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Sicherheitskonferenz – Teil2: MSC 2026: Was „Kriegsfähigkeit“ bringt und was gegen Hochwasser, Hitze, Brände wirklich fehlt

Erstellt am 16.02.2026 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 5 mal gelesen und am 19.02.2026 zuletzt geändert.

Titel die auch passen würden:

    1. Münchner Sicherheitskonferenz 2026 Bilanz: Klimasicherheit bleibt Nebenthema und das rächt sich
    2. Münchner Sicherheitskonferenz 2026 Ergebnisse: Zuviel Militärlogik, zu wenig Klimasicherheit, hoher Preis
    3. MSC 2026 Abschluss: Europa sucht Stärke, aber ohne Klimasicherheit ist das Strategie ohne Fundament
    4. Sicherheitskonferenz München 2026: Warum die Klimarechnung weiter fehlt und was das für uns bedeutet
    5. MSC 2026: Transatlantik wackelt, Ukraine drängt, Klima rutscht durch und genau das ist das Problem
    6. Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Viel „Sicherheit“, wenig Resilienz, die Risiken steigen trotzdem
    7. MSC 2026 Bilanz: Was gesagt wurde, was beschlossen wurde und was beim Klima offen bleibt
    8. Sicherheitspolitik 2026: Was München zeigte und warum Klimasicherheit jetzt der Realismus-Test ist
    9. MSC 2026 Bilanz: Viel „Kriegsfähigkeit“, wenig Klimasicherheit und genau das ist der Realismus-Fehler

    Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 ist vorbei, und die großen Linien sind klar: Europa will mehr Handlungsfähigkeit, die transatlantische Beziehung wirkt nervöser, und die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten dominieren.

    Neu ist: Der Ton Richtung „Europa muss es selbst können“ wurde deutlich härter.

    Alt ist: Klimasicherheit blieb in der öffentlichen Hauptdebatte eher Randnotiz, obwohl Extremwetter und Versorgungsschocks längst reale Sicherheitsereignisse sind. Während in Europa Starkregen und Überschwemmungen Menschen evakuieren und Infrastruktur beschädigen, diskutiert die Sicherheitselite weiter primär in militärischen Kategorien. Dieser Text zieht eine Bilanz, was in München politisch greifbar war, was fehlte und was Österreich daraus ableiten kann.

    Klimasicherheit ist heute der Realismus-Test jeder Sicherheitspolitik: Wenn Konferenzen mehr Aufrüstung planen, aber Resilienz und Klimarisiken nicht messbar senken, produzieren sie Unsicherheit mit Ansage. 

    Was stattdessen bei der MSC 2026 wirklich im Zentrum stand

    1. Europa und das „Selbst-können“
      Mehrere Beiträge kreisten um die Frage, wie Europa im Ernstfall eigenständiger handeln kann. Das zeigte sich besonders dort, wo europäische Spitzen explizit auf bestehende Beistandslogik verwiesen (gegenseitige Hilfe im Angriffsfall) und daraus politische Verpflichtung ableiteten. 
    2. Transatlantik: weniger Gewissheiten, mehr Misstrauen Die Konferenz endete mit sichtbar gewachsenen Zweifeln am verlässlichen „Automatismus“ der Partnerschaft. Das war nicht nur ein Medienthema, sondern wurde auch in Schlusskommentaren als zentrales Signal markiert. 
    3. Ukraine: viel Existenzfrage, wenig neue Mechanik Die Ukraine blieb ein Hauptthema, aber die Konferenz produzierte keine klare „neue Schiene“, wie ein Kriegsende konkret politisch abgesichert werden könnte. Das ist nicht überraschend, weil die MSC keine Verhandlungsplattform mit Beschlussmacht ist, aber es ist die Lücke, die hängen bleibt. 

