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Rüstung für Weltuntergang vor Klimagau

Erstellt am 14.12.2022 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 463 mal gelesen und am 23.12.2022 zuletzt geändert.

„Nach Rüstung folgt Krieg“, so die knappe Schlussfolgerung des Friedensforschers Ulrich Albrecht in den 1970er Jahren. Also vor 50 Jahren. „Der nächste Big Bang scheint wohl noch vor 2030 zu erwarten.“

Felix Eick Redakteur für Wirtschaft und Finanzen veröffentlichte zu den Leitwörtern WIRTSCHAFT – CO2-EMISSIONEN, am 29.08.2020, einen hervorragenden Post zum Thema “ Krieg und Rüstung – Die vergessenen Klimasünder“

Die Story startet mit einem Bild eines Panzers der jede Menge Staub aufwirbelt. Der Text dazu: „Der Fußabdruck eines Panzers ist bei Herstellung, Betrieb und Wartung extrem hoch“

Die Welt sei auf der Suche nach CO2-Einsparmöglichkeiten. Keine Kosten würden gescheut. „Doch zwei große Verursacher von Treibhausgasen werden in den Debatten bisher scheinbar bewusst ausgeklammert.“

Worum gehe es?

Der Artikel arbeitet verdienstvoll folgende Bullets ab: (Auf Links klicken um zum entsprechenden Abschnitt im Original-Text zu gelangen

Würde ein Kleinwagen wie ein Panzer auf 100 Kilometern 414 Liter Treibstoff verbrauchen, dann müsste er alle zehn Kilometer tanken. Und dann würde sich wohl kaum jemand finden, der dieses Auto kaufen wollte. Vor allem in Zeiten, in denen der Klimaschutz eine immer wichtigere Rolle spiele, hofft Eick sympathisch naiv. Doch selbst Schwarzenegger & Co fahren gerne mit Hummer. Er ist wohl auch als Mega-E-SUV eher eine Lösungsillusion.

Und doch es gäbe Fahrzeuge mit solch einem Durchschnittsverbrauch:
„einen Leopard-2-Panzer zum Beispiel“. 

Das Kettenfahrzeug stehe im Artikel sinnbildlich für zwei der weltgrößten Schadstoff-Emittenten, die nicht im Pariser Klimaabkommen auftauchen. Sie können daher bis heute nicht einmal vom Weltklimarat zu Berichten verpflichtet werden:

„Krieg und Rüstungsindustrie“.

„Ambitionierte Klimaziele und Aufrüstung passen schwerlich zusammen. Die Fertigung von Waffen, Fahrzeugen, Jets und Schiffen verursacht Treibhausgase, Militär-Vehikel schlucken enorme Mengen Treibstoff, in Übung und Einsatz, die Wartung ist aufwendig, die Munition ein wahres Wegwerfprodukt. Wie viel CO2 das Geschäft verursacht, ist schwer zu beziffern. Staaten und Konzerne verstecken sich hinter fehlenden Berichtspflichten und dem Schutz der nationalen Sicherheit.“, so bringt Eick das Datenleck auf den Punkt.

Darüber hinaus gab es 2020 8 Staaten, die nicht Teil des Pariser Klimaabkommens wurden. Die Türkei war 2020 das einzige G20-Mitglied, das nicht Mitglied des Pariser Klimaabkommens ist. „Der Klimawandel ist ein politisch und emotional aufgeladenes Thema …“

Die Rüstungsbranche – zB Hensoldt rechnet, laut Börse.de, „für 2023 nun mit einem Umsatzwachstum zwischen 7 und 10 Prozent, nachdem bisher ein Plus im mittleren bis höheren einstelligen Bereich avisiert worden war.“ Die erwarteten höchsten Militärausgaben aller Zeiten im Jahr 2022 werden wohl 2023 und danach noch weiter verheerend explodieren und die bisherigen Schäden exponentiell ansteigen lassen. Der nächste Big Bang ist wohl noch vor 2030 zu erwarten.

„Die Zahlen und Daten sind in Statistiken versteckt, die man mühevoll zusammensuchen muss, um zumindest eine Ahnung zu bekommen.“ Klar sei nur: Im Jahr 2018 betrug das globale Militärbudget 1,8 Billionen US-Dollar – also floss jeder 47. weltweit ausgegebene Dollar ins Militär. Die weltweiten Militärausgaben stiegen im Jahr 2021 auf über 2 Billionen Dollar, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri) heuer mitteilte.

