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Stellt die Friedensfragen!

Von der Gewaltfreien Kommunikation zur Befriedigenden Kommunikation

Erstellt am 26.01.2011 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 3264 mal gelesen und am 19.02.2011 zuletzt geändert.

Kommunikation mit friedlichen Mitteln – Überarbeiteter Artikel  vom January 4th, 2007:

Seit einiger Zeit ist die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg in vieler Munde. Ich habe mit dem Begriff Gewaltfreiheit meine liebe Not, denn wie Gunter Schmidt (Hypnotherapie nach Erikson), Watzlawik (Anleitung zum Unglücklichsein und Ausführungen zu therapeutischer Sprache) und DeMausse (Fantasieanalyse) aufzeigen, ist der Begriff ein trojanisches Pferd. Es handelt sich um eine falsche Übersetzung von „Non-Violent Communication“ aus dem Englischen.

Zur Erläuterung schlage ich ein kleines Experiment vor: Schließ die Augen und
entspanne Dich und
denke eine Minute lang nicht an Gewalt!

Ergebnis?

  1. Die Vorstellung versteht Negation in der Regel nur schwer direkt.
  2. Das Vor- und Unterbewusste arbeitet stark mit Bildern.

Da ich inzwischen – trotz dieser begründeten Widerstände – in die Bibel der “Gewaltfreien Kommunikation” rein gelesen habe, habe ich beschlossen, meine Version der Kommunikation mit Friedlichen Mitteln daraus abzuleiten. Denn:

Vieles scheint an der Methode von Rosenberg brauchbar für Friedenszwecke.

(Auch, wenn sein Vorname, Marshall, in meinen Ohren – wider besseres Wissen – klingt wie ein US-Bundes- oder gar Welt-Sherif).

Die friedlichen Mittel habe ich bei Galtung entlehnt, dem ich ebenfalls in vielen Punkten kritisch folge.

Aus Wikipedia entnehme ich:

>>Die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) ist eine von Marshall B. Rosenberg entwickelte Kommunikations- und Konfliktlösungsmethode, die zur Absicht hat, in einen Kontakt mit anderen oder sich selbst zu treten, in welchem Geben und Nehmen ein fließender Prozess ist, und es freiwillig passiert. Es geht also nicht darum, andere dazu zu bringen, zu tun, was man will. Ziel ist die Anliegen aller Parteien aufzudecken und zu berücksichtigen. Rosenberg nennt die GfK auch “language of the heart” oder “Giraffensprache“, mit der Giraffe als Symboltier für die GfK, denn sie ist das Landtier mit dem größten Herzen. Der Name Gewaltfreie Kommunikation bezieht sich gleichermaßen auf eine Haltung, wie auch auf eine Methode, wobei die Methode nur ihre Wirkung entfalten kann, wenn sie mit der besagten Absicht genutzt wird.<<

Haifisch und Blau-Walsprache

  1. Als ehemaliger Schwimmer halte ich es lieber mit den Blau-Walen (die größten friedlichen Tiere) und
  2. als sinophiler Österreicher mag ich lieber Tiere – wie mein Sternzeichen –
  • den Steinbock. Er steht für Friede und Kraft  oder
  • Schweine die in der chinesischen Astrologie als gutmütig gelten und bezüglich Haut und Kreislauf dem Menschen am ähnlichsten sind oder
  • Hasen (kuschelig und MeisterInnen der Flucht)

als Symboltiere.

Und Giraffen finde ich auch nett. […]

Theoretischer Hintergrund

Die GfK

Sie steht in der Tradition der klienten-zentrierten Gesprächstherapie, die von Rosenbergs Lehrer Carl Rogers entwickelt wurde. Ich habe mich intensiv mit einem anderen Schüler von Rogers, Gordon, auseinander gesetzt und einige seiner Tools in mein Repertoire aufgenommen.

  • Das einfühlsame Zuhören steht bei Rogers im Mittelpunkt,
  • die GfK geht jedoch über den gesprächstherapeutischen Rahmen hinaus.

Beeinflusst ist die GfK auch von Gandhi und seinen Überlegungen zur Non-Violence (Nicht-Gewalt), oder in Hindi Ahimsa genannt. Dieser Begriff basiert bei Gandhi aus seinem Verständnis der Upanishaden.

Gandhi fasziniert mich ebenfalls, allerdings sind

  • sein Charisma und
  • seine Herkunft

für mich nicht imitierbar. Außerdem ist beispielsweise

  • sein Verhältnis zu seiner Frau und
  • zu anderen Frauen

über weite Strecken seines Lebens sehr patriarchalisch. Göttner-Abendroth hat in ihren Schriften über das Matriarchat diese Wurzel im Hindusmus gründlich beleuchtet.

Die Emanzipation, Befreiung aus der Sklaverei der Geschlechterrollen, von Frauen und Männern spielt in meinem Denken – post 68 – eine größere Rolle als bei Gandhi.

GFK und andere Konfliktbearbeitstechniken

Viele Elemente der GfK finden sich auch in anderen Konfliktbearbeitungstechniken, wie

  • im Gütekraft-Konzept von Martin Arnold,
  • der Mediation und
  • den Win-Win-Strategien.

Werner Ernst  –  und sein Zugang zur Friedensforschung über die Frankfurter Schule und Postmoderne Denker – gaben mir ebenfalls wichtige Impulse. Ich bin sehr sensibilisiert für

  • maskierte Denkgewalt und
  • Pseudofrieden – wie ihn Orwell in seiner Neusprache oder Karl Kraus in seinen Werken so schön und partiell befriedigend „wortgewaltig geißelte”.

Erläuterung und Adaption des Konzepts von Rosenberg

Rosenberg geht davon aus, dass die Form, in der wir miteinander kommunizieren, einen entscheidenden Einfluss darauf hat, ob

  • wir Empathie für unser Gegenüber entwickeln und
  • unsere Bedürfnisse erfüllen können.

Der Begriff der Bedürfnisse ist mir – seit der Habilitationsschrift von Marianne Gronemeyer – suspekt, denn

  • er ist zwar , meist unhinterfragt, grundlegend in fast allen gängigen psychologischen, pädagogischen und sozialwissenschaftlichen Diskursen.
  • Die Konzepte der Bedürftigkeit konstruieren aber regelmäßig Menschen als versorgungsbedürftige Mängelwesen.

Ich sehe Menschen lieber

  • als fähige Lebewesen und
  • fokussiere so oft wie möglich auf die unermesslliche Fülle der Ressourcen und zahlreichen Lösungsmöglichkeiten, die sich für einen offen Blick bieten.

Rosenberg nennt dies “mit dem Leben tanzen”. Das finde ist eine schöne Methapher für einen lustvollen Zugang. Im Zentrum steht

  • ein Miteinander (schön),
  • das nicht verurteilt (mir gefällt besser das Engagement für Allparteilichkeit – die auch gegen sich selbst denkt, wie Adorno das in der negative Dialektik nahelegte), sondern
  • auf die Bedürfnisse (Fähigkeiten und Anliegen) und Gefühle gerichtet ist, die hinter Handlungen (Verhaltensweisen) und Konflikten stehen.

Anwendungsbereiche Befriedigender Kommunikation

Das Konzept der Kommunikation mit friedlichen Mitteln kann in vielen Bereichen verwendet werden, so z. B. in Schulen, Universitäten, Organisationen, Institutionen, engen Beziehungen, Therapie, Beratung, Verhandlungen, Diplomatie und bei allen Arten von Konflikten. Die GfK und aus ihr entwickelte die Kommunikation mit friedlichen Mitteln (KfM) ist

  • weniger als Kommunikations-Technik zu betrachten, sondern
  • als Bewusstwerdung über Möglichkeiten des empathischen Kontaktes (sinnvollen friedlichen Lebens).

So reicht es nicht, das Grundmodell stur anzuwenden, sondern es ist eine veränderte Einstellung zum Gegenüber ist notwendig, um die Kommunikation und das Wohlbefinden zu verbessern.

Rosenberg und ich betrachten zwei gegenläufige Formen der Kommunikation, nämlich die (Gewaltfreie) Friedensorientierte Kommunikation (”Walsprache”/”Giraffensprache”/) und die Lebensentfremdende Kommunikation (”Wolfssprache”/Fuchs-, Chamäleon-, Hai-Sprache, …).

Lebensentfremdende Kommunikation

Unter ‘Lebensentfremdender Kommunikation’ versteht Rosenberg Formen der Kommunikation, die kurz- wie langfristig zu Gewalt gegen uns selbst und andere beitragen. Dabei ist mit Gewalt keineswegs nur die physische gemeint ist.

Gewalt ist – in meinem und Rosenbergs Konzept – ein weitgefasster Begriff, der jedes Erfüllen eigener Bedürfnisse/Anliegen auf Kosten anderer miteinbezieht. Gewalt

  • vermindert so die Empathie mit uns und anderen.
  • Sie entfremdet uns.

Es sind vor allem drei Elemente, die Teil der ‚Lebensentfremdenden Kommunikation’ sind:

  1. Moralisches Urteilen oder Verurteilen von Leuten, die sich nicht in Übereinstimmung mit unseren Werten verhalten, ebenso das Diagnostizieren, Zuschreiben und Vergleichen von Eigenschaften, die beschreiben, wie die Menschen angeblich sind (gut, schlecht, schön, hässlich, normal, abnormal, selbstsüchtig, selbstlos, verantwortungsbewusst, -los, schlau, dumm, gesund, krank, fleißig, faul, …)
  2. Leugnen der Verantwortung für eigene Gefühle und Handlungen
  3. Stellen von Forderungen

zu 1. Das Urteilen über Menschen

  • Es geht oft mit dem Gefühl von Ärger einher.
  • Vor allem das „Fehlverhalten der anderen“ wird analysiert und verurteilt. Der oder die andere wird als schlecht, egoistisch oder böse gesehen (die Schurken, BMW-Fahrer, die Weiber …).
  • Als Ursache eines Konflikts gilt das falsche Verhalten anderer.
  • Hinter den Handlungen liegende Anliegen, Bedürfnisse, Unfähigkeiten und verschütteten Möglichkeiten werden eher verschleiert und unterdrückt, als offengelegt.

Rosenberg unterscheidet zwischen moralischen Urteilen und Werturteilen.

Wenn wir nun ein Verhalten antreffen, das unserem Werturteil widerspricht, neigen viele Menschen dazu, andere Personen moralisch zu verurteilen. Rosenberg schlägt – wie Rogers und viele andere kluge Menschen – vor,

  • das Werturteil zu verteidigen,
  • ohne die Person zu verurteilen.

So kann das Verhalten von der Person getrennt werden. Das ist – in meinen Augen – eine sehr wertvolle Differenzierung der Wahrnehmung.

Wenn sich zum Beispiel ein Vorgesetzter über Fehler von Mitarbeitern lustig macht, könnten ich, Sie oder du sagen:

„Mir ist es wichtig, sich über Fehler anderer nicht lustig zu machen. Ich bekomme dann Angst, dass man sich auch über mich in schädlicher Weise lustig macht, wenn ich einen Fehler mache!

Lebensentfremdende Kommunikation wäre: Sie sind arrogant.

Das Ersparen moralischer Urteile kann ganz pragmatisch sein. Denn:

  1. Die Chance, dass unser Anliegen erfüllt wird, steigt meist, wenn wir andere nicht verurteilen.
  2. Letztendlich sagen wir bei friedensorientierter Kommunikation auch inhaltlich mehr.

