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Keine Sicherheit ohne 0-Militär

Erstellt am 24.11.2025 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 441 mal gelesen und am 25.11.2025 zuletzt geändert.

Brendan Mackey Direktor des Climate Action Beacon an der Griffith University, Australien:

„Die COP30 kann das 1,5-Grad-Ziel nicht erreichen, solange militärische Emissionen nicht berücksichtigt werden.“

Das Militär ist einer der größten Verursacher von Umweltverschmutzung weltweit, bleibt aber seit Jahrzehnten von der Klimaberichterstattung ausgenommen. Dadurch entsteht ein tödlicher blinder Fleck, der den gesamten Fahrplan der seit Rio alle Klimakonferenzen gefährdet und auch COP30 wieder zur Farce werden ließ. Die Natur wird wohl letztlich auch die Klima-Versager in Politik und Militär weltweit gewaltig Strafen.

Brendan vereröffentlichte am 20. November 2025 einen Beitrag auf Al Jazeera: „Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten sind die des Autors und spiegeln nicht unbedingt die redaktionelle Linie von Al Jazeera wider.“ Trotzdem mutig von Al Jazeera.

„Während die COP30-Verhandlungen in Belém in die entscheidende Phase gehen, besteht die Hoffnung, dass sich die Länder endlich auf einen Fahrplan zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen einigen könnten – ein Durchbruch, der unerlässlich ist, wenn wir das 1,5-Grad-Ziel ernsthaft erreichen wollen . Doch selbst in diesem entscheidenden Moment fehlt in diesem Fahrplan noch ein wichtiger Aspekt, der die in Brasilien erzielten Fortschritte gefährden könnte: die CO₂-Emissionen des Militärs.

Im Rahmen des Pariser Abkommens sind Regierungen nicht verpflichtet, die Emissionen ihrer Streitkräfte zu melden, und die meisten tun dies auch nicht.

Jüngste Analysen des Projekts „Military Emissions Gap“ 

Sie zeigen, dass die wenigen vorhandenen Daten lückenhaft, widersprüchlich sind oder gänzlich fehlen. Diese „Militär-Emissionslücke“ bezeichnet die Diskrepanz zwischen den von Regierungen offengelegten Daten und dem tatsächlichen Ausmaß der militärischen Umweltverschmutzung. Die Folge ist gravierend: Das Militär bleibt in den Verhandlungen von Belém weitgehend unsichtbar, wodurch ein gefährlicher blinder Fleck im globalen Klimaschutz entsteht.

Alle Waffen sind CO2-Massenvernichtungswaffen

Das Ausmaß dieser Lücke ist erschreckend.

  • Schätzungsweise werden derzeit mindestens 5,5 Prozent der globalen Emissionen werden von stehenden Heeren verursacht. „Dieser Anteil wird weiter steigen, da die Verteidigungsausgaben explodieren, während der Rest der Gesellschaft seine CO₂-Emissionen reduziert.“
  • Wäre das Militär ein Land, stünde es an fünfter Stelle der größten Emittenten weltweit, noch vor Russland mit 5 Prozent.

Doch nur fünf Länder befolgen die freiwilligen Berichtsrichtlinien des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) für militärische Emissionen, und diese beziehen sich lediglich auf den Treibstoffverbrauch.

Die Realität ist weitaus komplexer:

+ Munitionsproduktion und -entsorgung
+ Abfallmanagement sowie

+ diffuse Emissionen aus Kühl-, Klima-, Radar- und Elektrogeräten

werden nicht berücksichtigt.

+ Operationen in internationalen Gewässern und im internationalen Luftraum werden überhaupt nicht erfasst, wodurch massive Lücken in der Klimaverantwortung und im Klimaschutz entstehen.

+ Klimafolgen bewaffneter Konflikte

Die Lücke bei den militärischen Emissionen vergrößert sich noch weiter, wenn wir die Klimafolgen bewaffneter Konflikte berücksichtigen. Als wären das Grauen und das menschliche Leid durch Kriege nicht schon genug, zerstören Kriege auch Ökosysteme, hinterlassen jahrzehntelang toxische Altlasten und verursachen erhebliche CO₂-Emissionen, unter anderem durch den Wiederaufbau nach der Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur. Doch ohne einen international vereinbarten Rahmen zur Messung von Konfliktemissionen besteht die Gefahr, dass die meisten zusätzlichen Emissionen unentdeckt bleiben. Das bedeutet, dass wir nur groß schätzen können, wie sehr Kriege den Klimaschutz behindern.

