friedensnews.at
Stellt die Friedensfragen!

Grußadressen zum Hiroshimatag

Erstellt am 21.07.2003 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde mal gelesen und am 07.07.2008 zuletzt geändert.

Abg. Sonja Ablinger
Sozialdemokratische Partei

Ich sage es mit Bertha von Suttner:

„Was sich in der Friedensbewegung äußert,
ist nicht eine Traumwelt entrückter Phantasten –
es ist der Selbsterhaltungstrieb der Zivilisation!“

In diesem Sinne meine solidarischen Grüße an Eure Kundgebung zum Hiroshima-Tag.

Maximilian Aichern
Bischof von Linz

Als Bischof von Linz grüße ich alle, die an dieser Versammlung teilnehmen, sehr herzlich. Das Gedenken an den furchtbaren zweifachen Atombombenabwurf vor 54 Jahren möchte auch ich mit Ihnen teilen.

Angesichts der schrecklichen Zerstörung und der Verachtung menschlicher Würde, die in diesem Akt zum Ausdruck gekommen ist, möchte man am liebsten nur schweigen und gar keine Worte verschwenden.

Dennoch weiß ich, daß es damit nicht genug ist. Wir müssen, auch in einem Staat wie Österreich, der gottlob atomwaffenfrei ist, alles tun, um unsere Nachbarstaaten, besonders aber die nuklearen Großmächte dazu bewegen, diese Mittel der Grausamkeit aus den Händen zu legen.

Bruno Aigner

Ich gedenke an diesem Tag der Opfer der Abwürfe von Atombomben auf die Städte Hiroshima und Nagasaki im August 1945. Dieses Gedenken ist verbunden mit der Hoffnung, daß die Ächtung von Atomwaffen noch stärker wird und immer mehr Menschen Widerstand leisten gegen die verheerendste Waffe, die bisher von Menschenhand geschaffen wurde.

Ich bin froh, in einem Land zu leben, das nicht nur die friedliche Nutzung der Kernenergie verbietet, sondern auch die Lagerung und Durchfuhr von Atomwaffen. Ein dementsprechendes Gesetz wurde bekanntlich in einer der letzten Sitzungen des Nationalrates im Juli mit Stimmen aller fünf im Nationalrat vertretenen Parteien beschlossen. Österreich geht damit mit gutem Beispiel voran und ich würde mir am Gedenktag für die Opfer der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki wünschen, daß möglichst viele Regierungen dem Beispiel Österreichs folgen und zur Einsicht kommen, daß die Atomkraft – egal ob in Form von Atomkraftwerken oder von Bomben – eine dauernde Gefahr für die Menschheit und unseren blauen Planeten ist.

Tadatoshi Akiba
Bürgermeister von Hiroshima

Heute am Hiroshima-Tag in Wien möchte ich meine tiefste Bewunderung für die Friedensanstrengungen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausdrücken.

Vor 54 Jahren wurde das erste Mal in der Menschheitsgeschichte eine Atombombe auf eine lebendige Stadt geworfen. Diese Stadt war Hiroshima. Die enorme Hitzestrahlung der Bombe, der Explosionsdruck und die großen Feuer, die unmittelbar danach ausbrachen, verwandelten unsere Stadt in eine Wüste. Hunderttausende Menschen wurden getötet oder verletzt.

Über die unmittelbaren Zerstörungen hinaus drang die durch die Explosion freigesetzte radioaktive Strahlung tief in die Körper derer, die ihr ausgesetzt waren, zerstörte ihr Gewebe und bedroht das Leben der Überlebenden bis heute. Atomwaffen lösen unkontrollierbare, zerstörerische Gewalt aus. Sie sind aber noch viel unmenschlicher, weil ihre radioaktive Strahlung ihre Opfer noch Jahrzehnte nach Kriegsende fortgesetzt schädigt.

Hiroshima hat unermüdlich versucht, die Welt auf diese menschliche Tragödie, die die Atombombe verursacht hat, hinzuweisen, im speziellen auf die Folgen der ersten massenhaften radioaktiven Verstrahlung von Menschen. Wir sind unermüdlich gegen alle Atomwaffentests aufgetreten und haben die Abschaffung aller Atomwaffen gefordert. Leider gibt es nach wie vor große Lagerbestände an Kernwaffen auf dieser Welt, genug um die Gattung Mensch mehrere Male auszulöschen. Diese Waffen bedrohen die Existenz der Menschheit.