Vermischung von Beobachtung und Bewertung

Rosenberg zitiert in diesem Zusammenhang gerne den indischen Philosophen Krishnamurti:

“Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist die Fähigkeit zu beobachten, ohne zu bewerten.”

Wobei Wertfreiheit eigentlich unmöglich scheint, wie im Positivismusstreit zwischen Adorno und Popper klar wurde.

Ich zitiere immer dann, wenn die Intelligenz zur Keule wird, gerne Forest Gump:

„Meine Ma sagt, dumm ist, wer dumme Dinge tut!“

Beispielsweise, wer nie gegen sich selbst und seine Urteile denkt. Wobei

  1. Beobachtung und
  2. kritische Wahrnehmung

gegenüber vorschnellen und unreflektierten Werthaltungen und Urteilen viele günstige Effekte haben.

zu 2. Leugnen von Verantwortung

  1. Ich kann sowohl die Verantwortung für Handlungen als auch für Gefühle leugnen.
  2. Ich kann andere für meine Handlungen verantwortlich sehen und machen.
  3. Ich kann aber auch gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen vorschieben, – beispielsweise: Ich muss heute Abend lustig sein, weil das eine gesellige Runde ist (und man dort lustig ist).
  4. Ich kann auch die Verantwortung für die eigenen Gefühle leugnen oder sie anderen zuschieben.
    Eine Mutter sagt beispielsweise zu ihrem Kind: Jetzt bin ich ganz traurig, weil du die Hose schmutzig gemacht hast.
  • Hinter diesem Gefühl lässt sich ein Anliegen der Mutter vermuten (z. B. heute einen arbeitsfreien Tag zu haben) und es ist keine zwangsläufige Reaktion.
  • Die Mutter könnte sich auch freuen, dass das Kind mit Freunden gespielt hat.

Ich, Rosenberg – wie dereinst Rogers – schlagen in solchen Fällen vor:

  1. in der Ich-Form zu reden und
  2. von den eigenen Anliegen (Bedürfnissen) auszugehen.

Eine häufige Form des Leugnens der Verantwortung für eigene Gefühle sei, nach Rosenberg, das Äußern von „Pseudogefühlen“, die eigentlich eher Gedanken seien.

Beispielsweise: „Ich fühle mich provoziert“.

Hier handele es sich um ein Pseudogefühl, weil ein Urteil über den anderen („als Provokateur, …“) impliziert wird und nicht beschrieben wird, was das Verhalten des oder der anderen mit mir macht.

zu 3: Das Stellen von Forderungen anstatt von Bitten

Auch Forderungs-Kommunikation verringert in der Regel die Empathie zwischen Menschen.

Der Unterschied zwischen Bitte und Forderung ist, dass

  • eine Bitte auch nicht erfüllt werden kann,
  • bei einer „Forderung“ drohen negative Sanktionen. Dies muss nicht immer in Form von offensichtlichen Strafen, wie z. B. Taschengeldabzug oder aggressivem Verhalten passieren, es kann auch durch die Erzeugung von Angst oder Schuldgefühlen beim Gegenüber passieren.

Wenn in einer Partnerschaft geäußert wird: Ich möchte, dass Du mehr Zeit mit mir verbringst, dann kann dies eine Bitte, aber auch eine Forderung sein. Und zwar,

  • wenn er oder sie der “Bitte” nicht nachkommt und
  • er/sie ihm oder zu verstehen/unterstellt gibt: “Du lässt mich total alleine, du bist egoistisch.” So zeigt sich, dass die Bitte eigentlich eine Forderung war.

Friedliche Kommunikation(GfK) ist keine Methode, um andere zu manipulieren, auch eine gestellte Bitte kann abgelehnt werden. Allerdings erhöht diese Form der Kommunikation die Chance aller, ihre Anliegen (Bedürfnisse) besser zu erfüllen.

