Matthias Reichl ist tot: Ein beharrlicher Friedensarbeiter, dem wenigstens der neue Irankrieg zum 84. Geburtstag erspart blieb

Heute ist der internationale Hias-Reichl-Day. Mit Matthias Reichl ist am 5. Jänner 2026 ein wichtiger österreichischer Friedensarbeiter, Radiomacher und Mitgründer des Begegnungszentrums für aktive Gewaltlosigkeit gestorben. Er ist am vor 84 Jahren am 9. April 1942 geboren. Und heute ist:
Global Days of Action on Military Spending (GDAMS)

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Das hätte Hias wohl gefallen.
Ich kannte Hias seit über 40 Jahren. Wir haben uns im Begegnungszentrum damals auf den Internationen Gewaltfreien Marsch in den Niederlanden vorbereitet. Es war eine der Blütezeiten der Friedensbewegung in Europa. Ich wollte noch auf sein Begräbnis fahren; sofort einen Nachruf schreiben; Aber die Zeitgeschichte und ihre Irren rasen dahin, dass ich bei Kräften bleiben muss, wenn ich noch erleben will wie nicht die Friedensfreunde, sondern die Kriegsirren sterben. Nun stieß bei Grabungen am Schreibtisch wieder auf einen Notiz und habe überlegt wie ich Hias dennoch anmessen würdigen kann.
Geboren wurde Hias, wie seine Freunde und Freundinnen ihn nannten am 9. April 1942. An diesem Donnerstag ereignete sich noch folgendes:
- Auf der Halbinsel Krim eröffnen sowjetische Truppen eine neue Großoffensive, die nach drei Tagen auf der Landenge von Kertsch scheitert.
- Die US-amerikanischen und philippinischen Truppen auf der Halbinsel Bataan ziehen sich vor den anrückenden Japanern auf die vorgelagerte Felseninsel Corregidor zurück.
- NS-Deutschland, Berlin: Ein Berliner Sondergericht verurteilt einen Schweinehändler wegen fortgesetzten Schwarzschlachtens zum Tode.
Hias hat also den II. Weltkrieg in Oberösterreich noch als Baby erlebt und sein Vater war aktiver Widerstandkämpfer. So aktiv, dass die ungemütlichen Nazis die Schusterwerkstatt im Haus der Familie einmal gesprengt haben. Hias wurde 83 Jahre alt. Das Freie Radio Salzkammergut würdigte ihn als warmherzigen Menschen und als unangepassten, kritischen Geist und ich freue mich dass ich es wenigsten schaffe ihm anlässlich seines Geburtstags seine unsterblichen Leistungen für den Weltfrieden und den Frieden in Österreich und im Salzkammergut zu würdigen.
Manche Menschen drängen sich nie über die Maßen wegen egoistischen Anliegen in den Vordergrund und fehlen trotzdem oder gerade deswegen nach ihrem Tod doch schmerzlich. Matthias Reichl war so einer. Er starb am Montag, dem 5. Jänner 2026, im Krankenhaus Vöcklabruck. Auf der Parte wird er schlicht als Friedensarbeiter bezeichnet. Dort steht auch der Satz, der sein Leben knapp und treffend zusammenfasst:
Er strebte sein Leben lang nach Frieden und Gerechtigkeit.
Aus einem Hinweis im Rundbrief des Begegnungszentrums geht hervor, dass er seinen 75. Geburtstag am 9. April 2017 im Kreis der Freundinnen und Freunde feierte. Sein Tod im Jänner 2026 kam also im 84. Lebensjahr.
Für Friedensnews.at ist dieser Tod mehr als eine traurige Nachricht. Mit Matthias Reichl ist ein Mensch gegangen, der nicht nur gegen Krieg war, sondern als Freund seit den 80er-Jahren für etwas stand:
- für organisierte Gewaltlosigkeit,
- für soziale Gerechtigkeit,
- für Menschenrechte,
- für Umweltverantwortung und
- für eigenständiges Denken.
Gemeinsam mit seiner Frau Maria prägte er über Jahrzehnte das Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit in Bad Ischl.