Forderung nach Rechenschaftspflicht der Militärs gewinnt endlich an Dynamik

Trotz dieser Schwierigkeiten gewinnt die Forderung nach Rechenschaftspflicht endlich an Dynamik. Fast 100 Organisationen haben die Verpflichtungen der Initiative „War on Climate“ im Vorfeld der COP30 unterzeichnet, und Demonstranten und zivilgesellschaftliche Gruppen in Belém fordern vom UNFCCC, diese lange ignorierte Verschmutzungsquelle anzugehen. Auch die Politik beginnt umzudenken.

Die Europäische Union hat Schritte hin zu mehr Transparenz bei der Berichterstattung und zur Dekarbonisierung des Verteidigungssektors unternommen, doch dieser Fortschritt ist nun durch die rasche Aufrüstung bedroht. Zusammen mit dem neuen NATO-Ziel, dass die Mitglieder 5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für das Militär ausgeben sollen, könnten diese Verpflichtungen jährlich bis zu 200 Millionen Tonnen CO₂ freisetzen und Klimaschäden in Höhe von bis zu 298 Milliarden US-Dollar verursachen, wodurch Europas eigene Klimaziele gefährdet sind.

Das Völkerrecht unterstreicht die Dringlichkeit und die Forderung nach Rechenschaftspflicht. „Das jüngste wegweisende Gutachten des Internationalen Gerichtshofs erinnerte die Staaten daran, dass sie gemäß Klimaabkommen verpflichtet sind, Schäden, einschließlich solcher, die durch bewaffnete Konflikte und militärische Aktivitäten verursacht werden, zu bewerten, darüber zu berichten und sie zu mindern.“

Das derzeitige Ignorieren dieser Emissionen führt nicht nur zu einer Unterbewertung der globalen Erwärmung, sondern verschleiert auch das Ausmaß der Krise und schwächt die Fähigkeit der Weltgemeinschaft, deren Ursachen zu bekämpfen.

Die Kluft zwischen den aktuellen Emissionsreduktionsplänen und dem, was nötig ist, um die Erderwärmung unter dem 1,5-Grad-Ziel zu halten, ist weiterhin katastrophal. Die Verhandlungsführer der COP30 haben sich nicht einmal auf den Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen geeinigt. Kleine Fortschritte sind höchstens symbolisch und minimal. Natürlich bleiben die Militärs der Welt weiterhin eine kollektive Massenvernichtungs- und globale Unsicherheitsproduktionsherde.

Brendan:

„Die verpflichtende Meldung sämtlicher militärischer Emissionen an das UNFCCC – von Kampf- und Ausbildungsaktivitäten bis hin zu den langfristigen Klimaschäden, die Gemeinschaften zugefügt werden – ist unerlässlich. Diese Daten müssen die Grundlage für dringende, wissenschaftlich fundierte Reduktionsmaßnahmen bilden, die in nationale Klimapläne integriert werden und mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar sind.

Sicherheit darf nicht auf Kosten des Klimas gehen. Die Bekämpfung des Klimawandels ist heute unerlässlich für unsere gemeinsame Sicherheit und das Überleben unseres Planeten.“


  • Brendan MackeyDirektor des Climate Action Beacon an der Griffith University, AustralienProfessor Mackey ist Direktor des Climate Action Beacon an der Griffith University in Queensland, Australien. Er hat über 300 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, unter anderem in verwandten Bereichen der Klimawissenschaft und -politik. Er ist Mitherausgeber des IPCC-Berichts AR7. Das Climate Action Beacon der Griffith University fördert Wissen, Führungskompetenz, Kapazitäten und Maßnahmen, um durch interdisziplinäre Forschung und Partnerschaften, die den Wandel in der Praxis vorantreiben und Klimainitiativen unterstützen, einen effektiven und gerechten Klimaschutz zu gewährleisten.

Links

https://www.klaus-moegling.de/aktuelle-auflage-neuordnung

https://www.aljazeera.com/opinions/2025/11/20/cop30-cannot-meet-the-1-5c-goal-while-military-emissions-stay-uncounted

 

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