpolitik Hitlers ab 1933“ (München, GRIN Hausarbeit, 2013) In einer im Netz stehenden Leseprobe finden wir ein:

(Verlinkung von interessanten Textpassagen friedensnews.at)

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die wesentlichen Etappen der NS-Außenpolitik (1933 – 1939)

3. Die propagandistischen Maßnahmen Hitlers und des NS-Regimes
3.1 Die Friedenspropaganda
3.2 Die Mobilmachung für den Krieg

4. Die Reaktionen des Auslands auf die außenpolitischen Ziele Hitlers

5. Die Friedenspropaganda = „Die Pforte zum Zweiten Weltkrieg“?

6. Schluss

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

Hier noch Schäfers erste Abschnitte:

Wobei heute der geistige Krieg zur „geistigen Landesverteidigung“ und die Kriegsministerien zu „Verteidigungsministerien“ mutierten

1. Einleitung

„Vom 30. Januar an eroberte der Nationalsozialismus die Gedanken aller Menschen in diesem Volk. Das kam dem Reich im Kriege zugute. Wie man keine Armee zu Beginn des Krieges aufbauen kann, so kann man auch keine geistige Organisation schaffen, wenn der geistige Krieg bereits begonnen hat.“[1]

Dies verkündete Joseph Goebbels am 5. April 1940 vor Vertretern der deutschen Presse und machte damit den Inhalt der deutschen Propagandapolitik der 1930er Jahre und die damit verbundenen Absichten der nationalsozialistischen Regierung sehr deutlich.[2]

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll beleuchtet werden, welche Maßnahmen Hitler und das NS-Regime ergriffen haben, um das deutsche Volk für den Krieg mobil zu machen und wie sie gleichzeitig den Eindruck absoluter Friedensbefürwortung im Ausland erzeugen konnten. Die zentralen Fragen, die sich hierbei ergeben lauten, ob die Friedenspropaganda beziehungsweise die gute Tarnung der eigentlichen Absichten Hitlers die ausschlaggebende Ursache für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war. Außerdem, ob man davon sprechen kann, dass der Zweite Weltkrieg ein unnötiger Krieg war, weil er durch rechtzeitigeres Handeln des Auslandes, hätte vermieden werden können.

Im Folgenden wird kurz erläutert, was die Worte „Propaganda“ und „Mobilmachung“ überhaupt bedeuten und welche Rolle ihnen im Nationalsozialismus zugekommen ist. Daraufhin werden einige Angaben zu den verwendeten Quellen und dem aktuellen Forschungsstand gegeben.

Im Hauptteil der Arbeit werden zunächst ganz knapp die wichtigsten Etappen der NS-Außenpolitik von 1933 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beschrieben. Danach werden die propagandistischen Maßnahmen Hitlers und des NS-Regimes im Allgemeinen vorgestellt, woraufhin danach explizit auf die Friedenspropaganda sowie auf die Mobilmachung für den Krieg eingegangen wird. Anschließend wird beleuchtet, wie die Reaktionen des Auslands auf die außenpolitischen Maßnahmen des Deutschen Reiches ausgesehen haben, wobei besonders Frankreich und Großbritannien im Mittelpunkt stehen werden.

Danach wird die Frage, ob man die Friedenspropaganda als „Pforte“ für den Zweiten Weltkrieg bezeichnen kann, erörtert.

Im Schlussteil der Arbeit wird dann noch einmal explizit auf die Ursache für den Ausbruch des Krieges eingegangen und die Frage diskutiert, ob der Zweite Weltkrieg tatsächlich ein unnötiger Krieg war, weil er hätte vermieden werden können.

Die Richtlinien der Propaganda, so wie man sie im Nationalsozialismus verstand, hatte Hitler bereits 1925 in „Mein Kampf“ veröffentlicht. Hierbei wurde er jedoch unmittelbar durch die von Friedrich Schönemann 1924 entwickelte Propagandatheorie beeinflusst.[3] Für Schönemann war Propaganda „eine besondere Methode der Massenbeeinflussung“. Er verstand darunter die „Beeinflussung mit möglichst einfachen Mitteln. Je einfacher und praktischer [man] ans Denken herangehe[…], desto besser [sei] es für das Verständnis der Propaganda“. Nach seiner Auffassung steckte im Begriff Propaganda „alles drin vom Überzeugen bis zum bloßen Überreden, […], vom sachlichen, wenn auch geschickten, geschäftsmäßigen Darstellen bis zum bewussten Lügen und Betrügen, […]“.[4] Hitler nutzte den Propagandabegriff Schönemanns, hatte ihn jedoch radikal missbraucht. Für ihn war Propaganda „ausschließlich zu messen an ihrem wirksamen Erfolg“. Er sprach von einer „angepassten Greuelpropaganda, die in ebenso rücksichtsloser wie genialer Art die Vorbedingungen für das moralische Standhalten an der Front sicherte“. „Allein der Kampf um das Dasein des deutschen Volkes sollte die Propaganda bestimmen.[5]

Mobilmachung“ bedeutet im Allgemeinen, dass ein Staat auf einen Krieg vorbereitet werden soll. Im Nationalsozialismus wurden somit Maßnahmen ergriffen, die das deutsche Volk für den Zweiten Weltkrieg vorbereiten sollten. Welche Maßnahmen das waren, wird später noch erläutert.

Der Stand der wissenschaftlichen Forschung zur Außenpolitik ab 1933 ist ausgesprochen gut. Für das Verfassen dieser Hausarbeit waren unter anderem Werke von Jutta Sywottek und Lars Lüdicke besonders hilfreich. Speziell in Bezug auf die Reaktionen der Westmächte auf die Außenpolitik des Deutschen Reichs wurden viele Informationen durch Literatur von Holger Skor und Gustav Schmidt herangezogen. Außerdem haben sich Hitlers „Friedensrede“ sowie seine Rede vor den Spitzen der Reichswehr, beide von 1933, als ausgesprochen nützlich zur Verdeutlichung der gegensätzlichen Maßnahmen, Friedenspropaganda und Mobilmachung für den Krieg, erwiesen.

2. Die wesentlichen Etappen der NS-Außenpolitik (1933 – 1939)

Das Hauptziel der NS-Außenpolitik seit 1933 war die „Vergrößerung des deutschen Lebensraums in Europa“. Es herrschte von Anfang an Kriegspolitik im Sinne einer „kriegerischen Risikopolitik“.[6] In den ersten Jahren wurde jedoch der „Umschwung zum Diktaturstaat und die Wiederwehrhaftmachung im Innern durch Friedensparolen nach außen“ primär verfolgt.[7]

Im Juli 1933 schlossen Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien einen „Viermächtepakt“, welcher das „Dritte Reich“ vor der Welt als eine „verhandlungsbereite und moderate Macht“ präsentierte, die sich – so die Bedingungen des Pakts – dazu verpflichtete, „alle Anstrengungen zu machen, um im Rahmen des Völkerbundes eine Politik wirksamer Zusammenarbeit zwischen allen Mächten zur Erhaltung des Friedens zur Anwendung zu bringen“.[8]

Am 14. Oktober 1933 verkündete Deutschland dann seinen Austritt aus dem Völkerbund sowie den Rückzug von der Abrüstungskonferenz. Dies rechtfertigte Hitler als Reaktion auf die Demütigung und Diskriminierung des Deutschen Reiches.[9]

Am 26. Januar 1934 wurde der deutsch-polnische Nichtangriffspakt unterzeichnet, welcher die friedliche Beilegung aller deutsch-polnischen Differenzen beteuerte. Hitler schaffte mit dem Pakt eine erneute Friedensbeteuerung nach dem Austritt aus dem Völkerbund.[10] Ein Jahr später erreichte Hitler durch den Erfolg bei der Abstimmung über die Rückkehr des Saarlandes zum Deutschen Reich eine triumphale Bestätigung seiner Außenpolitik. Er gab die Abstimmung als „persönlichen Erfolg im Kampf gegen den Versailler Schandvertrag“ aus.[11]

