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International Peace Day – Start der UN-Generalsversammlung in New York

Erstellt am 21.09.2026 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 56 mal gelesen und am 21.09.2026 zuletzt geändert.

Heute, Montag, 21. September 2026, seit 16 h MEZ(NY+6h), läuft bereits die hochrangige Woche der 81. UN-Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Die General Debate, also die große Redeschlacht der Staats- und Regierungschefs, beginnt morgen, Dienstag, 22. September.

Heute: Was kann man aus Wien verfolgen?

Die UN überträgt sehr viel live und kostenlos über UN Web TV:

UN Web TV – heutiges Liveprogramm

Die dort angegebenen Zeiten sind New Yorker Zeit. Derzeit ist Wien sechs Stunden voraus. Ein Termin um 10:00 Uhr in New York ist also 16:00 Uhr in Wien, 14:30 Uhr entspricht 20:30 Uhr Wien.

Heute laufen unter anderem die SDG Media Zone, Veranstaltungen zu Klimainnovationen, humanitärer Diplomatie und Entwicklungsfinanzierung sowie der „Partners for Multilateralism“-Gipfel. Um 23:30 Uhr Wiener Zeit ist etwa ein Medienauftritt von António Costa, William Ruto und Mark Carney nach diesem Gipfel angesetzt. UN Web TV

Die wichtigsten Tage dieser Woche

Für deine friedensnews-Interessen würde ich besonders 22., 23. und 29. September im Auge behalten. Morgen beginnt die Generaldebatte mit den großen außenpolitischen Reden. Am 23. September gibt es unter anderem das hochrangige Treffen „Climate Action and the Just Transition“. Am 29. September folgt das hochrangige Treffen zur vollständigen Abschaffung von Atomwaffen – für Friedensnews wahrscheinlich einer der interessantesten Termine überhaupt. Vereinte Nationen

Die Generaldebatte selbst läuft 22.–26. und 28. September. Die Reden der Staats- und Regierungschefs können ebenfalls live und später als Aufzeichnung angesehen werden. Vereinte Nationen

Offizielle UN-Seite zur High-Level Week 2026

Und wann kommt der neue UN-Generalsekretär?

Das ist dieses Jahr besonders interessant: António Guterres‘ Amtszeit endet am 31. Dezember 2026. Der oder die zehnte UN-Generalsekretär/in tritt am 1. Januar 2027 an. The United Nations in Türkiye

Die Entscheidung fällt nicht einfach durch eine freie Wahl in der Generalversammlung. Entscheidend ist zunächst der Sicherheitsrat. Österreich wurde für die nächsten zwei Jahre in dieses Gremium gewählt. Er muss einen Kandidaten bzw. eine Kandidatin empfehlen. Leider können die fünf ständigen Mitglieder USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien durch ihr Veto eine Kandidatur – die dem Rest des Sicherheitsrates genehm wäre – verhindern. Anschließend nimmt die Generalversammlung nur mehr die formelle Ernennung vor.

Der Prozess läuft bereits. Die öffentlichen Kandidatenbefragungen fanden im April, Juni und August statt, und der Sicherheitsrat beschäftigt sich inzwischen mit den Kandidaturen. Die UN erwartet die endgültige Ernennung Ende 2026: Traditionell kristallisiert sich die Entscheidung häufig zwischen August und Oktober heraus, einen verbindlichen Tag für die endgültige Ernennung gibt es, laut Vereinte Nationen, derzeit aber noch nicht.

Besonders interessant: Die offizielle Kandidatenliste umfasst derzeit unter anderem

  • Rafael Mariano Grossi
  • Rebeca Grynspan
  • María Fernanda Espinosa
  • Macky Sall
  • Olara Otunnu
  • Carolyn Rodrigues Birkett und
  • Ivonne A-Baki

Michelle Bachelets Kandidatur wurde zurückgezogen.

UN: offizieller Stand der Wahl des nächsten Generalsekretärs

Für Friedensnews hat außerdem für jeden Tag dieser UN-Woche die 3–5 friedenspolitisch wichtigsten Termine in Wiener Zeit herausfiltert – einschließlich Trump, Ukraine, Gaza, Abrüstung, Klima und der Generalsekretär-Nachfolge.

Die Welt trifft sich in New York – was von der UN-Woche 2026 zu erwarten ist

Ab Dienstag gehört das berühmteste Rednerpult der Welt wieder den Staats- und Regierungschefs. Fast 130 von ihnen kommen zur 81. UN-Generalversammlung nach New York. Es geht um Kriege und Frieden, Klima, Entwicklung, Atomwaffen – und im Hintergrund bereits um die Frage, wer António Guterres als UN-Generalsekretär nachfolgt. Wer will, kann fast alles live im Internet verfolgen.

Am East River in New York wird es in diesen Tagen eng. Präsidenten, Regierungschefs, Außenminister, Diplomaten, Journalisten und Sicherheitsleute bevölkern das UN-Viertel.

