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Stellt die Friedensfragen!

In Memoriam Friedensmensch Dolores Bauer

Erstellt am 07.07.2010 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 5690 mal gelesen und am 08.07.2010 zuletzt geändert.

Dolores BauerSie war die Grande Dame der Journalistinnen, die sich mit Frieden, Entwicklung und Abrüstung befasst haben. Nachdem ich über zwei Jahrzehnte vor allem ihre herausragenden Radiosendungen auf oe1 hören durfte, habe ich die Altmeisterin 2003 persönlich in Schlaining kennen gelernt.

Wie wir kürzlich erfahren haben, ist Dolores Bauer, Journalistin und Autorin, bereits am 23. Juni dieses Jahres verstorben.

Neben ihrem Engagement für

  • Fragen der Entwicklungspolitik,
  • ihrer Tätigkeit im ORF-Hörfunk, aktueller Dienst, Abt. Religion u.a.,
  • war sie auch den Anliegen der Friedensbewegung innig verbunden.

Im Folgenden stellvertretend ein Redetext vom August 2003 – Weitere Grußbotschaften von Dolores Bauer finden sich auf www.hiroshima.at

Die Friedensbewegung verliert mit Dolores Bauer eine großartige und engagierte Persönlichkeit.

Rede von Dolores Bauer zum Hiroshima-Tag, 6. August 2003 auf dem Wiener Stephansplatz

Liebe Friedensfreundinnen, liebe Friedensfreunde,

Wir waren schon viel weiter, was die Ächtung der Atomwaffen, der nuklearen Techniken anlangt. Wir sind zurück gefallen und ich würde
sagen, seit dem 11. 9. 2001 erkenne ich – ich sage es jetzt provokant – einen Rückfall in die Barbarei. Es ist die Barbarei des wieder möglichen
Krieges. Der Krieg ist wieder zu einem Mittel der Politik geworden. Er hat sich sozusagen hochstilisiert:

wir können wieder, wir dürfen wieder.

Und die Sicherheits- und Verteidigungsdoktrin der USA, formuliert im vergangenen Jahr, sagt uns, Krieg ist wieder nicht nur möglich, sondern Krieg ist, sozusagen, wieder „in“, und zwar Krieg als Präventivmaßnahme.

Wir verteidigen uns vorwärts — ich weiss nicht, irgendwo in meinem Leben muss ich das schon mal gehört haben, diese Vorwärtsverteidigung.

Und ich glaube eines, liebe Freunde und Freundinnen, wir dürfen da schlicht und einfach nicht mitmachen. Aber wir machen mit. Denn

  • die tanzen und die singen und die machen Fun und
  • die kaufen ein und die machen Konsum und
  • wenn man uns dann so weit hat, dass wir willenlose Konsumidioten geworden sind,

dann kann man mit uns auch Krieg machen.

Und genau daraufhin läuft es meines Erachtens auch hinaus. Und das dürfen wir an diesem heutigen Tag, an diesem 6. August 2003, nicht einfach als selbstverständlich hinnehmen, denn wir sind denkende, mitfühlende Menschen.

Wir können Krieg nicht einfach als Mittel der Politik wieder möglich, ja für wünschenswert erachten.

Und Habgier, das habe ich neulich wo gelesen, Habgier ist schön. Ja, liebe Freundinnen und Freunde, die Welt, diese Schöpfung hat genug für jedes Problem und für jeden Mangel, aber sie hat nicht genug für die Habgier der Wenigen. Das ist eindeutig und sicher.

Und jetzt stellt sich für mich die Frage:

Und ich stelle fest — und ich weiss nicht, vielleicht habe ich mir die Ohren verstopft und das ist an sich nicht meine Art — ich höre in Österreich keine Diskussion über die neue Verfassung der Europäischen Union.

Und ich habe einen schrecklichen Verdacht: Da läuft was, ich sage es jetzt brutal, unter der Bettdecken. Und zwar was läuft? Ich habe gestern ein Papier von den Linzer Friedensfreundinnen und Friedensfreunden bekommen, die sich da ein bißchen Mühe gemacht haben und es war auch schon in Schlaining davon die Rede und es war auch beim Kirchentag in Berlin davon die Rede. Hier soll eine neue Verfassung entstehen, die Europa kriegsfähig macht. Ich weiss es nicht: Sollen wir gegen die Amerikaner Krieg führen?

Ich meine, das wäre eine Trottelei.

Aber am 18. Juni d. J. beim Gipfeltreffen in Thessaloniki hat sich Javier Solana mit einem Entwurf zu einer neuen Sicherheits- und Verteidigungsdoktrin der Europäischen Union eingestellt und so weit ich mich in diese Texte hinein vertieft habe, wenn ich dieses Juristenchinesisch richtig deute, ist da kein Unterschied zwischen der USA-Verteidigungs- und Sicherheitsdoktrin und der europäischen Verteidigungs- und Sicherheitsdoktrin. Da hat man zwei Absätze ein bißchen modifiziert.

