friedensnews.at
Stellt die Friedensfragen!

40 Jahre Tschernobyl: Warum Atomenergie, Krieg und Neutralität zusammengehören

Erstellt am 27.05.2026 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 2 mal gelesen und am 27.05.2026 zuletzt geändert.
Symbolbild zu 40 Jahre Tschernobyl: Atomkraftwerk, Warnzeichen, Friedenstaube und Hinweis auf Neutralität und demokratische Energiewende.
Vierzig Jahre nach Tschernobyl bleibt die Frage aktuell: Wie hängen Atomenergie, Krieg, Demokratie, Neutralität und soziale Sicherheit zusammen?

Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie und Krieg stellen Videos einer Wiener Podiumsdiskussion online. Die Botschaft: Tschernobyl ist nicht vorbei. Und im Krieg wird Atomkraft noch gefährlicher.

Vierzig Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl erinnern Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie und Krieg daran, dass Atomenergie nie nur eine technische Frage war. Sie ist auch eine Frage von Demokratie, Krieg, Frieden, Sozialstaat und Neutralität. Die Videos einer Wiener Podiumsdiskussion mit Helga Kromp-Kolb, Nikolaus Müllner und Wilfried Leisch sind nun online abrufbar.

Am 26. April 1986 explodierte Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl. Es war einer der schwersten Technik- und Politikunfälle der Moderne.

Die Folgen reichten weit über die damalige Sowjetunion hinaus besonderse seit den Kriegen zwischen Russland und der Ukraine: radioaktive Belastung, Evakuierungen, verstrahlte Gebiete, gesundheitliche Langzeitfolgen, Misstrauen gegen staatliche Informationspolitik und eine neue Anti-Atom-Bewegung in vielen Ländern.

Vierzig Jahre später ist Tschernobyl nicht bloß Geschichte

Der Ort liegt heute in der Ukraine, also in einem Land, das seit 2022 von Russland angegriffen wird. Damit zeigt sich eine neue aber seit Hiroshima bekannte Gefahr: Atomenergie ist selbst in Friedenszeiten riskant genug. Atomenergie in Kriegszeiten sie zur zusätzlichen und über Jahrtausende nachhaltigen Verwundbarkeit ganzer Gesellschaften.

Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie und Krieg haben deshalb eine Podiumsdiskussion zum Thema „40 Jahre AKW-Super-GAU in Tschernobyl“ dokumentiert und die Videos online gestellt. Die Veranstaltung fand am 28. April 2026 im Otto-Mauer-Zentrum in Wien statt. Mit dabei waren em. o. Univ.-Prof.in Helga Kromp-Kolb, Dr. Nikolaus Müllner vom Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der BOKU, Dr. Wilfried Leisch von den Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie und Krieg sowie Dr. Sigrid Kroismayr vom Club of Vienna als Moderatorin.

Die Statements sind hier abrufbar:

Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb:
https://www.youtube.com/watch?v=7H6oQBH25Bg&t=6s

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Prof. Dr. Nikolaus Müllner:
https://www.youtube.com/watch?v=rrubnCPa5UA&t=74s

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Dr. Wilfried Leisch:
https://www.youtube.com/watch?v=RO-9vPH4wD8&t=4s

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Die gesamte Podiumsdiskussion:
https://www.youtube.com/watch?v=GDW3CcSKCcI

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Die zentrale Lehre aus Tschernobyl lautet:

Technik ohne demokratische Kontrolle, Sicherheitskultur ohne Transparenz und Energiepolitik ohne Friedenspolitik sind gefährlich. Atomkraftwerke sind keine gewöhnlichen Industrieanlagen. Sie brauchen stabile Staaten, funktionierende Aufsicht, gut ausgebildetes Personal, verlässliche Kommunikation, internationale Zusammenarbeit und eine politische Kultur, die Fehler nicht vertuscht.

Genau daran erinnern die Videos. Sie verbinden drei Fragen, die oft getrennt behandelt werden:

  • Erstens: Wie sicher kann Atomenergie überhaupt sein?
  • Zweitens: Was passiert, wenn Atomkraftwerke in Kriegs- und Krisengebieten liegen?
  • Drittens: Welche Rolle soll ein neutrales Land wie Österreich spielen, wenn Europa wieder auf Aufrüstung, Abschreckung und militärische Blocklogik setzt?

Österreich hat 1978 in der Volksabstimmung gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf gestimmt. Das war eine demokratische Entscheidung mit langer Wirkung. Sie wurde zu einem Teil der österreichischen politischen Identität: keine Atomkraft im eigenen Land, kritische Haltung gegenüber Atomenergie in Europa, besondere Sensibilität für Sicherheitsfragen.