    Was auffällig fehlte bei der MSC: Klimasicherheit als harte Leitgröße

    Klimarisiken waren zwar im Umfeld präsent, aber nicht als zentrale Rechenaufgabe der Sicherheitsplanung. Genau diese Kritik kommt aus der Fachdebatte: Klima sei zwar „im Programm“, aber im Konferenz-Narrativ kaum sichtbar. Das ist gefährlich, weil Klimaeffekte heute nicht „Umwelt“ sind, sondern Treiber von Krisenketten: Schäden, Preis-Schocks, Migration, Konflikte um knappe Ressourcen, politische Destabilisierung. 

    Der Realitätsabgleich ist brutal einfach: Im Februar 2026 mussten in Portugal rund 3.000 Menschen wegen Hochwasser und drohender weiterer Schäden evakuiert werden, inklusive massiver Infrastrukturprobleme. Gleichzeitig meldeten große Regionen der Südhalbkugel ungewöhnliche Hitze und schwere Brände. Das sind keine Fußnoten zur Sicherheit, das ist Sicherheitslage. 

    Drei überprüfbare Bilanzpunkte

    1. Daten: Wo ist die Klimabilanz der „Sicherheits“-Politik? Wenn Militär, Übungen, Logistik und Beschaffung nicht vollständig und regelmäßig als Emissionen und Energiebedarf sichtbar gemacht werden, bleibt „Klimasicherheit“ Rhetorik. Genau diese Transparenzlücke ist seit Jahren ein Kernproblem der Debatte.
    2. Budget: Verschiebt sich Geld Richtung Risikosenkung oder Richtung Symbolik? Mehr Verteidigungsausgaben können aus geopolitischer Sicht begründbar sein. Aber ohne feste, messbare Resilienz-Quoten (Hitzeschutz, Hochwasserschutz, Netze, Katastrophenschutz, Gesundheitsvorsorge) wird „Sicherheit“ einseitig. Dann steigen Risiken trotz höherer Ausgaben.
    3. Infrastruktur: Vermeiden wir fossile Festlegungen oder bauen wir sie ein? Sicherheitspolitik, die neue fossile Pfade schafft (direkt oder indirekt), erhöht systemische Risiken. Das gilt für Energie, Transport und Industriepolitik gleichermaßen.

    Was sagen Befürworter, was Kritiker?

    Befürworter sagen

    Europa müsse angesichts realer Bedrohungen verteidigungsfähig sein. Das sei Voraussetzung für Abschreckung und damit für Stabilität. Klimathemen könne man parallel bearbeiten, etwa über Effizienz und neue Technologien.

    Kritiker sagen

    Wenn Klimarisiken nicht als „mission critical“ (also sicherheitsentscheidend) behandelt werden, ist das Sicherheitsverständnis „gefährlich eng“. Kritiker fordern: Klima als Leitgröße, Transparenzpflichten, und echte Umschichtung Richtung Resilienz, weil Extremwetter, Ernteausfälle und Infrastrukturkrisen Sicherheitsfolgen auslösen, die militärisch nicht wegzuschrecken sind. 

    Was daran überprüfbar ist

    Nicht Reden zählen, sondern: Gibt es verpflichtende Messung (Emissionen/Resilienzindikatoren), verbindliche Prüfungen (Klima- und Resilienztest für Programme) und sichtbare Budgetverschiebungen.

    Parallel-Aktion Italiens Olympiade als Spiegel des Unfriedens mit der Natur und der SDG-Heuchelei: „nachhaltigste Winterspiele“ und die Logik der Etiketten

    Zeitgleich zeigt die Winterolympiade in Italien, wie schnell große Versprechen („nachhaltig“) an der Wirklichkeit kratzen. Kritische Stimmen argumentieren, dass die Nachhaltigkeitsziele bereits vorab unter Druck geraten. Das ist als Bild nützlich: Auch Sicherheitskonferenzen neigen dazu, das Notwendige zu „labeln“, statt es durch harte Regeln zu liefern. 

    Was bedeutet das für Österreich?
    (Neutralität, Budget, UNO City Wien, Zivilgesellschaft)

    1. Neutralität 2.0 heißt Risikosenkung, nicht Wegducken Österreich kann glaubwürdig sagen: Sicherheit ist mehr als Militär. Wer Klima- und Versorgungsrisiken senkt, macht das Land wirklich sicherer. Das ist eine aktive Neutralität, die international anschlussfähig ist.
    2. Budgettest: „Sicherheit“ muss Hochwasser, Hitze und Netzausfälle einschließen Die politische Frage an jede Partei lautet: Welche Summen gehen 2026/2027 in messbare Resilienz (Schutz, Vorsorge, Netze, Speicher, Gesundheit), und welche in reine Symbolsignale?
    3. UNO City Wien: Klimasicherheit als Friedensstandard setzen Wien ist UNO-Standort. Österreich kann dort Formate pushen, die Klimasicherheit und schrittweise Abrüstung bis 2050 koppeln: Transparenz über Emissionen, Black-Carbon-Regeln (Ruß), Resilienzfinanzierung und Rüstungskontrolle als Sicherheitsarchitektur.
    4. Zivilgesellschaft: Hebel sind langweilig, aber wirksam Fragen stellen, Daten verlangen, Budgetdebatten verfolgen, Medien an die Klimarechnung erinnern, lokale Resilienzprojekte vorantreiben. Genau dort kippt politische Priorität.

    Was jetzt – machbare Schritte zur menschlichen Sicherheit?

    1. Klimabilanz-Pflicht einfordern: militärische Emissionen und Energieverbrauch jährlich, öffentlich, vollständig.
    2. Resilienz-Quote vorschlagen: fixer Anteil „Sicherheitsbudget“ für Hitzeschutz, Hochwasserschutz, Netze, Katastrophenschutz, Gesundheit.
    3. Klima- und Resilienztest für jedes große Sicherheitsprogramm: ohne bestandenem Test keine Umsetzung.
    4. Medienroutine üben: Bei jeder „Kriegsfähigkeit“-Debatte die Klimarechnung fragen (welches Risiko sinkt, welches steigt).
    5. UNO City Wien nutzen: Initiative zu Klimasicherheit und schrittweiser Abrüstung bis 2050 sichtbar machen.
    6. Lokal messbar werden: Gemeinden auf Hitzepläne, Retentionsflächen, Notfallversorgung, Strom-Resilienz festnageln.

    Einige Ideen zu weiteren Quellen

      Munich Security Conference: Programm/Reports/Reden (offizielle Seiten) 

      Reuters: zentrale Aussagen und Linien (EU-Beistand, Konferenzthemen) 

      Chatham House: Einordnung Klimasicherheit bei der MSC 

      The Guardian: UN-Klimachef zu Sicherheit ohne Klima (Begründungslogik) 

      Le Monde / IOC: Debatte um „nachhaltige“ Winterspiele Milano-Cortina 

      Friedensnews interne Artikel (Kontext/Serie): siehe interne Links unten 

      5 Micro-Assets (A–E)

        A) Teaser (2 Sätze)

        Die MSC 2026 zeigte: Europa will mehr „Kriegsfähigkeit“, aber Klimasicherheit blieb in der Hauptdebatte zu oft Nebensache. Das ist der Realismus-Fehler, weil Hochwasser, Hitze und Brände bereits heute Sicherheitslage sind. 

        B) Zitat (1 Satz)

        Sicherheitspolitik ohne Klimasicherheit ist keine Stärke, sondern teure Selbsttäuschung. 

        C) Mini-Fakt (eine Zahl/Vergleich)

        Allein in Portugal wurden im Februar 2026 laut Reuters vor der MSC rund 3.000 Menschen wegen Hochwasser vorsorglich evakuiert. 

        D) Frage an Lesenden

        Welche drei Budgetposten würdest du 2026 sofort von „Kriegsfähigkeit“ zu Hochwasserschutz, Hitzeschutz und Strom-Resilienz umschichten?

        Was-jetzt-Satz (Call to Action ohne Werbung)

        Fordere eine einfache Regel: Kein Sicherheitsprogramm ohne öffentliche Klimabilanz und Resilienztest.

         

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