Hiroshima mahnt: Stopp der atomaren Aufrüstung und der neuen Kriegspolitik

Am 6. August 2026 finden in Wien zwei Gedenk- und Friedensveranstaltungen statt.
Die USA warfen am 6. August 1945 eine Atombombe auf Hiroshima. Der größte Massenmord an Zivilistinnen und Zivilisten in der Geschichte, binnen kürzester Zeit bis heute.
Am 9. August ermordeten sie noch fast die ganze Bevölkerung von Nagasaki mit einer Wasserstoffbombe. Hunderttausende Menschen starben in diesen Städten sofort oder an den langfristigen Folgen der Verbrennungen und der radioaktiven Strahlung.
Damit begann das Atomzeitalter – und eine neue Qualität von Gefahr für die gesamte Menschheit. Erstmals gab es Waffen, mit denen nicht nur Städte, sondern die gesamte menschliche Zivilisation zerstört werden kann.
Die Gefahr der Menschheitsauslöschung wächst dramatisch
Anfang 2026 verfügten neun Staaten zusammen über rund 12.187 Atomwaffen. Viele davon sind sofort einsatzbereit. Alle Atommächte modernisieren und/oder erweitern ihre Arsenale.
Je mehr Staaten Atomwaffen besitzen, je kürzer die Entscheidungszeiten werden und je stärker internationale Konflikte eskalieren, desto größer ist die Gefahr eines Atomkriegs – geplant, versehentlich oder ausgelöst durch Fehleinschätzungen.
Hiroshima ist daher keine abgeschlossene Geschichte. Hiroshima ist eine permanente Warnung an die Gegenwart. Diese Gefahr endet erst, wenn die Welt vollkommen abgerüstet ist und keine stehenden Heere existieren.
Krieg wird aber wahnwitziger Weise wieder zum Mittel der Politik
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert an. Hunderttausende Menschen wurden getötet oder verletzt, Millionen vertrieben. Zugleich wächst das Risiko einer direkten Konfrontation zwischen Russland und der NATO.
In Gaza dauern Zerstörung, Vertreibung und die Vernichtung lebenswichtiger Infrastruktur an. Eine unabhängige UN-Untersuchungskommission spricht inzwischen von Völkermord und anderen schwersten Verbrechen. Ein endgültiges Urteil des Internationalen Gerichtshofs liegt noch nicht vor.
Auch der Libanon wurde durch israelische Angriffe schwer getroffen. Die rechtliche Lage ist dort jedoch anders zu bewerten als in Gaza.
Anfang Januar 2026 nahmen US-Streitkräfte Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro bei einer Militäraktion gefangen. Die US-Regierung bezeichnet dies als rechtmäßig, Kritiker als Entführung und schweren Bruch des Völkerrechts.
Gegenüber Kuba verbindet die Trump-Regierung Sanktionen, Drohungen und Vorstellungen eines Regierungswechsels mit Gesprächsangeboten und begrenzter humanitärer Hilfe.
Das ist eine gefährliche Entwicklung:
Großmächte mit Veto-Macht im UN-Sicherheitsrat behandeln militärische Gewalt wieder zunehmend als Werkzeug ihrer Außenpolitik und verstoßen damit schwer sanktionierbar gegen das Völkerrecht.
Europa macht sich „kriegstüchtig“
Die Europäische Union baut unter den Programmen „ReArm Europe“ und „Readiness 2030“ ihre Rüstungsindustrie, Streitkräfte und militärische Infrastruktur massiv aus, obwohl damit alle nachhaltigen Entwicklungsziele gefährdet werden.
Dabei wird Sicherheit fast ausschließlich militärisch gedacht. Doch Aufrüstung ohne gleich starke Friedensstrategie trägt in der Regel selbst zur Eskalation bei.
Notwendig wären im Rahmen der EU mindestens ebenso große Anstrengungen für:
- Diplomatie und Verhandlungen,
- Rüstungskontrolle und Abrüstung,
- zivile Konfliktbearbeitung,
- gemeinsame Sicherheit,
- Klimaschutz und soziale Stabilität.
Kriegstüchtigkeit ohne Friedensfähigkeit ist logischer Weise keine nachhaltige Sicherheitsstrategie.
Österreich und die Neutralität 81 Jahre nach Hiroshima
Österreich ist weiterhin kein NATO-Mitglied. Die Bundesregierung hat keinen offiziellen Beschluss für einen Beitritt gefasst. Allerdings wird der NATO-Beitritt inzwischen öffentlich diskutiert, und Österreich bindet sich – mit den Wölfen heulend – militärisch immer enger an EU- und an NATO-Strukturen. Die höhlt die Neutralität Schritt für Schritt aus und führt diese Errungenschaft immer mehr ad absurdum.