Treibhausgas-Emissionen der deutschen Rüstungsindustrie?

Die deutsche Bundesregierung gab auf eine entsprechende Anfrage der Linksfraktion an, sie könne den Ausstoß für Deutschland nicht beziffern.

Kristina Juhrich, Expertin im Umweltbundesamt (UBA) für Emissionssituationen, verweist auf die UN-Energiestatistiken. 2018 waren dort zumindest einige Emissionszahlen zu finden. Demnach fielen bei der Produktion von Waffen in Deutschland 32.000 Tonnen CO2 an. 8700 Tonnen entstanden bei der Herstellung von Kampffahrzeugen.

Das sei zwar nur ein Bruchteil der 805 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, die Deutschland jedes Jahr ausweise. Doch die Energiestatistik stelle schließlich auch Gesamtemissionen von Ländern und nicht von Produkten dar. Rüstungsproduktions-Emissionen verstecken sich großteil in anderen Wirtschaftszweigen.

VERTEIDIGUNGSBUDGETs 2021, 2022, 2023, …
Wirtschaft drängt Bundesregierung zu höheren Militärausgaben

Kampfflugzeuge zum Beispiel

Sie fallen unter die Rubrik des Luft- und Raumfahrzeugbaus mit einem Gesamtausstoß von 193.000 Tonnen CO2.

Schuss- und Artilleriewaffen tauchen in den Kategorien „Reparatur von Metallerzeugnissen“ und „Installation von Maschinen und Ausrüstung“ unter.

Die Emissionen für Strom und Wärme

Sie werden unter Energie berichtet. „Der Grundstoff vieler Waffen, der „emissionsrelevante“ Stahl, wird bei der Eisen- und Stahlproduktion verbucht, die zuletzt mehr als fünf Prozent der deutschen CO2-Emissionen verursachte.“

„Zurückhaltende Rüstungskonzerne“

Der Rüstungsindustrie scheine das Thema unangenehm zu sein, so Eick. Auf eine Anfrage der Welt, wie die Energiebilanz für den Bau eines Eurofighters aussähe, sagte ein Sprecher des deutsch-französischen Herstellers Airbus nur, „die Produktionsstandards würden eingehalten“.

Die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH teilte mit, „alle Partner – also Airbus, BAE Systems und Leonardo – hätten sich verpflichtet, die Auswirkungen von Betrieb und Lieferketten auf die Umwelt zu verringern. Der Waffenkonzern Heckler & Koch nennt ebenso keine Zahl.“

Nur Rheinmetall, ein Hersteller von Panzern äußerte zumindest eine Zahl: Demnach betrug der CO2-Ausstoß durch Strom und Wärme im Jahr 2016 rund 750.000 Tonnen CO2. Die teilsweise zivile Produktion von Autoteilen (40 Prozent) sei hier eingerechnet. Bleiben also vermutlich mindestens 60 % oder 450 000 Tonnen. Wer also alle Menschen in der Rüstungsindustrie arbeiten würden, dann wäre der Planet wohl schon endgültig kaputt. Wir würden sicher mehr als 10 Planeten pro Jahr verbrauchen. Ein Blick auf internationale Daten zeige, laut Eick aber, „dass Deutschland ein eher kleines Licht ist“.

Das sind die größten Rüstungskonzerne der Welt 2022

12. Apr. 2022Rüstungsindustrie: Die 15 größten Rüstungskonzerne der Welt im Ranking 2022 mit Lockheed …

Der SIPRI-Vergleich der umsatzstärksten Rüstungsfirmen listete 2018 den größten deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall auf Platz 22. Allein der regelmäßige „Branchenführer Lockheed Martin machte im Jahr 2018 einen zwölfmal höheren Umsatz und produzierte dabei wohl ein Vielfaches an CO2.“

Militärische Tarnung von Kraftstoff-Verbrauch von Panzern und Flugzeugen

Ganz ähnlich sei es , laut Eick, mit Daten die Aufschluss über den Kraftstoff-Verbrauch von Panzern, Flugzeugen und anderem geben könnten. „Im Nachhaltigkeitsbericht von Rheinmetall: keine Information zum Verbrauch des Leopard-Panzers. Der Verbrauch eines Eurofighters? Pauschal nicht zu beantworten, sagt Airbus.“ Blogs berichten der Eurofighter brauche

  • 160 Liter Kerosin pro Minute im Normalbetrieb und
  • bis zu 530 Litern, wenn der Nachbrenner für einen Extraschub sorgt

Dem Hersteller zufolge habe die Eurofighter-Flotte in den vergangen zehn Jahren weit über eine halbe Million Flugstunden absolviert.