Indien und danach auch Pakistan führten im Mai vergangenen Jahres Atomwaffentests durch. Die Vereinigten Staaten und Rußland führten wiederholt „subkritische“ Atomwaffentests durch. Die Abrüstung der Atomwaffenstaaten kam zum Stillstand. Die dringendsten Forderungen, die wir heute an die internationale Gemeinschaft herantragen, sind einseitige Abrüstungsschritte durch die Atomwaffenmächte und die strenge Kontrolle der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir die Weltöffentlichkeit von der Abschaffung aller Atomwaffen überzeugen. Über nationale Grenzen müssen wir Städte und ihre BewohnerInnen solidarisch verbinden. Nur mit diesem gesellschaftlichen Druck kann die Politik der Atomwaffenstaaten geändert werden.

Es ist daher von besonderer Bedeutung, daß, gerade wenn die Menschen von Hiroshima sich am 6. August, dem Tag, an dem die Bombe abgeworfen wurde, sich in ihrer Stadt versammeln, um die Seelen der Verstorbenen zu trösten und an die Unantastbarkeit des Friedens zu appellieren, sich auch in Wien Menschen in ihrer Stadt zu einer Friedenskundgebung zusammenfinden.

Ich hoffe, daß unsere gemeinsamen Anstrengungen für den Frieden noch viel mehr Menschen erreichen werden, damit wir so schnell wie möglich eine vollständige Abschaffung aller Atomwaffen und einen dauerhaften Frieden erreichen.

Heidi Ambrosch
Stv. Vorsitzende der KPÖDer Krieg gegen das jugoslawische Volk hat drastisch vor Augen geführt, daß die NATO unter der Führung der USA keine Mittel scheut, eine neue Weltordnung durchzusetzen und sei sie herbeigebombt. Abertausende wurden sinnlos in den Tod geschickt, Frauen und Kinder massenhaft vertrieben, vergewaltigt. Sie sind die Hauptleidtragenden in und nach jedem Krieg. Auch vor Augen geführt wurde, wie der Krieg medial aufbereitet wird. Als seien sie direkt ans NATO-Hauptquartier angeschlossen, haben die den Regierungsparteien verpflichteten Massenmedien nahtlos alle Propagandalügen übernommen, um den Krieg zu rechtfertigen. Fernsehbilder, die aufforderten, sich mit den Piloten zu identifizieren, mit den Helden des Himmels samt ihren Joysticks. Ausgeblendet wurde das Ausmaß der tagtäglichen Zerstörung an zivilen Einrichtungen, das Ausmaß der ökologischen Katastrophen, deren Folgewirkungen noch nicht absehbar sind.

Vom sogenannten begrenzt führbaren Atomkrieg wie in Hiroshima und Nagasaki sind die Kriegstreiber nur einen Knopfdruck entfernt. Wenn es um ihre vitalen Interessen geht – so die neue NATO-Doktrin – ist ein Angriff auch ohne UNO-Mandat möglich. Es geht um neue Absatzmärkte und Einflußsphären, damit das Welt-Casino seine Einsätze erhöhen kann und die österreichische Regierung spielt kräftig mit. Denn entgegen der Versprechen als neutraler Staat in der EU zu bestehen, wurden in den EU-Verträgen die Weichen für das EU-Militärbündnis gestellt.

Skandalös sind die Anfang Juli von der österreichischen Regierung an den UNO-Sicherheitsrat übermittelten Vorschläge zur Reform der UNO, die einer Demontage gleichkommen. Darin wird die Abschwächung des Vetorechtes für Nicht-Nato-Mitglieder im Sicherheitsrat verlangt, was nur als Begünstigung für die Nato gewertet werden kann. Empörend ist der Vorschlag mit Deutschland ein weiteres Nato-Mitglied in den Sicherheitsrat zu hieven. Völlig absurd werden die Vorstellungen der österreichischen Regierung aber, wenn ein Sicherheitsratsmandat für die EU gefordert wird. Bundeskanzler Klima steht mit diesen Reformvorstellungen zur UNO erneut als Heuchler da, wenn er sich als Hüter der Neutralität darstellt. Notwendig wäre die Aufwertung der Generalversammlung und damit eine Demokratisierung der UNO als Gegengewicht zum Einfluß der Großmächte. Statt leeren Phrasen über die Neutralität fordern wir von der Bundesregierung: einen sofortigen Ausstieg aus der NATO-Partnerschaft für den Frieden, die sich als Komplizenschaft für den Krieg entlarvt hat.

Krieg bringt Haß und Gewalt. Krieg bedeutet immer Terror – Terror gegen Menschen. Nie wieder Krieg erfordert, die militärische Logik in Europa zurückzudrängen, das neutrale Österreich zum Ausgangspunkt für europäische und weltweite Abrüstungsinitiativen zu machen, für den Beginn der Schaffung von atomwaffenfreien Zonen in Europa. Wer gegen Gewalt und Krieg ist, muß für die Beibehaltung der immerwährenden Neutralität eintreten.

Ich danke den InitiatorInnen dieser Kundgebung, allen, die den Kampf um die Köpfe und Herzen der Menschen nicht den Militaristen überlassen.