Grundmodell friedlicher bzw. allseits befriedigender Kommunikation (GfK bzw. bfK)

Rogers, Rosenberg und ich gehen – im Sinne eines humanistischen Menschenbildes – davon aus, dass

  • Menschen unter freien Bedingungen meist gerne geben und die empathische Verbindung zu Mitmenschen suchen.
  • Kommunikation/Verständigung soll helfen, mich ehrlich auszudrücken und empathisch zuzuhören.
  • Einfühlung/Mitgefühl/Empathie gilt als eine Grundvoraussetzung gelingender Kommunikation und sie hilft meist auch, mit Menschen zu kommunizieren, die selbst nicht gewaltfrei kommunizieren oder aggressiv und gewalttätig sind. Denn: Sie gibt anderen die Möglichkeit, sich zu verändern ohne das Gesicht zu verlieren.

Das Grundmodell befriedigender Kommunikation kann

  • uns also helfen, uns verständlich zu machen.
  • Es kann aber auch genutzt werden, um die Aussagen anderer zu verstehen.

In Verbindung mit Thoreau/ Gandhi/ Galtung könte aus der Selbstbehauptung bei Rogers/ Gordon (durch klare Ich-Botschaften) ein allseits befriedigendender bzw. friedlicher Widerstand und Aufstand werden.

Vier schritte allseits befriedigender Kommunikation

Die vier Schritte, auf denen meine Version friedlicher Kommunikation in Anlehnung an Rosenberg & Co beruht, lassen sich unter vier Stichworten zusammenfassen:

Beobachtung, Emotion, Anliegen, Bitte

  1. Beschreibe zuerst eine konkrete Handlung, beobachte welches Verhalten dein Wohlbefinden beeinträchtigt. Wichtig ist in der Folge, tatsächlich eine Beobachtung zu äußern und sie nicht mit einer Bewertung zu vermischen. So ist die Aussage „Du beachtest mich nicht“ in einer Ehe keine Beobachtung. Erstens impliziert sie eine Bewertung, ein Urteil über den anderen, und zweitens ist sie zu abstrakt und allgemein. Du hast in der letzten Woche keinen Abend mit mir verbracht spezifiziert die Aussage, ohne den anderen zu bewerten. Wird eine Beobachtung mit einer Bewertung vermischt, neigt das Gegenüber dazu, nur die Kritik zu hören. Die Chance, dass unsere Anliegen gehört werden und dass auch wir die Anliegen des/der Anderen hören, verringert sich. Es kommt vor, dass trotz bewertungsfreier Äußerungen vom Gegenüber eine Kritik herausgehört wird. Hier hilft es, den Anderen das Gesagte paraphrasieren zu lassen, beziehungsweise seine Worte in eigenen Worten wiederzugeben. (siehe auch: aktives Zuhören).
  2. Dann bringen wir unsere Emotionen/Gefühle mit dem in Verbindung, was wir beobachten. Wir erklären anschließend dem/der Anderen, was wir dabei fühlen und es ist oft hilfreich, ihn/sie auch nach seinem/ihrem Gefühl zu fragen. Ob wir nun bei unserem oder ihrem/seinem Gefühl bleiben, beides hilft, um in einen empathischen Kontakt zu kommen. „Ich fühle mich einsam“ wäre hierbei die Äußerung eines Gefühls, „Ich fühle mich vernachlässigt“ dagegen die Äußerung eines Pseudogefühls. Wichtig ist es in derKommunikation, die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen. Manchmal reagieren wir oder Andere auf bestimmte Situationen mit mehreren Gefühlen. Hier hilft es, die Gefühle nacheinander zu betrachten.
  3. Nun betrachten wir unsere aktuellen Anliegen, Alternativen, Vorstellungen und Wünsche, aus denen die Gefühle entstanden. Hinter bestimmten Gefühlen stehen nach Rosenberg immer Bedürfnisse. Ich spreche lieber von Anliegen oder Wünschen. Vielleicht steht hinter dem Gefühl der Einsamkeit der Wunsch, beachtet und geliebt zu werden. Oftmals sind uns die Anliegen von uns und anderen aber nicht auf den ersten Blick erkennbar. Sie bleiben uns selbst und anderen verborgen. In diesem Fall können wir uns ratend den Anliegen des oder der anderen nähern. Bei Handlungen oder Aussagen, die uns ärgern, hilft es uns, die dahinter liegenden Antriebe und Beweggründe zu erfragen und zu verstehen. Möglicherweise lehne ich beispielsweise rassistische Aussagen ab. Verstehe ich jedoch glaubwürdig die dahinter liegenden Anliegen von abfälligen, gewalttätigen Äußerungen über andersartig dargestellte Menschen, dann kommt es zur Empathie. Wir können dann anschließend unsere Wertvorstellungen durchaus verteidigen, die aus unseren Erfahrungen, Anliegen und Werten entspringen, ohne den Kontakt zum anderen zu verlieren.
  4. Abschließend erbitten wir eine konkrete Handlung, “damit unser aller Leben reicher” wird. Um Bitten verständlich zu äußern, empfehle ich, sie mit den eigenen Anliegen und Gefühlen in Verbindung zu bringen. Rosenberg schlägt hier vor, Bitten in einer “positiven Handlungssprache” zu formulieren. Zum einen bedeutet dies, nicht zu sagen, was jemand tun oder nicht tun sollte, sondern was man sich von jemandem erbittet. Wenn ich sage: Ich möchte, dass du nicht mehr die ganze Zeit weg bist!, dann ist noch lange nicht sicher, ob verstanden wird, was ich eigentlich möchte. Je konkreter die Handlung, um die gebeten wird ist, umso besser: Ich bitte dich mir zu sagen, ob du am Dienstag Zeit und Lust hast mit mir ins Restaurant zu gehen. Auch hier hilft es, das Gesagte paraphrasieren zu lassen.
    So können Missverständnisse vermieden werden – Wenn Du es eilig hast, gehe langsam!

