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41 Prozent weniger CO₂ werden plötzlich eine „Bild-Auto-Lüge“

Erstellt am 21.09.2026 von Andreas Hermann Landl
Dieser Artikel wurde 41 mal gelesen und am 21.09.2026 zuletzt geändert.
Satirisches Hero-Bild über boulevardartige Berichterstattung zur Klimabilanz von Elektroautos.
Wie aus 41 Prozent weniger CO₂ eine Auto-Lüge wird oder unsinnige Aufrüstung

Die verlorene Ehre der Elektroautos und der friedlichen Mittel?

RUMMS! So begann sinngemäß die große Enthüllung: Elektroautos seien gar nicht so sauber, wie uns erzählt werde. Die „Bild am Sonntag“ machte aus einer neuen Studie der Technischen Universität München die Schlagzeile „Die Auto-Lüge der EU“.

Nur: Was steht tatsächlich in der Studie und was oder wer könnte dahinterstecken – Ölbaron Putin, oder gar Drill-Baby-Trump, die deutsche Autoindustrie die plötzlich in Rüstungsfabriken investiert, Rheinmetall die in Wien immer noch keine E-Militär-LKws schafft, die Chinesen die die Deutschen und Ösis?

Das klingt nach Skandal. Nach ertappten Politikern. Nach Batterien mit falschem Schnurrbart. Ein guter Journalist hätte die Studien wohl nicht auf die Interessen der Geldgeber des Springerverlages zurecht gehackt.

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Die Forscher haben 19 Untersuchungen mit 47 verschiedenen Szenarien ausgewertet.

Ergebnis:
Elektroautos verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus im Durchschnitt 41 Prozent weniger Treibhausgase als vergleichbare Verbrenner.

In rund 92 Prozent der untersuchten Fälle schneiden sie sogar besser ab.
(8 % der E-Autos wurden so blöd unnachhaltig produziert, dass sie sogar gleich schlecht wie Verbrenner oder sogar etwas schlechter sind. Die Bild mach aus x=u perfide u=e-autUo und aus dem Bindstrich ein Minus – warum nur?).

41 Prozent weniger.

Man stelle sich dieselbe journalistische Methode bei anderen Themen vor:

„Neue Herztherapie rettet 41 Prozent mehr Patienten – MEDIZIN-LÜGE AUFGEFLOGEN!“

Oder:

„Neue Heizung verbraucht 41 Prozent weniger Gas – WÄRMEPUMPEN-SCHOCK!“

Mediation in bereits laufenden Bürgerkriegen ≈ 50 % weniger Kriegstote – MEDIATIONS-FLOP

Gewaltfreie vs. bewaffnete Massenkampagnen, 1945–2013 96–99 % weniger Todesopfer = (T<4) bild-schlagzeilen-skandalmaschine = (Alarmwort + Misstrauensfrage + künstlichen Gegenverdacht)x(T<4) = WISSENSCHAFTLICH ERWIESEN: GEWALTFREIHEIT IST TÖDLICH!

Der kleine Haken:
Bei bewaffneten Kampagnen waren es historisch rund 96–99 % mehr Todesopfer.
Aber davon lassen wir uns doch keine schöne Schlagzeile kaputtmachen.

Das Problem der TU M-Forscher ist nämlich ein anderes – und wesentlich vernünftiger:

Die EU zählt bei ihren Flottengrenzwerten hauptsächlich das CO₂, das während der Fahrt aus dem Auspuff kommt. Beim Elektroauto ist das NULL.

Batterieherstellung, Stromerzeugung und Fahrzeugproduktion verursachen natürlich trotzdem Emissionen. Die Forscher fordern ein korrektes Gesamtbild gewinnt man nur wenn man den gesamten Lebenszyklus berücksichtigt – Natürlich auch bei Verbrennerfahrzeugen mit Benzin oder Wasserstoff.

Darüber kann und soll man diskutieren. Auch bei einen Massenstreik gegen einen Krieg sollte man überlegen wie man Polizei- und Militär-Gewalt vorsorglich den Stecker zieht, das Wasser abgräbt, den Benzinkauf verhindert, etc.

Bei BILD wird aus einer Debatte über die richtige Rechenmethode plötzlich ein Kampf „Elektroauto gegen Verbrenner“. Genau hier beginnt die Technik des Gewalt-Boulevard-Journalismus:

Man nimmt einen richtigen Ausschnitt, dreht die Lautstärke auf elf und lässt den entscheidenden Zusammenhang hinter der Schlagzeile verschwinden.

Prof. Henrik te Heesen (s. Video oben) zeigt das in seinem Beitrag schön:

Je nach Annahmen kommen seriöse Studien auf unterschiedliche Werte.
41 Prozent, 53 Prozent oder 73 Prozent weniger Emissionen können unter verschiedenen Bedingungen gleichzeitig korrekt sein.

Entscheidend sind unter anderem Strommix, Batterieproduktion und Lebensdauer des Autos.