Zur Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie zum Ausbau der Luftwaffe kam es im März 1935.[12] Im Juni desselben Jahres traf Hitlers außenpolitischer Berater Ribbentrop in London ein, um ein deutsch-britisches Flottenabkommen auszuhandeln, wobei er erfolgreich war.[13] Da Italien unter der Führung Mussolinis am 2. Oktober 1935 Äthiopien den Krieg erklärte und damit die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zog, konnte Hitler diese Schwäche des internationalen Systems nutzen. Er ließ am 7. März 1936 die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes besetzen.

Im Spanischen Bürgerkrieg, der von 1936 bis 1939 herrschte, beteiligte sich Deutschland zusammen mit dem faschistischen Italien auf Seiten der Putschisten unter der Führung Francos, wodurch Deutschland zum Bündnispartner Italiens wurde. Mit dem gemeinsamen Engagement Mussolinis und Hitlers im Spanischen Bürgerkrieg kam es zu einer größeren Kooperation zwischen Deutschland und Italien. Es war von einer „Achse Berlin-Rom“ die Rede, „um die sich alle anderen Staaten, die mit dem neuen Machtzentrum zusammenarbeiten wollten, bewegen könnten“.[14]

Desweiteren ernannte Hitler im Oktober 1936 Hermann Göring zum „Beauftragten für den Vierjahresplan“, welcher besagte, dass „die deutsche Armee […] in vier Jahren einsatzfähig sein“ sowie „die deutsche Wirtschaft in […] vier Jahren kriegsfähig sein [müsse]“.[15]

Im Jahr 1938 wurde dann mit dem „Anschluss Österreich“ an das Deutsche Reich und dem Münchner Abkommen, in dem die Abtretung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland beschlossen wurde, der Weg in den Krieg geschaffen. Am 10. Februar 1939 erklärte Hitler in einer Geheimrede vor den Spitzen der Reichswehr rückblickend auf das Vorjahr, dieses habe „mit dem vielleicht größten Erfolg zunächst in unserer neueren Geschichte abgeschlossen“.[16] Desweiteren macht Hitler in der Rede deutlich, dass die seit dem Jahr 1933 verfolgten Pläne verwirklicht worden sind.[17]

Als Hitler dann im März 1939 unter Ausnutzung von Interessengegensätzen zwischen Tschechen und Slowaken und durch Drohung erreichte, dass der slowakische Landtag die staatliche Selbständigkeit der Slowakei erklärte, konnte er die sogenannte „Besetzung der Rest-Tschechei“ erreichen.[18]

Am 1. September 1939 kam es schließlich zum Angriff auf Polen durch das Deutsche Reich und somit zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

3. Die propagandistischen Maßnahmen Hitlers und des NS-Regimes

Nach Hitlers Regierungsübernahme im Januar 1933 herrschte zunächst in aller Welt Beunruhigung und die Befürchtungen der europäischen Nachbarn, „Hitler werde die internationalen Verträge zerreißen, Deutschland aufrüsten und Österreich an das Deutsche Reich anschließen“.[19] Es war also für die Regierung Hitlers ausgesprochen wichtig, dass er in der „ersten kritischen Phase der Außenpolitik die tatsächlichen Ziele verschleier[te]“.[20] Der Eindruck, dass es überhaupt keine „spezifische nationalsozialistische Außenpolitik“, sondern nur die „Fortsetzung der herkömmlichen Weimarer Revisionspolitik“ gab, sollte erzeugt werden.[21] Aus diesem Grund, nämlich die Kontinuität der Außenpolitik zu demonstrieren, gab es nach dem Regierungswechsel nur geringste Veränderungen im Auswärtigen Amt.[22]

