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Arktis im Visier der skrupellosen Imperien

Erstellt am 12.02.2026 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 11 mal gelesen und am 13.02.2026 zuletzt geändert.

Die Aufrüstung der NATO und der SOZ im Eis beschleunigt die Klimakrise.
Wir dürfen unseren Selbstmord auf Raten nicht hinnehmen!

Die Arktis ist kein leerer Raum auf der Landkarte. Sie ist ein Kühlsystem der Erde. Wenn dort mehr Militär bewegt wird, mehr Treibstoff verbrannt wird, mehr Infrastruktur gebaut wird, dann ist das nicht nur Geopolitik. Es ist auch Klima. Und weil die Arktis sich schneller erwärmt als der Rest der Welt, wirken zusätzliche Emissionen und Ruß dort wie ein Brandbeschleuniger.

Seit Anfang Februar 2026 koordiniert die NATO unter dem Namen „Arctic Sentry“ verstärkt Aktivitäten im hohen Norden.

„Offiziell“ geht es vorgeblich um Sicherheit, Abschreckung und Koordination, auch vor dem Hintergrund russischer und chinesischer Interessen in einer Region, die durch schmelzendes Eis zugänglicher wird. 

Das Problem: Militärische Logik und Klimaphysik passen schlecht zusammen. Wer im arktischen Raum aufrüstet, heizt eine der empfindlichsten Zonen des Planeten zusätzlich an. Das ist keine moralische Behauptung, sondern eine nüchterne Folgenabschätzung.

Wie Aufrüstung in der Arktis den Klimawandel schneller macht

  1. Mehr Treibstoff, mehr direkte Treibhausgas-Emissionen – Arktische Einsätze sind energieintensiv: Flugzeuge, Schiffe, Transport, Heizung und Strom für Stützpunkte, dazu die Versorgungsketten. Selbst wenn einzelne Staaten Effizienzprogramme starten: Mehr Aktivität bedeutet in der Praxis fast immer mehr Verbrauch. Dass Militär weltweit einen spürbaren Emissionsanteil hat, zeigen Schätzungen von Fachorganisationen, die die militärische Klimabilanz auf etwa 5,5 Prozent der globalen Emissionen beziffern, bei gleichzeitig großen Datenlücken. 
  2. Ruß auf Schnee und Eis: kleine Partikel, große Wirkung Besonders kritisch in der Arktis ist Ruß (Black Carbon). Er entsteht vor allem bei Dieselverbrennung, etwa bei Schiffen, Generatoren und schweren Maschinen. Ruß lagert sich auf Schnee und Eis ab, macht die Oberfläche dunkler, senkt die Rückstrahlung und beschleunigt das Schmelzen. Dieser Effekt ist seit Jahren gut dokumentiert, inklusive arktisspezifischer Verstärkung. 
  3. Infrastruktur sperrt uns in fossile Pfade ein – Mehr militärische Präsenz heißt oft: mehr Häfen, Pisten, Depots, Straßen, Radar- und Kommunikationsanlagen. Das verursacht Bauemissionen und schafft Dauerbedarf an Versorgung, meist weiterhin fossil, weil in Kälte und Abgeschiedenheit die Umstellung schwerer ist. Das ist der klassische Lock-in: Einmal gebaut, läuft es Jahrzehnte.
  4. Das Signal an die WirtschaftDie hochsensible Arktis wird „nutzbar gemacht“ und „abgesichert“: Mit dem schmelzenden Eis wachsen Interessen an Schifffahrtsrouten, Rohstoffen und Unterwasser-Infrastruktur. Wenn Staaten die Region stärker militärisch rahmen, kann das indirekt Investitionen erleichtern, weil Risiken politisch und praktisch abgesenkt werden. Selbst wenn das nicht die erklärte Absicht ist, ist es ein realistischer Systemeffekt.
  5. VerdrängungGeld, Industrie und Aufmerksamkeit gehen in Rüstung statt Klimaschutz Klimaschutz ist nicht nur Technik, sondern Priorität für das Überleben der nächsten Generationen. Jede große zusätzliche militärische Beschaffungs- und Übungswelle bindet aber Budget, Personal und industrielle Kapazität. Das fehlt beim nachhaltigen Netzausbau, bei der Gebäudesanierung, dem öffentlichem Verkehr, Speichern, Anpassungen an Extremwetter, etc.