Hochgerechtet vom Portal Klimaretter.info:
„Eine Flugstunde entspreche in etwa dem,
was ein Deutscher im Jahr an klimaschädlichem CO2 verursacht.“

Also die Eurofighter erzeugten in 10 Jahren soviel CO2 wie 500000 Deutsche Zivilisten.

Aber auch hier sei die Bundesrepublik mit 141 Eurofightern ein kleines Licht:

„Dem US-Militär-Portal Global Firepower zufolge verfügte vor einigen Jahren allein die US-Luftwaffe über 5200 Jagd- und Kampfflugzeuge. Russland und China pilotierten schon damals ebenfalls einige Tausend Kampfjets. Hinzu komme das globale Arsenal an Panzern, Kampfhubschraubern, Raketenwerfern und sonstigen gepanzerten Fahrzeugen.

Auch die CO2-Effekte von deutschen Auslandseinsätzen wurden bislang nicht erfasst

Was die Bilanzen der Militärs betrifft, gäbe es ohnehin ein großes Aber: „Es werden nur die Emissionen im Inland erhoben – wenn überhaupt.“

Das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) teilte WELT mit:
„Emissionen aus internationalen Einsätzen der Bundeswehr unter NATO- oder UN-Mandat werden in den deutschen Emissionsinventaren nicht erfasst“, sie würden als „not estimated“ vermerkt. Ob sich das unter der neuen Ampelregierung in Deutschland ändert wage ich zu bezweifeln. Der österreichsiche Friedensforscher Werner Wintersteiner berichtete jüngst, das er auf Einladung der Grünen zum Ukrainekonflikte über die historischen Versäumnisse sprach das Gemeinsame Haus Europa mit Russland zu errichten. Er wurde daraufhin sofort als Putinversteher angegriffen.

Fehlende Informationen zu bezogenen Kraftstoffmengen sind der Grund. Auch NATO-Übungen und -Rotationen >>dürften ebenfalls unter „NE“ verbucht werden<<.

MKS 180 Deutschlands größte Kriegsschiffe bauen ab sofort die Holländer

„Emissionsspitzenreiter im Bereich Rüstung dürften die USA sein. Mehr als ein Drittel des globalen Militärhaushalts entfällt auf sie, 2019 waren die Amerikaner in 80 Staaten militärisch aktiv.“

„Einige Forscher halten daher das Pentagon für den größten Einzelemittenten der Welt.“

Felix Eick

Der Irakkrieg solle, der NGO – Oil Change International, 141 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß in vier Jahren verursacht haben.

„Das entspreche 25 Millionen zusätzlichen Autos auf Amerikas Straßen, über ein ganzes Jahr hinweg.“
„Allein der Irakkrieg soll – laut Oil Change International – von 2008 jährlich so viel verursacht haben, dass nur gut 50 Staaten den Ausstoß dieses einen Einsatzes übertrafen.

Größter Einzelemittent

Für Aufsehen sorgte zudem eine Studie der Brown University. Ein Forscherteam schätze den Kohlendioxidausstoß des US-Verteidigungsministeriums zwischen 2001 und 2017 auf:

  • 1,2 Milliarden Tonnen CO2
  • 2017 seien es 59 Millionen Tonnen gewesen

Das sei mehr als Industrieländer wie Schweden pro Jahr verursachen.
„Wäre das Pentagon ein Staat, läge es der Studie zufolge auf Platz 55 der größten Emittenten weltweit.“

Weiter hieß es:
„Das US-Verteidigungsministerium ist mit einem Anteil von 77 bis 80 Prozent am gesamten Energieverbrauch der US-Regierung seit 2001 der größte Verbraucher fossiler Brennstoffe. Dieser Treibstoffbedarf liegt seit Jahren konstant bei gut 85 Millionen Barrel (159 Liter), wie das Ministerium jährlich veröffentlicht.“

Haupt-Quelle des Artikels:

https://www.welt.de/wirtschaft/article211016375/CO2-Emissionen-Krieg-und-Ruestung-die-vergessenen-Klimasuender.html

Links zu Organisationen die sich mit Rüstung, Militär und Klimakrise befassen

 

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