Eine glaubwürdige aktive Neutralitätspolitik dürtfte im Gegensatz dazu aber nicht Schweigen oder Wegsehen bedeuten. Sie müsste aktiv für die Verwirklichung des Völkerrechts, der Menschenrechte einstehen. Diplomatie, Abrüstungspolitik und humanitäre Hilfe müssten im Zentrum einer solchen Außenpolitik stehen.
Neutralität darf nicht Neutralität gegenüber Unrecht sein, sondern aktive Politik mit allen zu Gebote stehenden friedlichen Mitten. Militärische Verteidigung als letzter Notnagel sollte nicht dominant in der Landesverteidigung sein. Staat zentrale Säule der Umfassenden Landesverteidigung müsste Militär in eine verfassungsmäßig abgesicherte Umfassenden Friedensorganisation ein gehegt werden.
Grund genug, Stopp zu sagen
- Stopp der atomaren Aufrüstung.
- Stopp der Drohung mit Massenvernichtung.
- Stopp der Aushöhlung des Völkerrechts.
- Stopp der doppelten Maßstäbe.
- Stopp einer Politik, die für Waffen nahezu unbegrenzte Mittel findet, während bei Sozialstaat, Bildung, Klimaschutz und Entwicklungszusammenarbeit gespart wird.
Frieden bedeutet nicht Passivität und Wehrlosigkeit. Menschen müssen ernsthaft vor Angriff, Vertreibung und Gewalt geschützt werden. Aber militärische Mittel dürfen nicht zum politischen Autopiloten der EU oder Österreichs werden. Wir brauchen Frieden mit angemessenen, vorrangig friedlichen und menschenrechtskonformen Mitteln.
Hiroshima-Gedenken am 6. August 2026 in Wien
Stimmen für Neutralität, Frieden und soziale Gerechtigkeit
Donnerstag, 6. August 2026
16.30 bis 20.00 Uhr
Stephansplatz, 1010 Wien
Hiroshima-Gedenken der Hiroshimagruppe
Donnerstag, 6. August 2026
ab 19.00 Uhr
Karlsplatz, Teich vor der Karlskirche, 1040 Wien
Da sich die Veranstaltungen überschneiden, ist ein Wechsel vom Stephansplatz zum Karlsplatz möglich.
weiteres:
Planungstreffen für Aktionen im Herbst
Montag, 10. August 2026, 16.00 Uhr
ARGE Wehrdienstverweigerung
Schottengasse 3a/1/4/59
1010 Wien
Geplant werden Aktionen zu:
- Verlängerung des Wehrdienstes,
- Neutralität,
- Frieden,
- und der österreichischen Sicherheitspolitik.
Interessierte sind eingeladen, sich an der Vorbereitung zu beteiligen.
Hiroshima verpflichtet
81 Jahre nach Hiroshima reicht es nicht, „Nie wieder“ zu sagen.
„Nie wieder“ muss politische Praxis werden:
- Abrüstung statt atomarem Wettrüsten.
- Völkerrecht statt Machtpolitik.
- Diplomatie statt Dauereskalation.
- Friedensfähigkeit statt Kriegstüchtigkeit.
Und manchmal beginnt eine andere Politik mit einem einfachen Wort:
Stopp.
Quellen und weiterführende Informationen
- Vereinte Nationen: Atomwaffen und nukleare Abrüstung
- SIPRI Yearbook 2026: weltweite Atomwaffenbestände
- Internationaler Gerichtshof: Verfahren Südafrika gegen Israel
- UN-Untersuchungskommission zu Gaza
- Europäische Kommission: „Readiness 2030“
- Stimmen für Neutralität, Frieden und soziale Gerechtigkeit
- Internationaler Versöhnungsbund: Hiroshima-Gedenken in Wien
- Friedensnews: aktuelle Friedensveranstaltungen
Posted in Abrüstung, Aufrüstung, China, Ethik, Europa, Friedensarbeit, Friedensbewegung, Friedenskultur, Friedensorganisation, Friedenspädagogik, Friedenspolitik, Friedensstifter, Friedensstifterin, Friedensstruktur, Friedenstourismus, Gewaltprävention, Global, Großmächte, Internationales Strafrecht, Klima, Kriminalität, Menschenrecht, Mitwelt, Nachhaltigkeit (SDGs), Nahost, Österreich, Peacebuilding, Russland, Termine, Tipp, Umwelt, Unfrieden, USA, Völkerrecht, Weltanschauungen