Warum das ausgerechnet jetzt gefährlich ist?

Die NATO begründet „Arctic Sentry“ auch damit, dass die Arktis durch den Klimawandel zugänglicher wird und daher strategisch wichtiger. 

Das ist die bittere Ironie: Eine Krise öffnet Räume, und statt sie zu schützen, wird sie zum Spielfeld weiterer Machtpolitik. Damit riskieren wir eine Rückkopplungsschleife: Erwärmung macht die Arktis zugänglich, Zugänglichkeit triggert Aufrüstung und mehr Verkehr, das erhöht Emissionen und Ruß, das beschleunigt die Erwärmung weiter.

Widerstand heißt hier: demokratisch, gewaltfrei, wirksam

„Widerstand“ sollte aber nicht mehr Krawall bedeuten. In einer Demokratie ist friedlicher Widerstand vor allem Weg und Ziel: das heißt mit friedlichen Mitteln Öffentlichkeit herstellen, Entscheidungen erzwingen, Budgets umlenken, Regeln ändern, friedensbringende Organisationen schaffen, … Konkret:

  1. Militärische Emissionen und Ruß müssen Pflichtdaten werden Fordere von Regierung und Parlament: vollständige, jährliche Veröffentlichung militärischer Emissionen, inklusive Übungen, Logistik und Beschaffung. Ohne Zahlen gibt es keine Steuerung.
  2. Arktis-Standard – Null-Ruß als Mindestziel Für alle arktischen Aktivitäten: strengste Grenzwerte für allen Ruß im „ewigen Eis“, Umstieg auf sauberere Kraftstoffe, Partikelfilter, Landstrom im Hafen, und klare Reduktionspfade. Ruß ist in der Arktis ein Hebel mit schneller Wirkung. 
  3. Keine neuen fossilen Lock-ins unter dem Etikett „Sicherheit“: Jede neue Infrastruktur im hohen Norden muss eine Klimaprüfung bestehen: Wie viel Emissionen verursacht sie über 20 Jahre, und welche Alternativen gibt es? Wenn die Antwort ausweicht, ist das ein Warnsignal.
  4. Klima als Sicherheitskern, nicht als Nebenfach Sicherheitspolitik, die das Klima destabilisiert – denn das ist Selbstwiderspruch.
  5. Druck auf Parteien und Medien: Jede Debatte über Arktis-Sicherheit muss die Klimafolgen als Hauptpunkt behandeln, nicht als Fußnote.
  6. Öffentlichkeit organisieren: Schreibe Abgeordneten; Stelle Fragen bei Veranstaltungen; Verlange von Qualitätsmedien, dass sie bei Arktis-Berichten immer auch Emissionen, Ruß und Infrastrukturfolgen mitrecherchieren; Unterstütze Personen und Organisationen, die militärische Emissionen transparent machen und Black-Carbon-Regeln vorantreiben.

Das Entscheidende: Die Arktis ist kein Schachbrett. Sie ist unser wichtigstes Thermostat. Wer dort aufrüstet, spielt nicht nur mit Grenzen, sondern mit dem Stabilitätsraum unseres Planeten. Wenn Politik „Sicherheit“ sagt, aber das Klima schneller kippt, dann ist das keine Sicherheit. Dann ist es ein teurer Umweg Richtung Kontrollverlust.

Quellenhinweise (Auswahl)

  • Reuters und AP zu „Arctic Sentry“, Februar 2026. 
  • CEOBS und Scientists for Global Responsibility: Schätzung globaler militärischer Emissionen (ca. 5,5 Prozent) + Datenlücken. 
  • Forschung zu Ruß auf Schnee und Eis und arktischer Temperaturwirkung pro Emissionsmenge. 
  • Berichte zur besonderen Bedeutung von Black Carbon in der Arktis. 
 

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