Die dauerhaft wiederkehrenden Friedensbeteuerungen Hitlers brachten ihm jedoch teilweise starkes Befremden bei alten Nationalsozialisten sowie im „Lager der bürgerlichen Rechten“. Dieses innenpolitische Risiko erachtete er allerdings als gering im Vergleich zu dem erhofften außenpolitischen Effekt, den die Verschleierungspolitik erbringen sollte. Dies war nämlich „die Verhinderung militärischer Interventionen der europäischen Nachbarn gegen […] Deutschland.[23]

Die wahren außenpolitischen Vorstellungen hatte Hitler nach der Machtübernahme erstmals am 3. Februar 1933 in einer Rede vor den Spitzen der Reichswehr genannt. Er wollte die „Eroberung neuen Lebensraums im Osten“ und „rücksichtslose Germanisierung“, was so viel wie Verbreitung eines germanischen Volks und seiner Kultur und Verdrängung beziehungsweise Ausrottung anderer Kulturen bedeutete. Außerdem sei eine „vollständige innenpolitische Umgestaltung Deutschlands mit dem Ziel einer Ausrottung des Marxismus und einer Stärkung des Wehrwillens“ absolut erforderlich.[24] Hitler hatte bereits in der Rede die „erste Phase der Realisierung, die Zeit des Aufbaus der Wehrmacht“, als äußerst gefährlich bezeichnet.[25] Es stellte sich für die Propagandaführung eine „dreifache, in sich widersprüchliche Aufgabe, nämlich erstens „die Erzeugung des Eindrucks absoluter Friedensliebe des neuen Regimes im Ausland“, zweitens die „Tarnung der Aufrüstungsmaßnahmen“ und drittens die „Weckung und Steigerung des Wehrwillens in der Bevölkerung“.[26]

[…]


[1] Sywottek, Jutta, Mobilmachung für den totalen Krieg. Die propagandistische Vorbereitung der deutschen Bevölkerung auf den Zweiten Weltkrieg, Opladen 1976, S. 23.

[2] Ebd.

[3] Dipper, Christof, Schieder Wolfgang, Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch sozialen Sprache in Deutschland, Stuttgart 1984, S. 108-111.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Wendt, Bernd-Jürgen, Großdeutschland. Außenpolitik und Kriegsvorbereitung des Hitler-Regimes, München 1987, S. 7.

[7] Ebd.

[8] Lüdicke, Lars, Griff nach der Weltherrschaft. Die Außenpolitik des Dritten Reiches 1933-1945, Berlin 2009, S. 37.

[9] Ebd., S. 43.

[10] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[11] Ebd.

[12] Lüdicke, Lars, Griff nach der Weltherrschaft, Berlin 2009, S. 60-61.

[13] Ebd., S. 64.

[14] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[15] Lüdicke, Lars, Griff nach der Weltherrschaft, Berlin 2009, S. 85.

[16] Wendt, Bernd-Jürgen, Großdeutschland, München 1987, S. 134.

[17] Ebd.

[18] Lüdicke, Lars, Griff nach der Weltherrschaft, Berlin 2009, S. 103.

[19] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[20] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[21] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[22] Sywottek, Jutta, Mobilmachung für den totalen Krieg, Opladen 1976, S. 49.

[23] Ebd.

[24] Thamer, Hans-Ulrich, Der Weg in den Krieg, in: http://www.bpb.de/geschichte/nationalsozialismus/dossier-nationalsozialismus/39576/weg-in-den-krieg?p=all, 06.04.2005, (28.07.13).

[25] Sywottek, Jutta, Mobilmachung für den totalen Krieg, Opladen 1976, S. 49.

[26] Ebd., S. 50Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

DetailsTitelMobilmachung und Friedenspropaganda. Die Außenpolitik Hitlers ab 1933HochschuleJohann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am MainNote2,0AutorSvenja Schäfer (Autor:in)Jahr2013Seiten18KatalognummerV320483ISBN (eBook)9783668196391ISBN (Buch)9783668196407Dateigröße879 KBSpracheDeutschSchlagworteNS-Regime, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Außenpolitik, Mobilmachung, Deutsches Reich, außenpolitischen MaßnahmenArbeit zitierenVerlag, https://www.grin.com/document/320483

 

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