Klar gesagt heißt das,

  • Europa soll sich wieder bewaffnen, als wären wir nicht genug bewaffnet, als hätten nicht auch europäische Staaten nukleare Waffen.
  • Wir sollten uns mehr bewaffnen.
  • Wir müssen mehr beitragen zur Militarisierung und Wiederbewaffnung Europas, um stark zu werden in der Welt.

Liebe Freundinnen und Freunde, wenn das nicht ein Holzweg ist, dann weiß ich nicht, was Holzwege sind.

Ich glaube, Europa hätte eine Chance jetzt, in dieser Zeit, in dieser schlimmen Kriegszeit, in der wir sind — es sind ja nicht nur die Kriege im Irak, es ist vor allem dieser große lang andauernde Krieg der Reichen gegen die Armen — da hat Europa eine andere Aufgabe:

Wir haben die Aufgabe, sozusagen eine moralische Supermacht zu werden und nicht eine Kriegssupermacht.

Da existiert schon eine und das genügt für die ganze Welt.

Wir sollten uns wirklich bemühen, alle Kräfte der Sozialisierung, der Solidarisierung, der Ökologisierung so weit zu befördern und zu
bestärken, dass wir beweisen können, auch den Amerikanerinnen und Amerikanern beweisen können, dass Lebensqualität erhöht, auf jeden Fall
verbessert und gehalten werden kann, wenn man dafür sorgt, dass die Menschen in sozialer Sicherheit, nicht im Mißbrauch, nicht in Ausbeutung, in sozialer Sicherheit leben können.

  • Dass Menschen im Miteinander, im geschwisterlichen Miteinander solidarisch leben können,
  • dass wir in Europa miteinander teilen können, dass auch die Armen in Europa ihren Teil abbekommen und
  • dass wir vor allem Weltmeister im Nord-Süd-Konflikt werden,
  • dass Europa die Macht sein kann, die die Menschen jetzt nicht mit Geld versorgt, wie in Äthiopien, wo man den Menschen Körner schickt, die sie nicht einmal kochen können, weil es kein Wasser gibt, sondern
  • dass man ihnen die Möglichkeit gibt, in ihrem Land ordentlich und in Frieden zu leben.

Das müsste unser Ziel sein, liebe Freundinnen und Freunde.

Ich sage Ihnen eines: Nie wieder Hiroshima! Nie wieder Nagasaki!

Aber alles, was wir können und was wir tun,

  • für eine friedliche Welt,
  • denn eine andere Welt ist möglich.

Davon bin ich überzeugt.

Wenn wir alle zusammen stehen und wenn diese neuen Bewegungen von unten miteinandervernetzt werden, dann werden wir auch gegen lautstarke Krümmler wie Bush und Konsorten ein Wort zu verlieren haben. Und dieses Wort heißt Zukunft, Zukunftsfähigkeit.

Eine Geschichte möchte ich euch noch erzählen: Auf diesem Platz, da oben an einem Fenster bin ich vor, ich glaube, ziemlich genau zwanzig Jahren
gemeinsam mit Johan Galtung gestanden. Und Johan Galtung, der berühmte Friedensforscher, hat mir gesagt:

„Dolores Bauer, ich stehe vor diesem wunderbaren Dom und ich bin voll der Demut. Diesen Dom haben über Generationen Menschen gebaut, die nicht gewusst haben, wie diese Bauwerk aussehen wird, wenn es fertig ist. Sie haben gebaut an etwas, dessen Ziel, dessen Ende sie nicht voraussehen konnten. Sehen Sie, genau das ist es, was wir Friedensmenschen tun müssen. Wir bauen an einem Gebäude in Zukunft, Schritt für Schritt, Stein für Stein, auch wenn wir in unserer Lebenszeit es nicht mehr fertig sehen werden. Dieser Frieden in der Welt, dieser große Shalom ist jede Anstrengung wert.

Und ich sage Ihnen: o.k., mir kann es langsam wurscht sein, meine Lebenserwartung ist nicht mehr so lange. Aber wissen Sie, ich habe elf Enkel. Und diese elf Enkel werden vielleicht einmal sagen: Die Oma hat es nicht geschafft, aber sie hat es wenigstens versucht.

Danke!<<

Dolores Bauer ist tot ihre geistige und seelische Kraft lebt weiter in allen die es wenigstens versuchen den Frieden in der Welt mit friedlichen Mitteln zu sichern und damit die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder.

 

Posted in Friedensarbeit, Friedensgemeinde, Friedensjournalismus, Friedenskultur

2 Responses

  1. Margarete Dorotic

    Danke für den Abdruck dieser Rede von Dolores Bauer.Sie hatte so ein Gespür für die vorgänge in dieser Welt. Ich bin sehr betroffen über die Nachricht von ihrem Tod. Ihr Lebenseinsatz, ihre mutigen, klaren Worte sind ein Appell
    an jeden, der sie vernimmt, ebenso wachsam zu sein und sich einzusetzen
    nach besten Kräften für eine solidarische Welt.

  2. atwooki John

    Rest in Peace Ms Bauer, i was the one responsible for driving her whenever she visited Uganda, she treated me with alot of respect and loved me so much like her own child.i was shocked to hear about her death. i can testfy that she loved Uganda so much with all her heart and all her strength. I will miss her so much. May her soul rest in eternal peace.

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