Heute reicht diese Haltung nicht mehr als bloßes Nein. Sie muss weitergedacht werden: in Richtung erneuerbare Energie, Energieeinsparung, soziale Gerechtigkeit, Friedenspolitik und Neutralität. Wer Atomenergie ablehnt, muss zeigen, wie eine sichere, leistbare und klimafreundliche Energieversorgung ohne Atomkraft und ohne fossile Abhängigkeit gelingen kann.

Darin liegt auch die friedenspolitische Stärke des Themas. Denn:

Energiepolitik entscheidet mit darüber, ob Staaten erpressbar sind, ob Kriege finanziert werden, ob autoritäre Regime gestärkt werden und ob soziale Konflikte zunehmen. Eine demokratische Energiewende ist daher nicht nur Klimapolitik. Sie ist auch Friedenspolitik.

Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie und Krieg stellen diese Verbindung ausdrücklich her. Sie treten gegen Atomenergie, Krieg, Militarisierung und Sozialabbau auf und verbinden ihre Anti-Atom-Arbeit mit Fragen von Demokratie, Sozialstaat, Neutralität und Frieden.

Das ist unbequem, aber umso dringend notwendig. Denn ein Frieden, der die Energiefrage ignoriert, bleibt naiv. Und eine Energiewende, die soziale Sicherheit und internationale Friedensordnung vergisst, verliert Menschen.

Tschernobyl mahnt uns deshalb nicht nur zur Vorsicht gegenüber einer riskanten Technologie. Tschernobyl mahnt uns auch zu einer anderen politischen Vernunft:

  • Keine Energiepolitik ohne Demokratie.
  • Keine Klimapolitik ohne soziale Gerechtigkeit.
  • Keine Sicherheitspolitik ohne Friedenslogik.

Keine Neutralität ohne aktive Vermittlung, Abrüstung und Entspannung.

Die Videos der Podiumsdiskussion sind daher mehr als ein Rückblick.
Sie sind ein Angebot zur politischen Bildung. Sie eignen sich für Schulen, Gewerkschaftsgruppen, Friedensinitiativen, Klimagruppen, Diskussionsabende und alle Menschen, die verstehen wollen, warum Atomenergie, Krieg und Demokratie enger zusammenhängen, als viele glauben.

Weitere Informationen:

Gewerkschafter:innen gegen Atomenergie und Krieg:
http://atomgegner.at

Club of Vienna:
https://www.clubofvienna.org

Friedensnews.at-Terminankündigung zur Veranstaltung:
https://www.friedensnews.at/2026/04/24/friedens-termine-in-wien/

Internationale Atomenergie-Organisation zu Tschernobyl:
https://www.iaea.org/topics/chornobyl

Vereinte Nationen: International Chernobyl Disaster Remembrance Day:
https://www.un.org/en/observances/chernobyl-remembrance-day

Weitere Friedensnews-Bezüge:

Friedens-Termine in Wien:
https://www.friedensnews.at/2026/04/24/friedens-termine-in-wien/

Über Friedensnews.at:
https://www.friedensnews.at/about

Frieden braucht Stimmen, die weitersprechen, wenn andere schweigen.
Hilf mit, dass unabhängiger Friedensjournalismus bestehen kann.
Schon ein kleiner Beitrag oder eine geteilte Geschichte stärkt unsere gemeinsame Arbeit für eine friedliche Welt.

Jetzt Frieden fördernAttachment.tiff

Oder melde dich bei uns: ahl@zimd.at
Mehr über uns: www.friedensnews.at/aboutAttachment.tiff

SEO-Vorschlag:

Slug:
tschernobyl-40-jahre-atomenergie-krieg-neutralitaet

Meta-Beschreibung:
Vierzig Jahre nach Tschernobyl zeigen Videos einer Wiener Podiumsdiskussion, warum Atomenergie, Krieg, Demokratie, Sozialstaat und Neutralität zusammengehören.

Kategorien:
Frieden
Abrüstung
Österreich
Klima und Energie
Termine und Veranstaltungen

Schlagwörter:
Tschernobyl, Atomenergie, Krieg, Neutralität, Österreich, Gewerkschafter gegen Atomenergie und Krieg, Helga Kromp-Kolb, Nikolaus Müllner, Wilfried Leisch, Club of Vienna, Friedenspolitik, Energiewende, Sozialstaat

 

Posted in Abrüstung, Conversion, Europa, Friedensarbeit, Friedensbewegung, Friedensexport, Friedensorganisation, Friedenspädagogik, Friedenspolitik, Friedensstifter, Friedensstifterin, Friedensstruktur, Gewaltprävention, Global, Krisenregion, Menschenrecht, Mitwelt, Österreich, Peacebuilding, Russland, Südosteuropa, Tipp, Umwelt, Unfrieden, Völkerrecht, Weltanschauungen, Wien, Wirtschaft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert