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Epstein-Files, Machtmissbrauch und Aufrüstung: Wie Netzwerke Straflosigkeit bauen – und warum das den Frieden kostet

Erstellt am 06.02.2026 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 50 mal gelesen und am 07.02.2026 zuletzt geändert.

Die neuen „Epstein Files“ sind kein einzelner Skandal, sondern ein Blick in ein Machtmilieu, das Menschen zu Objekten macht und sich über Jahre gegen Konsequenzen abschirmt. Gleichzeitig treibt die US-Politik unter Donald Trump die Rüstungsproduktion erneut an. Das sind nicht automatisch „eine große Verschwörung“ – aber es sind ähnliche Muster: Nähe, Abhängigkeit, Angstkommunikation, Lobbydruck, Straflosigkeit.

  1. Mein Ausgangspunkt: Rabinowichs Diagnose – Macht frisst Lebendigkeit Julya Rabinowich schreibt: „Die Halbwüchsigen sind keine Menschen in den Augen dieser Macht. Sie sind Energieladestationen.“ (Quelle: Facebookseite). Das ist literarisch zugespitzt, aber politisch präzise. In Ausbeutungssystemen wird Entmenschlichung zur Technik: Wer die anderen als „Ding“ behandelt, muss sich nicht rechtfertigen. Genau deshalb ist das Thema nicht nur „Privatverbrechen“, sondern eine Frage der Demokratie: Schützt der Staat die Schwachen – oder schützt er die Mächtigen vor Scham, Strafe und Öffentlichkeit?
  2. Was ist an den „Epstein Files“ aktuell? Am 30. Januar 2026 veröffentlichte das US-Justizministerium eine weitere große Tranche an Unterlagen zu Jeffrey Epstein und erklärte, damit die Vorgaben des „Epstein Files Transparency Act“ (Epstein-Akten-Transparenzgesetz) zu erfüllen. Genannt werden unter anderem mehr als zwei Millionen Seiten, tausende Videos und sehr viele Bilder; zusammen spricht das Ministerium von rund 3,5 Millionen Seiten über alle Veröffentlichungen hinweg. 

Wichtig für seriösen Journalismus:

Akte ist nicht Urteil. Dokumente können Kontakte zeigen, ohne Straftat zu beweisen. Umgekehrt kann ein System real sein, auch wenn nicht jede einzelne Behauptung gerichtsfest ist. Friedensjournalismus arbeitet genau an dieser Trennlinie: hart bei Fakten, vorsichtig bei Deutung, strikt bei Opferschutz.

  1. Warum Friedensjournalismus hier hingehört Epstein ist kein „Sex-Thema“, sondern ein Macht-Thema. Und Macht-Themen sind Friedens-Themen, weil sie die gleiche Grundfrage berühren:

    Wie entsteht organisierte Straflosigkeit?

Wenn ein Staat oder ein Machtmilieu über Jahre Signale ignoriert, dann ist das strukturelle Gewalt (systemische Gewalt ohne sichtbaren Schlag): Menschen werden geschädigt, weil Institutionen versagen oder wegsehen. Das ist die Brücke zur Friedensforschung.

  1. Der militärisch-industrielle Komplex: Was ist das auf gut Deutsch? Militärisch-industrieller Komplex (MIK) meint das dauerhafte Geflecht aus Militär, Rüstungsindustrie, Politik und Lobbyarbeit, das Aufrüstung begünstigt – auch dann, wenn sie teuer, ineffizient oder politisch riskant ist. Der Begriff wurde weltberühmt durch die Warnung des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower 1961. 
  2. Trump, Aufrüstung und „MIK im Schlepptau“:

    Was ist belegbar? Am 7. Januar 2026 erließ das Weiße Haus eine Anordnung („Prioritizing the Warfighter in Defense Contracting“), die ausdrücklich schnellere Beschaffung und den Ausbau der Rüstungsproduktion betont. Gleichzeitig droht sie großen Rüstungskonzernen mit Einschränkungen bei Dividenden und Aktienrückkäufen, wenn Leistung und Lieferfähigkeit nicht stimmen. 

Das ergibt ein ambivalentes Bild:

Trump tritt nicht einfach als „Freund der Rüstungslobby“ auf, sondern als jemand, der mehr Produktion will, aber die Konzerne zugleich stärker disziplinieren möchte. Ergebnis ist trotzdem: mehr Tempo, mehr Kapazität, mehr Rüstungslogik im Alltag.