Die 81. Generalversammlung der Vereinten Nationen ist zwar bereits seit dem 8. September eröffnet. Politisch interessant für die breite Öffentlichkeit wird es aber jetzt: Die sogenannte High-Level Week hat begonnen.

Ihr Herzstück ist die Generaldebatte.

Sie beginnt am Dienstag, 22. September 2026, und läuft bis Samstag, 26. September, sowie abschließend am Montag, 28. September.

Alle 193 Mitgliedstaaten können dort zu Wort kommen. Anders als im Sicherheitsrat gilt in der Generalversammlung grundsätzlich: ein Staat, eine Stimme.

Das diesjährige Motto lautet:

„Vertrauen wiederherstellen, Wandel gestalten:
Vereinte Nationen, die für alle Ergebnisse liefern.“

Das klingt nach klassischem UN-Deutsch. Dahinter steckt allerdings eine ziemlich fundamentale Frage:

Kann die UNO in einer zunehmend zerstrittenen Welt noch genügend gemeinsame Interessen organisieren, um globale Probleme friedlich zu lösen?

Zuschauen vom Sofa aus

Das Erfreuliche zuerst: Für die UN-Generalversammlung braucht man weder Diplomatenpass noch Flugticket nach New York.

Die Vereinten Nationen übertragen die Generaldebatte und die großen Sonderveranstaltungen kostenlos über UN Web TV. Die Reden können dort auch später angesehen werden.

Für Österreich ist die Rechnung derzeit einfach:

New Yorker Zeit + 6 Stunden = Wiener Zeit.

Beginnt eine Sitzung beispielsweise um 9 Uhr morgens in New York, ist es in Wien 15 Uhr.

Damit lässt sich Weltpolitik in diesem Fall erstaunlich bequem vom Wohnzimmer aus beobachten.

Dienstag: Die große politische Bühne öffnet sich

Am 22. September beginnt die eigentliche Generaldebatte.

Fast 130 Staats- und Regierungschefs werden laut UNO persönlich erwartet.

Die Reden sind politisch interessant, aber man sollte sie nicht mit Entscheidungen verwechseln. Kein Krieg endet, weil ein Präsident 15 Minuten lang vor grünem Marmor spricht.

Dennoch haben diese Reden eine wichtige Funktion.

Innerhalb weniger Tage lässt sich beobachten, wie die Regierungen der Welt ihre Lage beschreiben, welche Probleme sie für wichtig halten und welche Lösungen sie anbieten.

Mindestens ebenso wichtig ist das, was die Fernsehkameras kaum sehen: Rund um die Generalversammlung finden Hunderte bilaterale und multilaterale Treffen statt. Staaten, die sich sonst nur mühsam an einen Tisch bringen lassen, sitzen plötzlich wenige Häuserblocks voneinander entfernt.

Das ist eine der unterschätzten Leistungen der UNO.

Diplomatie verhindert Konflikte häufig gerade dadurch, dass etwas nicht passiert.

Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg

Für Friedensjournalismus lohnt sich deshalb ein etwas anderer Blick auf diese UN-Woche.

Natürlich werden die großen Kriege und internationalen Konflikte eine zentrale Rolle spielen. Doch nachhaltiger Frieden hängt nicht nur davon ab, ob irgendwo geschossen wird.

Er hängt auch davon ab, ob Menschen genug zu essen haben, Staaten funktionieren, Ressourcen einigermaßen gerecht verteilt werden, Menschenrechte gelten und die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten bleiben.

Genau deshalb gehören die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen – die Sustainable Development Goals – auch in die Friedenspolitik.

Bereits am 18. September fand der diesjährige „SDG Moment“ statt. Bis 2030 bleiben nur noch gut vier Jahre, um die 2015 beschlossenen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Das wird bei vielen Zielen nicht gelingen.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: Wer hat versagt?

Interessanter ist:

Was funktioniert – und wie lässt es sich schneller verbreiten?

Mittwoch: Klima wird Sicherheitspolitik

Am 23. September lädt UN-Generalsekretär António Guterres zu einem hochrangigen Treffen über Klimaschutz und einen gerechten Übergang.

Das Thema ist friedenspolitisch wichtiger, als es zunächst klingt.

Dürren erzeugen nicht automatisch Kriege. Überschwemmungen führen nicht automatisch zu Gewalt. Und Klimawandel ist keine einfache Ursache militärischer Konflikte.

Aber Klimaschäden können bestehende Spannungen verschärfen: um Wasser, Land, Nahrungsmittel, Migration und staatliche Ressourcen.

Klimapolitik ist damit auch langfristige Konfliktprävention.

Am 24. September beschäftigt sich ein weiteres hochrangiges Treffen mit dem steigenden Meeresspiegel. Für manche Inselstaaten geht es dabei nicht um ein abstraktes Umweltproblem, sondern um die Frage, ob Teile ihres Staatsgebietes langfristig überhaupt bewohnbar bleiben.

Freitag: Haben wir aus Corona gelernt?