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hans Peter Aubauer
Universität Wien

Vordergründig sollte mit dem in Hiroshima bewußt in Kauf genommenen menschlichen Leid das Kriegsende beschleunigt und damit das Leben amerikanischer und japanischer Soldaten gerettet werden.
In Wirklichkeit ging es um eine Machtdemonstration, die den kalten Krieg und in seinem Schatten viele kleinere heiße Kriege mit verursacht hat.

Gewalt sät Gewalt,
auch wenn es Gegengewalt ist,
auch wenn es oft so lange dauert, bis die teuflische Saat der Gewalt aufgeht, daß es scheint, als ob der Zweck gewalttätige Mittel heiligen würde. Denn nichts wird so sehr tradiert, wie durch Gewalt verursachter Haß. Er bleibt oft über Generationen im Gedächtnis und gebiert neue Gewalt.

Bomben fördern die Gewalt, gegen die sie eingesetzt werden und festigen die Position von Gewalttätern, wie Hitler, Sadam Hussein und Milosevic. Sie können nicht den mühevollen Einsatz von Liebe und Vernunft ersetzen, der zur Durchsetzung humaner Ziele, wie von Menschenrechten erforderlich ist.

Bomben untergraben die Ziele, für die sie eingesetzt werden. Wenn sie heute die Menschenrechte Vertriebener verteidigen sollen, warum nicht morgen den Lebensraum für geburtenstarke Bevölkerungen erkämpfen?

Gewalt geht nicht nur von Bomben, sondern von jedem Eingriff in den Lebensraum anderer aus:
Bürger reicher Länder rufen Gewalt hervor, solange sie im Mittel ein Vielfaches des Weltdurchschnittes an Ressourcen verbrauchen.
Bürger ärmerer Länder rufen Gewalt hervor, solange sie mehr Kinder in die Welt setzen, als diese tragen kann.
Die Einschränkung des für alle verfügbaren Umweltraumes, sowie die Naturzerstörung durch den zu hohen Verbrauch zu vieler verschärfen den Verteilungskampf um immer knapper werdende Naturressourcen und werden zur Ursache neuer Kriege. Der Einsatz von Zerstörungshochtechnologie beschleunigt die Enstehung von Kriegen, weil er Schule macht.

Wann verzichtet die Weltgemeinschaft endlich in einer verbindlichen Vereinbarung auf den Einsatz von Gewalt und Zerstörungstechnik, wie Atomwaffen, als Mittel zur Lösung von Konflikten?

Andreas Babler
Vizepräsident der sozialistischen Weltjugendinternationale (IUSY)
Verbandssekretär der Sozialistischen Jugend Österreich (SJ)

Alljährlich versammeln wir uns, um unseren Protest gegen Atomwaffen auszudrücken. Gleichzeitig sind auch wir es, die für die immerwährende Neutralität Österreichs und gegen einen Beitritt zur NATO oder WEU eintreten. Österreich hat keine Atomwaffen. Allerdings bedingen NATO und Atomwaffen einander. Wie uns die Erstschlagsdebatte im vergangenen Herbst zeigte, baut die NATO weiterhin ihre Militärstrategie auf Atomwaffen auf. Die Erhaltung der Neutralität ist für unser Land der Garant, nicht der Atomwaffen-NATO anzugehören.

Auch international hat sich leider im letzten Jahrzehnt einiges zuungunsten der Debatte um weltweiten Frieden und insbesondere um Atomwaffen entwickelt.

Das Nichtmehrweiterexistieren des Warschauer Vertrages, insbesondere der Sowjetunion und der Deutschen Demokratischen Republik, hat nicht nur das internationale Proletariat in der Frage des weltweiten Kampfes um die Eigentumsverhältnisse stark geschwächt, sondern auch in jener nach Frieden und der Beseitigung der Atomwaffen. War es noch 1989 die Sowjetunion, die einen Appell zur weltweiten Abrüstung der Atomwaffen an alle Staaten richtete, gibt es seitdem seitens der kapitalistischen Großmächte keine ernstzunehmenden Bestrebnisse, auf diese Waffen – welche ihre imperialistischen Herrschaftsverhältnisse bzw. -interessen absichern – zu verzichten.

Als Sozialistinnen und Sozialisten haben wir deshalb jede Gelegenheit – auch jene dieses Gedenktages zu nutzen, um für unser Ziel nach der Errichtung eines anderen, besseren Gesellschaftssystems einzutreten. Kampf gegen Atomwaffen ist auch Klassenkampf auf allen Ebenen!

Gegen die Militärblöcke NATO und WEU!
Für immerwährende Neutralität!
Gegen Atomwaffen!
Zukunft ist Sozialismus!

Univ.-Prof. Dr. Erwin Bader
Erster Vorsitzender des Universitätszentrums für Friedensforschung

 

Posted in Abrüstung, Friedensbewegung