Seit 2003 gestalteten Maria und Matthias Reichl beim Freien Radio Salzkammergut die Sendung Begegnungswege. Anfangs wurde sie zweimal im Monat live aus dem Studio gesendet, später einmal monatlich aus dem Heimstudio. Im Mittelpunkt standen Globalisierung, soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte sowie Friedens- und Umweltpolitik. Das war keine harmlose Nische, sondern gelebte Gegenöffentlichkeit in einer Medienwelt, die kritische, gewaltfreie Stimmen oft an den Rand drängt.
Dass ihm wenigstens der neue Irankrieg 2026 erspart blieb, ist ein bitterer Trost.
Seit dem 28. Februar 2026 haben sich die militärischen Angriffe zwischen Israel, den USA und dem Iran massiv ausgeweitet; Medien und Hilfsorganisationen sprechen von einer schweren regionalen Eskalation im Nahen Osten. Matthias Reichl musste diese neue Stufe der Zerstörung nicht mehr erleben. Gerade deshalb wirkt sein lebenslanger Einsatz für Gewaltlosigkeit heute noch bedrängender aktuell.
Wer Matthias Reichl ernst nimmt, sollte diesen Satz nicht missverstehen. Es geht nicht darum, den Krieg nachträglich in seinen Abschied hineinzuziehen, sondern darum, die Größe seines Themas zu begreifen. Er lebte und arbeitete in dem Wissen, dass Frieden kein Gefühl, keine Sonntagsrede und keine Dekoration ist.
- Frieden ist Arbeit.
- Frieden ist Einmischung.
- Frieden ist Beharrlichkeit.
- Und Frieden ist der Widerstand gegen die Lüge, Gewalt könne irgendwann Ordnung schaffen.
Diese Haltung zieht sich sichtbar durch seine Medienarbeit, seine Vereinsarbeit und die vielen Texte, Sendungen und Hinweise des Begegnungszentrums.
Besonders stark ist deshalb auch die Bitte, die mit seinem Tod verbunden wurde. Statt Kränzen und Blumen bat die Familie um Unterstützung für den von ihm gegründeten Verein, damit sein Lebenswerk weitergeführt werden kann. Das ist mehr als ein organisatorischer Wunsch. Es ist fast schon sein letztes politisches Statement:
Nicht schöne Gesten zählen am meisten, sondern das Weitermachen.
Die vielen Reaktionen nach seinem Tod zeigen, dass Matthias Reichl weit mehr war als eine regionale Persönlichkeit. Auf der Seite des Begegnungszentrums sind bereits zahlreiche Nachrufe und Stellungnahmen gesammelt, darunter Beiträge aus Medien, Friedensinitiativen und Bildungszusammenhängen. Das Paulo-Freire-Zentrum sprach von einer Persönlichkeit der Friedens-, Umwelt- und Bildungsbewegung. Solche Würdigungen kommen nicht zufällig. Sie zeigen, dass hier ein Mensch gegangen ist, der in Österreichs Zivilgesellschaft tiefe Spuren hinterlassen hat.
Am Ende bleibt nicht Pathos, sondern Maßstab. Matthias Reichl hat ein Leben geführt, das den Frieden nicht als Ausrede benutzte, sondern als Aufgabe verstand. In einer Zeit, in der Aufrüstung, Feindbilder und kriegerische Sprache wieder als normal verkauft werden, wirkt ein solcher Lebensweg nicht vergangen, sondern verstörend aktuell. Österreich hat mit ihm eine unbequeme, freundliche und beharrliche Stimme der Gewaltlosigkeit verloren.
Quellen
- Parte für Matthias Reichl, Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit.
- Freies Radio Salzkammergut, In Memoriam. https://freiesradio.at/in-memoriam/
- Begegnungswege und Rundbriefe des Begegnungszentrums.
- Sammlung von Nachrufen auf der Seite des Begegnungszentrums.
- Aktuelle Berichte zur Eskalation des Kriegs gegen den Iran seit Ende Februar 2026.
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