  1. „Hat der MIK Putin erfunden oder angestachelt?“ – die sauberere Frage „Erfunden“ ist als Behauptung nicht seriös belegbar. Friedensjournalistisch sinnvoll ist diese Formulierung:

Welche Akteure haben welche Anreize, Spannungen zu verstetigen – und welche Alternativen (Diplomatie, Rüstungskontrolle, Deeskalation) wurden wann politisch klein gemacht?

Denn ja: Rüstungsdynamiken haben Gewinner. Aber das ersetzt keine Analyse der konkreten Entscheidungen im Kreml und der realen Kriegshandlungen. Beides muss gleichzeitig gedacht werden: Täterverantwortung und Systemanreize.

  1. Was würde der kürzlich verstorbene Friedenforscher Johan Galtung dazu sagen? Johan Galtung würde vermutlich drei Leitgedanken einbringen (sinngemäß, nicht als wörtliches Zitat):
  1. Gewalt ist mehr als Schüsse: Neben direkter Gewalt gibt es strukturelle Gewalt (wenn Systeme Menschen schädigen) und kulturelle Gewalt (wenn Erzählungen Gewalt normal machen).
  2. „Negativer Frieden“ (nur kein Krieg) reicht nicht. „Positiver Frieden“ heißt: Institutionen so bauen, dass Ausbeutung und Eskalation weniger Chancen haben.
  3. Medien sollten Konflikte nicht als Stadionkampf erzählen, sondern Ursachen, Interessen und Auswege sichtbar machen.

Das ist die Folie, auf der Epstein-Files und Aufrüstung zusammengehören: Nicht als „Skandal-Mix“, sondern als Musteranalyse von Entmenschlichung plus Abschirmung.

  1. Was sagt Noam Chomsky dazu?

    Noam Chomsky argumentiert seit langem, dass Eliten und große Institutionen oft Erzählungen produzieren, die Macht stabilisieren. Zur Ukraine betont er in Interviews wiederholt, Verhandlungen seien zentral, um Eskalationsrisiken zu senken – nicht aus Vertrauen in Putin, sondern aus Risiko-Logik. 

Man kann Chomsky kritisieren, aber die journalistisch nützliche Frage bleibt:

Welche Deutungsrahmen („Frames“) machen Diplomatie unsichtbar und Aufrüstung alternativlos?

  1. Faktencheck-Regeln zu EpsteinFiles (kurz und praktisch)
  1. Nie aus „Name in Akte“ = „Schuld“ machen.
  2. Dokumenttyp prüfen: Gerichtsdokument, E-Mail, Kontaktliste, Protokoll, Aussage, Pressebericht.
  3. Datum und Kontext: Was war wann bekannt? Wer hatte welche Pflicht zu handeln?
  4. Opfer schützen: keine identifizierenden Details, keine Reproduktion von Bildern, keine Sensationslogik.
  5. Trennung von drei Ebenen im Text: gesichert, plausibel aber offen, reine Behauptung.
  1. Was Leserinnen und Leser konkret tun können
  1. Opferschutz stärken: Organisationen unterstützen, die Betroffene juristisch und psychologisch begleiten.
  2. Transparenzregeln verteidigen: Informationsfreiheit, unabhängige Kontrollinstanzen, Whistleblower-Schutz (Hinweisgeber-Schutz).
  3. Rüstungslogik sichtbar machen: Bei jeder Aufrüstungsdebatte fragen: Ziel, Kosten, Alternativen, Exit-Strategie, Erfolgskriterien.
  4. Medienkompetenz üben: Wer profitiert von der Angst vor Putin? Wer profitiert von der Ablenkung von Putin?

Schlussgedanken zu sexuellen Missbrauchspraktiken von minderjährigen Mädchen durch alte meist weiße Männer und ihre weltzerstörende Rüstungspolitik

#EpsteinFiles sie sind nicht „einfach ein Skandal“. Sie sind ein Brenn-Spiegel für ein System, in dem Macht Menschen verbraucht und sich dann gegen Konsequenzen versichert. Und genau deshalb muss Friedensjournalismus hier hinschauen: Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern wäre die Abwesenheit organisierter Straflosigkeit.

Quellen (Auswahl, überprüfbar)


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