Am 25. September folgt das hochrangige Treffen zur Vorbereitung auf künftige Pandemien.

Auch das gehört zu einem modernen Friedensbegriff.

COVID-19 hat gezeigt, dass ein Virus keine Grenzen respektiert und dass nationale Sicherheitspolitik allein globale Risiken nicht bewältigen kann.

Pandemievorsorge, Klimaschutz und Abrüstung haben deshalb etwas gemeinsam:

Vorbeugen ist meistens billiger als Katastrophen reparieren.

Eine erstaunlich einfache Erkenntnis – die Menschen politisch trotzdem immer wieder schwerfällt.

29. September: Der vielleicht wichtigste Friedenstermin

Für Friedensnews dürfte einer der interessantesten Termine sogar nach Abschluss der eigentlichen Generaldebatte stattfinden.

Am Dienstag, 29. September, veranstaltet die Generalversammlung ein hochrangiges Treffen zur vollständigen Abschaffung der Atomwaffen.

Das Thema begleitet die Vereinten Nationen praktisch seit ihrer Geburt.

Die erste Resolution der UN-Generalversammlung von 1946 beschäftigte sich bereits mit Atomenergie und der Beseitigung von Atomwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen.
80 Jahre später existieren diese Waffen immer noch.

Die UNO bezeichnet die vollständige nukleare Abrüstung weiterhin als ihre höchste Priorität im Bereich Abrüstung.

Gerade deshalb lohnt es sich, nicht nur zu fragen, welche Staaten neue Waffen beschaffen.

Friedensjournalismus sollte ebenso fragen:

  • Welche Abrüstungsvorschläge liegen auf dem Tisch?
  • Welche funktionieren?
  • Wer blockiert sie?
  • Welche Sicherheitsinteressen stehen dahinter – und wie könnten diese Interessen ohne immer gefährlichere Waffen geschützt werden?

Und dann sucht die UNO einen neuen Chef – oder eine neue Chefin

Über der diesjährigen Generalversammlung liegt noch ein zweites großes Thema.

António Guterres‘ zweite Amtszeit endet am 31. Dezember 2026.

Am 1. Januar 2027 soll der zehnte Generalsekretär oder die zehnte Generalsekretärin der Vereinten Nationen das Amt übernehmen.

Eine direkte Wahl durch die 193 Mitgliedstaaten gibt es allerdings nicht.

Nach Artikel 97 der UN-Charta schlägt zunächst der Sicherheitsrat eine Person vor. Erst danach erfolgt die Ernennung durch die Generalversammlung.

Damit besitzen die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates – China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA – erheblichen Einfluss auf die Auswahl.

Die UNO hat das Verfahren inzwischen transparenter gemacht. Kandidatinnen und Kandidaten legen Lebensläufe, politische Vorstellungen und Angaben zur Finanzierung ihrer Kampagnen offen und stellen sich öffentlichen Anhörungen.

Zu den derzeit offiziell geführten Kandidaturen gehören unter anderem der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde Rafael Mariano Grossi, die UNCTAD-Generalsekretärin Rebeca Grynspan, die frühere Präsidentin der UN-Generalversammlung María Fernanda Espinosa, der frühere senegalesische Präsident Macky Sall, der ugandische Diplomat Olara Otunnu, Carolyn Rodrigues Birkett aus Guyana und Ivonne A-Baki.

Michelle Bachelets Kandidatur wurde im März wieder zurückgezogen.

Einen fixen Tag, an dem der neue Generalsekretär bestimmt wird, gibt es derzeit nicht. Der Sicherheitsrat hat bereits mit der Behandlung der Kandidaturen begonnen. Er soll seine Empfehlung so rechtzeitig abgeben, dass die gewählte Person sich auf die Amtsübernahme am 1. Januar vorbereiten kann.

Die UNO ist nicht die Weltregierung – zum Glück oder leider

Von dieser Woche sollte man deshalb weder zu viel noch zu wenig erwarten.

Die Vereinten Nationen besitzen keine Weltregierung, die einen Krieg einfach verbieten, das Klima retten oder die Atommächte zur Abrüstung zwingen könnte.

Sie sind im Wesentlichen das, was ihre Mitgliedstaaten aus ihnen machen.

Aber genau darin liegt auch ihre Bedeutung.

193 Staaten verfügen über sehr unterschiedliche Interessen, Machtmittel, Religionen, politische Systeme und historische Erfahrungen. Trotzdem existiert ein Ort, an dem praktisch alle miteinander nach Regeln unbewaffnet reden können. Das ist keine Garantie für Frieden. Aber angesichts der Alternative ist es eine ziemlich vernünftige Einrichtung.

Die interessanteste Frage dieser UN-Woche lautet deshalb vielleicht nicht, welcher Präsident die spektakulärste Rede hält.

Sondern:

Wo entstehen aus 193 nationalen Interessen wenigstens einige gemeinsame Interessen der Menschheit?

Denn genau dort beginnt nachhaltiger Frieden.

 

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