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Stellt die Friedensfragen!

100 Jahre Friedensnobelpreis an Alfred H. Fried

Erstellt am 02.12.2011 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 4336 mal gelesen und am 05.12.2011 zuletzt geändert.

Podiumsdiskussion anlässlich 100 Jahre Friedensnobelpreis an Alfred H. Fried: Frieden entdecken in Wien - Erinnerung an den Friedensnobelpreistraeger Alfred H. Fried

Wenn nur die Wände in im Parlament Ohren hätten

Doro Erharter, Vorständin im ZIMD Zentrum für Interaktion, Medien & soziale Diversität

 

Foto: Parlamentsdirektion/Carina Ott

Wie die Parlamentskorrespondenz Nr. 1172 vom 01.12.2011 meldete gab es gestern eine Podiumsdiskussion anlässlich 100 Jahre Friedensnobelpreis an den Wiener A. H. Fried.

Es wurde

  • dem österreichische Publizist und Verleger und Friedensforscher Alfred Hermann Fried gedacht, denn er war einer der wichtigsten Vorkämpfer der europäischen Friedensbewegung und seine Bücher waren politisch so brisant, dass sie gleich vier mal aus dem Verkehr gezogen oder gar von den Nazis verbrannt wurden.
  • aber den Fragen nachgegangen werden, warum Menschen, die sich für Frieden einsetzen, so oft vergessen werden und wie der Begriff des „Gutmenschen“ zu einem Schmähwort werden konnte.

Vor Eingang in die Diskussion, an der

  • Peter van den Dungen (Universität Bradford),
  • der Autor Walter Göhring,
  • Petra Schönemann-Behrens (Fried-Biografin aus Oldenburg) sowie
  • die Schriftstellerin Susanne Jalka, die vor kurzem das Buch „Frieden entdecken in Wien“ herausgegeben hat,

teilnahmen, begrüßte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer die Gäste. Zudem hatte das erlesene Publikum im Rahmen der Veranstaltung die Möglichkeit, den Film „Österreichs vergessener Visionär – Der Friedensnobelpreisträger Alfred H. Fried“ zu sehen und einige interessante Beträge zum Diskurs um den wackligen Frieden in Österreich, Europa und der Welt zu leisten. Gefordert wurde eine gesetzliche Verpflichtung zum Friedensjournalismus in Österreich und Europa. Redakteure sollten angehalten werden mehr als zynische Kommentare zum Thema Frieden zu verspritzen. Frieden ist zu wichtig. Er darf nicht wie bisher üblich dem Versagen von Markt und Staatsräson überlassen werden.

Eine Bundesstiftung für Friedensforschung und Friedensarbeit – wie sie in Schweden, der Schweiz und Deutschland teilweise seit Jahrzehnten existiert – ist in Österreich überfällig. 2014 wäre dafür ein gutes Jahr. Damals wurde der Weltfriedenskongress im Wiener Parlament abgesagt und die kuk österreichische Monarchie verursachte den I. Weltkrieg. Hätte man auf Fried gehört wäre Österreich vielleicht eine konstitutionelle Monarchie – wie Schweden mit einer Friedensstiftung des Parlaments. Kaum auszudenken wie die Welt heute aussehe, wenn rationale Pazifisten wie Fried und ihre Pläne der Weltorganisation konsequent realisiert geworden wären. Fried hat vorgerechnet was passiert, wenn Sozial- und Bildungsausgaben gekürzt werden wie für 1914 oder in den Jahren seit 1997. Es wurde auch ein Friedensministerium und eine EU-Friedensagentur sowie ein Peace-Center oder ein Bertha von Suttner Museum in Wien gefordert. Der neue Zentral-Bahnhof könnte ja Fried-Bahnhof oder Suttner-Bahnhof genant werden. Ideen gab es viele am Podium und im Publikum. Leider waren keine aktiven Abgeordneten im Publikum. Doch die wissen sicher, dass sie in Friedensfragen im die besten Infos bei friedensnews.at finden. Wir warten täglich, dass einer der ParlamentarierInnen unsere unermüdliche Arbeit würdigt und den Spendenbutton großzügig betätigt.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Pete Hämmerle (Internationaler Versöhnungsbund).

Österreichs vergessener Visionär – Alfred Hermann Fried

Der in Wien geborene Alfred Hermann Fried (1864-1921) ist im Jahre 1891 durch Bertha von Suttner, mit der er bis zu ihrem Ableben im Juni 1914 intensiv zusammengearbeitet hat, auf die organisierte Friedensbewegung aufmerksam geworden. Ab Mitte der 1890er Jahre konzentrierte er sich ausschließlich auf seine Arbeit als pazifistischer Schriftsteller und Journalist. 1899 gibt er etwa die Zeitschrift „Friedens-Warte“ heraus, die bis heute erscheint. Fried war

  • ab 1895 auch regelmäßiger Teilnehmer von Weltfriedenskongressen,
  • arbeitete als Berichterstatter bei den Haager Konferenzen 1899 und 1907 und
  • war ab 1907 Ratsmitglied des Internationalen Friedensbüros in Bern.
  • Seine Reputation als hervorragender Theoretiker des Pazifismus festigte sich im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg, indem er in mehreren Publikationen – insbesondere in der Monographie „Die Grundlagen des revolutionären Pacifismus“ (1908) – ein pazifistisches Konzept formulierte, das der Friedensbewegung eine theoretische Grundlage verlieh und das Interesse von Personen weckte, die sich bis zu diesem Zeitpunkt kaum mit dem Pazifismus auseinandergesetzt hatten.
  • 1911 wurde ihm als zweiten Österreicher in der Geschichte (1905 Bertha von Suttner) der Friedensnobelpreis verliehen.

HINWEIS: Fotos zu dieser Veranstaltung finden Sie  uf der Website des Parlaments (www.parlament.gv.at) unter Service im Fotoalbum.

 

Posted in Friedensbewegung, Friedenspolitik

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