Die Friedliche Kommunikation lässt sich in Anlehnung an Rosenberg in folgendem Satz zusammenfassen:

  • “Wenn du a tust, dann fühle ich mich b, weil mir c gut tut. Deshalb möchte ich jetzt gerne d.”
  • Am bereits bekannten Beispiel veranschaulicht:
    “Wenn du keinen Abend in der Woche mit mir verbringst, dann fühle ich mich einsam, weil mir Liebe und Beachtung gut tut. Deshalb bitte ich dich darum, dass du mir sagst, ob du am Dienstag Zeit und Lust hast, mit mir ins Restaurant zu gehen.”

Dieses Grundmodell sollte, wie gesagt, kreativ angewendet werden (nicht stur).

  • Es kann variieren in der Reihenfolge und ist eher als eine Hilfe gedacht.
  • Soziale Beziehungen können durch die Filter der friedlichen Kommunikation leichter mit einem anderen Bewusstsein gepflegt werden.
  • Sie sollten nicht zur Sozialtechnik ohne Mitgefühl werden.
  • Friedliche Kommunikation ist nicht von heute auf morgen in allen Lebenslagen anwendbar.
  • Sie bedarf ständiger Übung.

Ob man mit dieser Art friedlicher Kommunikation (fK) bei massiven Übertretungen durch andere Grenzen ziehen kann, darüber wird in Fachkreisen sicher noch diskutiert und sogar vielleicht sogar manchmal „gewaltig gestritten“ werden. Sie ist jedoch, wie meine Arbeit seit 2007 mit Menschen zeigt in der Praxis ein bewährtes Mittel, um in konfliktreichen Kommunikationssituationen die Chance zu erhöhen, empathisch miteinander umzugehen, und die gegenseitigen Anliegen zu erfüllen. Ich bin selbst oft überrascht wie stark und weitreichend die Wirkungen „Friedlicher Kommunikation“ sind.

 

Posted in Friedensarbeit, Friedensbewegung, Friedensforschung, Friedenskultur, Friedenspädagogik, Friedenspsychologie, Gewaltprävention

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