Friedensjournalismus würde anders arbeiten.

Nicht: Wer hat gelogen?

Sondern:

  • Was wissen wir?
  • Wo unterscheiden sich die Berechnungen?
  • Und welche Lösung reduziert tatsächlich am meisten CO₂?
  • Welche anderen Konflikte werden dadurch leichter lösbar?

Dann verliert die Geschichte zwar ihren reißerischen „RUMMS!“.
Sie gewinnt dafür etwas anderes:

Brauchbare Erkenntnisse statt Volks-Verhetzung.

Hintergrund – Konfliktbearbeitung mit friedlichen Mitteln zieht historische betrachtet x % weniger Kriege und Kriegstote und zivile Opfer nach sich?

Je nachdem, ob man Mediation, gewaltfreien Widerstand, Kriegstote oder gezielte Massentötungen von Zivilisten betrachtet, ergeben sich unterschiedliche Größenordnungen.

VergleichHistorischer BefundWas man daraus sagen darf
Mediation in bereits laufenden BürgerkriegenWenn die Mediation den eigentlichen Streitgegenstand behandelte, lagen die Gefechtstoten nach etwa einem Jahr im Mittel rund 50 % niedriger. Untersucht wurden afrikanische Konflikte 1993–2007. Sage Journals≈ 50 % weniger Kriegstote in diesem untersuchten Kontext
Gewaltfreie vs. bewaffnete Massenkampagnen, 1945–2013Im Mittel etwa 290 Tote pro gewaltfreier Kampagne gegenüber 25.353 bei bewaffneten Kampagnen. Das entspricht rechnerisch rund 98,9 % weniger Toten. Auch pro Kampagnenjahr war der Unterschied sehr groß: 105 gegenüber 2.851, also rund 96 % weniger. Sage Journals≈ 96–99 % weniger Todesopfer, aber nur für diesen speziellen Vergleich
Massentötungen von ZivilistenSie traten bei ungefähr 23 % der gewaltfreien, aber 68 % der bewaffneten Aufstände auf. Das Risiko lag damit relativ betrachtet rund 66 % niedriger. CNCR≈ zwei Drittel geringeres Risiko einer Massentötung
Wie viele Kriege werden verkürzt?Eine Untersuchung für 1946–2013 schätzt, dass ohne Mediation und Peacekeeping ungefähr 20 innerstaatliche und 20 zwischenstaatliche Konflikte länger weitergegangen wären – zusammen etwa 186 zusätzliche Konfliktjahre. Für 1990–2013 ergibt das Modell ohne Konfliktbearbeitung durchschnittlich ungefähr fünf zusätzliche laufende Konflikte pro Jahr. OUP AcademicStarkes Signal, aber daraus lässt sich kein seriöses universelles „x % weniger Kriege“ errechnen.

Frieden ist nicht nur menschlicher – oft ist er auch messbar sicherer. Historische Studien finden bei ernsthafter Mediation rund 50 Prozent weniger Gefechtstote. Bei gewaltfreien statt bewaffneten Massenkampagnen lag die Zahl der Todesopfer sogar um rund 96 bis 99 Prozent niedriger; das Risiko großer Massentötungen an Zivilisten war etwa zwei Drittel geringer. Sage Journals

Externe Links zum Artikel und den Quellen

Den Satz „Elektroautos verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus im Durchschnitt 41 Prozent weniger Treibhausgase“ würde ich direkt auf die TUM verlinken. Die Universität nennt außerdem, dass E-Autos in rund 92 Prozent der ausgewerteten Szenarien besser abschneiden. TUM
TUM: Lebenszyklusbetrachtung statt Auspuffmessung

Bei „Henrik te Heesen zeigt …“ gehört direkt sein Beitrag hinein. Er erläutert die unterschiedlichen Ergebnisse von 41, 53 und 73 Prozent und warum verschiedene Bilanzierungsgrenzen zu unterschiedlichen, dennoch methodisch vertretbaren Ergebnissen führen können. KLIMA UND KOHLE
Henrik te Heesen: Klimabilanz Autos – was die TUM-Studie sagt

Zusätzlich ist die Stellungnahme des deutschen Umweltministeriums journalistisch interessant, weil sie die TUM-Einordnung ausdrücklich bestreitet und für moderne Elektroautos 70–80 Prozent weniger CO₂ über den Lebenszyklus nennt. Gerade diese Differenz ist für einen guten Artikel wichtiger als ein künstliches „Wer lügt?“. BMU
Umweltministerium: Stellungnahme zur TUM-Studie

Interne Links: Die Friedensnews-Suche liefert derzeit kaum brauchbare aktuelle Treffer zu E-Mobilität oder Klimajournalismus. Zu den Themen Friedensjournalismus; Hassjournalismus; Gewaltjournalismus; Klima und Abrüstung, etc. findet ihr jedoch in der Suche vieles was vielleicht nach diesem Artikel Euer Herz noch begehrt.

 

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