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Stellt die Friedensfragen!

Verdrängung des Atomwaffenrisikos nach 70 Jahren Friedensforschung

Erstellt am 03.03.2018 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 560 mal gelesen und am 03.03.2018 zuletzt geändert.

„Atomwaffen sind eine verdrängte Wirklichkeit.
Und alles Verdrängte kommt irgendwann wieder.“

Jochen Bittner, Matthias Naß und Gero von Randow,
Die Zeit, 18.2.2018

„Atomkrieg – Die Eskalation – Ein neues globales Wettrüsten hat begonnen, in Worten wie in Taten. Werden wir einen Atomkrieg erleben?“  … „Mit dem Ende des Kalten Krieges schwand auch die Angst vor einem Atomkrieg. Doch jetzt ist die Angst zurückgekehrt. Das Schlimme ist: Sie ist berechtigt.“

Ist dauerhafter Friede möglich?

Die kürzlichch hier angekündigte Veranstaltung in der Wiener Aula der Wissenschaften war eine herbe Enttäuschung. Das Publikum war zwar einigermaßen zahlreich, viele gingen allerdings vor Ende der Veranstaltung wieder und ich habe bedauert dass ich meine Zeit dafür geopfert habe. Allein die Fragestellung der Veranstaltung ist im Jahr 2018 eigentlich absurd. Die Atomkriegsuhr des Bulletin of the Atomic Scientists  steht seit 25.1.2018 auf 2 vor 12. Dieses Bulletin wird immerhin von 17 Nobelpreistragenden unterstützt. Eine zeitgemäße Frage wäre: Wie können wir dauerhafte Gefahr der Auslöschung der Menscheit durch Atomkrieg möglichst rasch minimieren.

Friedensforscher und Politikwissenschafter Professor Wolfgang Dietrich war wenigsten in der Materie ziemlich kompetent, leider scheint ihm im Elfenbeinturm der „elicitiven Konflikttransformation“ vor lauter Differenzierung aus dem Blick geraten zu sein, was die dringendsen und wichtigsten Forschungsfragen wären. Ein paar aushalb des außerhalb des Quacksprechs der akademischen Friedensforschung verständliche Antworten auf diese Fragen wären ebenfalls aktuell ziemlich gefragt.

Die hochsympatische Professorin für Corporate Sustainability Kerstin Neumann lieferte zwar interessante Beiträge aus der Sicht ihrer jungen Disziplin, aber auch ihre Beiträge gaben letztlich keine befriedigenden Antworten zur Fragestellung des Abends.

Besonders unbefriedigend empfand ich den Historiker Professor Wolfgang Müller. Er verkündete unhinterfragt eine konservative Plattitüde nach der der anderen.  Angefangen beim Krieg als Vater aller Dinge, über die von Mary Kaldor bereits vor Jahrzenten falsifizierte Annahme, dass wir Krieg für Fortschritte in der zivilen Innovation brauchen. Bis hin zur Bemühung von Thomas Hobbes Menschenbild und anderen Gschichteln – die an den Geschichtslehrer in der Proletenpassion erinnerten oder an Josef Haders Humanismusnummer.  Sein in weiten teilen antiquiertes Weltbild scheint im Atomzeitalter eines Günther Anders noch nicht angekommen. Die westlichen Eliten haben bei Müller alles im Griff – bis hin zu den Atomwaffen. Im Vergleich zum II. Weltkrieg sei die Welt friedlicher geworden – insbesondere Europa. Nur Nordkorea sei vielleicht atomar ein Problem. Wenn die Russen und Chinesen nur kooperativ wären, dann wäre auch das rasch im Griff! …

  • So im Griff wie bei Anatoli Stepanowitsch Djatlow die Simulation eines vollständigen Stromausfalls in Tschernobyl 1986?
  • Was ist mit dem Supergau in Fukushima?
    Das kann die selbsternannte Internationale Gemeinschaft wohl schwerlich Nordkorea in die Schuhe schieben?
  • Last but not least die USA: „Im Sommer 2013 fand auf der Malmstrom Air Force Base im US-Bundesstaat Montana eine Übung mit beunruhigendem Ergebnis statt. Bei dem Test wurde simuliert, wie Angreifer in ein Raketensilo einbrechen und bis zur „Minuteman“-Rakete vordringen. Laut einem internen Bericht des US-Militärs seien die Sicherheitskräfte nicht in der Lage gewesen, das Silo zügig wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.“
    Damals wurden die USA noch von einem vergleichsweise vernünftigen Präsidenten regiert.

The Dangerous Case of Donald Trump

27 Fachleute, darunter bekannte Psychiater oder Experten für geistige Gesundheit, veröffentlichten aus tiefer Besorgnis ihre Einschätzung zum  „Der gefährlichen Fall des Donald Trump“. Schon der Titel machte klar, wie die Autoren den US-Präsidenten einschätzen. Und sie sind nicht die Einzigen: Immer wieder äußern sich Psychiater und Psychologen und attestieren Donald Trump eine psychische Krankheit. Bereits im Februar 2017 hatten Experten eine Art Warnbrief an die New York Times geschrieben: Es stehe zu viel auf dem Spiel, um noch länger zu schweigen.

Häufigste Diagnose der Warner: krankhafter Narzissmus, eine krankhafte Selbstbewunderung also.

Kollektive Verdrängung im Atomzeitalter

Als Verdrängung wird, laut Wikipedia, in der Psychoanalyse „ein angenommener psychologischer Abwehrmechanismus bezeichnet, durch den tabuierte oder bedrohliche Sachverhalte oder Vorstellungen von der bewussten Wahrnehmung ausgeschlossen würden.“ Hirnforscher Depue hat, laut Spiegel.de, eine evolutionäre Theorie entwickelt, warum die Menschen das Verdrängen gelernt haben könnten: Verdrängen statt verhungern

  1. um Steinzeit-Jäger vor ständigen traumatischen Erinnerungen an fürchterliche Ereignisse zu bewahren.
  2. Ein Jäger, der ständig daran denken musste, dass er kürzlich nur knapp einem Raubtier entronnen ist,
  3. Er „hätte unter diesen Erinnerungen so leiden können, dass er aufgehört hätte zu jagen, und dann wäre er verhungert“.

Jäger im Atomzeitalter?

Die Fähigkeit zur Verdrängung schlimmer Erfahrungen scheint im Hirn in einem relativ jungen Areal angesiedelt. Wesentlich jünger sind allerdings die kulturellen Errungenschaften der Psychoanalyse und der modernen Psychotherapien sowie der Neurowissenschaften. Was beim Umgang mit Säbelzahntigern hilfreich war ist heute, einige Jahrtausende nach ihrem Aussterben, hochproblematisch. Problematische Verdrängungen sind zwar bearbeitbar  aber das ist sehr aufwendig. Bislang zu aufwendig! Die Menschen in des Industrieländern konsumieren weit mehr Ressourcen als die Biokapazität ihrer Nation hergibt. Die USA, die mit Abstand hochgerüstetste Nation der Erde läutet gerade eine neue Ära des atomaren Wettrüstens ein und das wird weitgehend aus dem Bewusstsein der Menschen verdrängt – wie vor 1914 und vor 1939. So wie es derzeit ausschaut wird wohl vor einem größeren Unfall mit Atomwaffen die globale Verdrängung des Atomwaffenrisikos nicht hinreichend in öffentliche Bewusstsein dringen. Hoffen wir, dass es danach noch Überlebende gibt die daraus etwas lernen.

 

 

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